Ägypten: Sechs militante Islamisten hingerichtet

18. Mai 2015 - 11:09 Uhr

Schwere Widersprüche und Mängel in dem Verfahren

Sechs militante Islamisten sind in Ägypten nach Angaben der regierungsnahen Webseite 'ahram.org' hingerichtet worden. Ein Militärgericht hatte sie im Oktober des Vorjahrs wegen tödlicher Angriffe auf die Sicherheitskräfte zum Tode verurteilt.

Menschenrechtsorganisationen hatten auf schwere Widersprüche und Mängel in dem Verfahren hingewiesen und eine Revision der Todesurteile sowie eine Aussetzung ihrer Vollstreckung verlangt. Den Angaben zufolge waren drei der Angeklagten bereits mehrere Monate vor dem Zeitpunkt der ihnen zugeschriebenen Taten verhaftet worden.

Die Angeklagten sollen der militanten Organisation Ansar Beit al-Makdis angehört haben, die Ende des Vorjahrs ihre Loyalität zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erklärt hatte. Die Sechs waren im März 2014 im Zusammenhang mit einer Razzia gegen eine mutmaßliche Ansar-Zelle in der Ortschaft Arab Scharkas im Norden von Kairo verhaftet worden. Dabei hätten sie zwei Polizisten getötet. Die Behörden schrieben ihnen außerdem einen kurz davor verübten Anschlag zu, bei dem sieben Soldaten getötet worden waren.

Die Hinrichtung war die zweite Vollstreckung eines politischen Todesurteils seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Juli 2013. Anfang März war ein Mursi-Anhänger hingerichtet worden, der bei den Unruhen nach Mursis Sturz einen jugendlichen Mursi-Gegner getötet hatte. Mursi selbst wurde am Samstag zusammen mit mehr als 100 anderen Islamisten wegen eines Gefängnisausbruchs im Januar 2011 zum Tode verurteilt. Diese Urteile sind noch nicht rechtskräftig.