Corona-Krise: Großunternehmen wollen Gewerbemieten aussetzen

Adidas reagiert auf Riesen-Shitstorm

30. März 2020 - 16:44 Uhr

Corona-Hilfsgesetze machen Aussetzen von Miete möglich

Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas will im April für seine Läden keine Miete mehr zahlen – wegen wirtschaftlicher Einbußen in der Corona-Krise. Dafür erntet das eigentlich beliebte Unternehmen jetzt einen gigantischen Shitstorm. Der Grund: Adidas streicht seit Jahren Milliardengewinne ein und hat 2019 sogar ein Rekordjahr hingelegt. Viele Politiker und Bürger finden: Der Riesen-Konzern hat den Mietstopp überhaupt nicht nötig. Die harschen Reaktionen - in unserem Video!

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Kritik an Adidas - aber auch an der Politik

Auch andere Großunternehmen wollen Mietzahlungen stoppen

Aussetzungen von Gewerbemieten sind wegen der von Bundesregierung und Bundestag gefertigten Ausnahmeregelungen während der Corona-Krise möglich. Damit Selbstständige und Unternehmen nicht pleitegehen, dürfen sie ihre Mietzahlungen momentan aufschieben. Adidas wird nun aber vorgeworfen, überhaupt nicht in einer Notsituation zu sein, sondern diese Ausnahmeregelungen bloß für sich ausnutzen, um wirtschaftliche Vorteile daraus zu ziehen.

Während viele User in sozialen Medien nicht mit Kritik sparen, reagieren andere differenzierter und hinterfragen die Rolle der Politik - die das durch ihre Gesetzgebung erst möglich gemacht hat.

Adidas ist aber nicht das einzige Großunternehmen, was von den Ausnahmeregelungen Gebrauch machen möchte. Auch die Schuhkette Deichmann und das Modeunternehmen H&M stellen die Mietzahlungen während der Corona-Krise ein.

Adidas will Mieten später nachzahlen

Kasper Rorsted (Adidas AG)
Adidas-Chef Kasper Rorsted.
© deutsche presse agentur

Nach Angaben des Adidas-Chefs Kasper Rorsted ist Adidas aber sehr wohl von der Corona Krise bedroht. Adidas könne derzeit weltweit nur in drei Ländern normal seinem Geschäft nachgehen: "Damit wurde auf einen Schlag fast unser gesamter Vertrieb eingestellt; wir erwirtschaften, wenn man den Onlinehandel abzieht, normalerweise 60 Prozent unseres Umsatzes in diesen Märkten, der ist einfach weg."  Gegen saftige Milliardengewinne der letzten Jahre stehen also jetzt große finanzielle Ausfälle wegen der Corona-Krise.  Und hohe Kosten wie Miete und Personal, die trotzdem weiterlaufen. Adidas hat deswegen auch schon Kurzarbeit für seine Mitarbeiter beantragt.

Das Unternehmen teilt zudem mit, die Sparmaßnahmen bei Adidas seien nur "vorsorglich" und "temporär". Die Gewerbemiete an private Vermieter würde außerdem weitergezahlt werden, mit institutionellen Vermietern wolle man eine einvernehmliche Lösung finden. Auch handele es sich lediglich um eine Stundung der Miete, es gehe nicht darum die Miete für den April nicht zu bezahlen.

Das heißt, die Mietzahlungen werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. All dies ist grundsätzlich zulässig, denn Mieter und Vermieter würden sich in diesem Fall aus freien Stücken auf einen Zahlungsaufschub einigen.