Ägypten: 'Freitag der Wut' folgt 'Freitag der Märtyrer'

11. Februar 2016 - 9:24 Uhr

Proteste gegen Mubaraks Entlassung

In Ägypten stehen neue, möglicherweise gewaltsame Proteste bevor. Nach der Entlassung des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak aus der Haft haben mehrere Gruppen ihre Anhänger und Mitglieder zu Protesten gegen diese Entscheidung der Justiz aufgerufen.

Ägypten, Mubarak
Mubarak ist frei: Diese Frau freut sich darüber.
© dpa, Khaled Elfiqi

Gleichzeitig wollen auch Anhänger der früher unter Mubarak unterdrückten Muslimbruderschaft und anderer Islamisten-Gruppen auf die Straßen gehen, um am 'Freitag der Märtyrer' gegen den Tod von 36 Demonstranten in Polizeigewahrsam zu protestieren. Experten befürchten neue Ausschreitungen. Bei Unruhen sind in den vergangenen Wochen seit dem Sturz der islamistischen Regierung des gewählten Präsidenten Mohammed Mursi hunderte Menschen ums Leben gekommen.

Sechs Wochen nach der Entmachtung der Muslimbruder in Ägypten hatte der frühere Präsident Mubarak am Donnerstag das Gefängnis verlassen. Der 85-Jährige wurde per Hubschrauber in ein Kairoer Militärkrankenhaus gebracht, in dem er unter Arrest gestellt wird. Gegen den ehemaligen Langzeitherrscher laufen weiter Prozesse, unter anderem wegen der Tötung von Hunderten Demonstranten. Experten befürchten, Mubaraks Entlassung nach zwei Jahren und vier Monaten in Untersuchungshaft könnte die Spannungen in dem Land weiter verschärfen.

Immer mehr Muslimbrüder hinter Gittern

Mubarak war fast 30 Jahre lang Präsident des bevölkerungsreichsten arabischen Landes. Nach Massenprotesten hatte ihn das Militär im Februar 2011 zum Rücktritt gezwungen. Am Mittwoch hatte ein Gericht seine Entlassung verfügt. Die Regierung ordnete jedoch kurz darauf Hausarrest für Mubarak an, um neue Unruhen zu vermeiden.

Unterdessen verschwinden immer mehr Angehörige der Muslimbruderschaft hinter Gittern. Nun nahm die Polizei auch den Sprecher Ahmed Aref fest. Die islamistischen Muslimbrüder, die unter Mubarak jahrzehntelang verboten und im Untergrund aktiv waren, waren im Juli vom Militär entmachtet worden. Mursi, der aus der Muslimbruderschaft stammt, wurde damals abgesetzt und inhaftiert.

Aref hatte die Anhänger der Muslimbrüder in den vergangenen Tagen aufgefordert, ihre Proteste trotz der Festnahme von Führungspersonen fortzusetzen. Inzwischen sitzt etwa ein Drittel der Spitze der Muslimbruderschaft in Untersuchungshaft.