Seit 100 Millionen Jahren in Bernstein konserviert

Älteste Spermien der Welt in Muschelkrebsen entdeckt

In diesem kleinen Stück Bernstein aus der Kreidezeit, gefunden in Myanmar, sind neben einigen Insekten insgesamt neununddreißig Muschelkrebse eingeschlossen. Mit einem Röntgenmikroskop entdeckten die Forscher in einem Muschelkrebsweibchen die Forscher die Spermazellen.
© Pressebild, He Wang & Xiangdong Zhao

16. September 2020 - 20:25 Uhr

Internationale Forscher machen Sensationsfund in Myanmar

In einem Bernstein entdeckte ein internationales Team von Paläontologen die bisher ältesten bekannten Spermienzellen der Welt. Vermutlich sind sie rund 100 Millionen Jahre alt. Gefunden wurde der Bernstein in Myanmar. Das Sperma befand sich im Inneren eines bisher unbekannten Muschelkrebstiers, das sich offenbar gepaart hatte, bevor es im Baumharz eingeschlossen wurde und versteinerte.

Faszinierender Blick in die Vergangenheit

Es sind die bislang ältesten Nachweise von Spermien überhaupt, es handelt sich um sogenannte Riesenzellen. Und entdeckt wurden sie in einem Stück Bernstein aus dem südostasiatischen Myanmar, in dem eine bisher unbekannten winzige Krebstierart seit Millionen Jahren eingeschlossen war. Die Muschelkrebse wurden in der Kreidezeit, vor rund 100 Millionen Jahren, von einem Tropfen Baumharz eingeschlossen und versteinerten.

Überraschung unter dem Röntgenmikroskop

Die Paläontologen fertigten mit Röntgenmikroskopen am Computer 3-D-Rekonstruktionen der Muschelkrebse an. Wesentlich beteiligt an der Auswertung war auch die Abteilung für Geobiologie der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Auf den Bildern sind erstaunliche Details zu sehen: nicht nur die winzigen Gliedmaßen der Tiere waren erhalten geblieben, die Forscher konnten auch deren Fortpflanzungsorgane sehen – und eben die 100 Millionen Jahre alten Spermien.

Paarung kurz vor Einschluss im Baumharz

Verblüffenderweise entdeckten sie die Spermien ausgerechnet im Inneren eines Weibchens – und zwar in den beiden beutelartigen Behältern, in denen diese aufbewahrt werden, bis die Eier befruchtungsreif sind. "Dieses Weibchen muss sich kurz vor dem Einschluss im Baumharz noch gepaart haben", zitiert die LMU Studienautor He Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Nanjing in ihrer Pressemitteilung.

Ein extrem seltener Fund

Fossile Spermien aus dem Tierreich sind extrem selten. Die ältesten bekannten Muschelkrebs-Spermien waren 17 Millionen Jahre alt, den Rekord hielten bislang Wurmspermien von 50 Millionen Jahren.