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Ägypten: Muslimbrüder rufen zu "Demonstration der Millionen" auf

Ägypten: Muslimbrüder rufen zu "Demonstration der Millionen" auf

Muslimbrüder fordern Wiedereinsetzung Mursis
Auch einen Monat nach der Absetzung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi fordern dessen Anhänger noch immer seine Wiedereinsetzung.
REUTERS, ASMAA WAGUIH

US-Regierung soll Einfluss nutzen, um Konflikt zu lösen

Genau einen Monat nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi wollen die Islamisten mit neuen Massenkundgebungen seine Wiedereinsetzung durchsetzen. Die Muslimbruderschaft, aus deren Reihen Mursi kommt, hat für heute zu einer "Demonstration der Millionen" aufgerufen.

Seit der Absetzung Mursis am 3. Juli durch das Militär gehen die Anhänger des Islamisten regelmäßig auf die Straße. Tausende Mursi-Anhänger harren darüber hinaus in zwei Protestcamps in Kairo aus, in denen sie so lange bleiben wollen, bis der Ex-Präsident wieder im Amt ist.

Der ägyptische Armeechef Abdel Fattah al-Sisi forderte die USA dazu auf, sich bei den Islamisten seines Landes für die freiwillige Beendigung ihrer Dauerproteste einzusetzen. "Die US-Regierung hat großen Einfluss bei der Muslimbruderschaft, und ich würde es wirklich begrüßen, wenn sie diesen dazu nutzte, um den Konflikt zu lösen", sagte Al-Sisi in einem Interview mit der 'Washington Post'.

Am Montag treffen die beiden US-Senatoren John McCain und Lindsey Graham in Kairo ein, um dort mit Vertretern der Übergangsregierung zu sprechen. Mit der Entsendung zweier republikanischer Politiker solle deutlich gemacht werden, dass die US-Politik eine einheitliche Linie in Ägypten verfolge, hatte Graham damals unterstrichen.

Armee-Chef Sisi glaubt auch weiterhin an eine gewaltfreie Beilegung der Krise. "Es besteht noch die Chance auf eine friedliche Lösung, vorausgesetzt dass Gewalt vermieden wird", zitierte ihn Armeesprecher Oberst Ahmed Ali aus einem Gespräch mit vier islamistischen Geistlichen, das Al-Sisi am Freitag geführt hatte. Die salafistischen Kleriker gehören nicht der Muslimbruderschaft des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi an, dürften aber eine Art Vermittlerrolle spielen.

Innenministerium will Räumung der Protestcamps

Seit Mursis Sturz sind bei Zusammenstößen zwischen Islamisten, Sicherheitskräften und Zivilisten 200 Menschen getötet und Tausende weitere verletzt worden. Mitte der Woche hatte die ägyptische Übergangsregierung dem Innenministerium Grünes Licht gegeben, die beiden Protestcamps in Kairo mit Polizeigewalt zu räumen.

Das Innenministerium erneuerte seinen Aufruf an die Anhänger der Muslimbrüder, die Protestlager umgehend zu verlassen. Wer nicht an gewaltsamen Aktionen beteiligt gewesen sei und nicht zum Terrorismus aufgerufen habe, müsse keine Strafverfolgung fürchten, hieß es in dem Appell. Die Organisatoren der Dauerproteste würden aber verschiedener Verbrechen, darunter Mord und illegaler Waffenbesitz, verdächtigt und müssten deshalb juristisch zu Verantwortung gezogen werden.

Der Westen will die ägyptische Übergangsregierung von neuer Gewalt gegen die entmachteten Islamisten abhalten. Ägyptens Außenminister Nabil Fahmi betonte jedoch während eines Treffens mit US-Vizeaußenminister Burns in Kairo, die Entscheidung liege letztlich alleine bei seiner Regierung, "die den Willen des ägyptischen Volkes umsetzt".

Ähnlich habe sich Fahmi in einem Gespräch mit dem EU-Nahostgesandten Bernardino Leon geäußert, teilte ein Sprecher des Ministers mit. Nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira hat Burns seinen Ägyptenbesuch verlängert. Er wolle heute Al-Sisi treffen.