10. November 2018 - 12:01 Uhr

Viele Frauen schämen sich für ihre Vulva

In der Dating-Show "Adam sucht Eva" lassen die Kandidaten alle Hüllen und Hemmungen fallen. Für viele Frauen ist ein so ungezwungener Umgang mit dem eigenen Körper undenkbar: Sie sind mit ihrem Intimbereich so unglücklich, dass sie sich unters Messer legen. Im exklusiven RTL-Interview erklärt die Chirurgin Dr. Pirrko Schuppan, welche Eingriffe sich ihre Patienten wünschen und was dahintersteckt.

5.400 Schamlippenverkleinerungen pro Jahr

Wie viele Intim-Operationen jährlich deutschlandweit durchgeführt werden, ist nicht eindeutig belegt, doch die Nachfrage steigt deutlich. Am beliebtesten unter Frauen: die Verkleinerung der inneren Schamlippen. Bereits 2013 wurde dieser Eingriff etwa 5.400 Mal durchgeführt, wie eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen unter rund 900 Fachärzten ergab. Diese Zahl dürfte mittlerweile deutlich höher sein.

Patientinnen müssen OP selbst bezahlen

Dr. Pirkko Schuppan ist Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie. In ihrer Praxis in Köln hat sie täglich mit Problemen zu tun, die für viele Frauen immer noch ein absolutes Tabuthema sind. Etwa 260 Patientinnen hilft sie pro Jahr, sich mit ihrem Körper wieder wohler zu fühlen. Im Video erklärt sie, was Frauen zu einem so drastischen Schritt bewegt, welche Rolle der Partner dabei spielt und warum sie den Damen dazu rät, sich nach einem Eingriff "untenrum" erst mal nicht anzuschauen.

Intimchirurgische Eingriffe werden nur in seltenen Fällen von der Krankenkasse finanziert oder teilfinanziert. In der Regel muss die Patientin die vollen Kosten selbst übernehmen. Wie hoch diese sind, hängt stark von der jeweiligen Operation und der Klinik ab.

Schamlippenkorrektur

Die Verkleinerung der inneren Schamlippen ist der häufigste Eingriff in der Intimchirurgie bei Frauen. Mit einem Skalpell oder einem Gerät aus der Elektrochirurgie wird das überschüssige Gewebe abgetrennt. Dies geschieht meistens ambulant unter örtlicher Betäubung, sodass die Patientinnen am selben Tag wieder nach Hause können. Die für die Heilung benötigte Zeit ist individuell, auf Reibung durch Sport oder Sex sollte jedoch vier bis sechs Wochen lang verzichtet werden.

Auch die äußeren Schamlippen können chirurgisch verändert werden: Sie werden durch die Entfernung von Gewebe gestrafft oder mit Eigenfett oder Hyaluronsäure unterspritzt und auf diese Weise aufgepolstert.

Die Kosten sind bei einer Schamlippenkorrektur genauso individuell wie Umfang und Art der Operation. Je nach Aufwand bewegen sie sich zwischen etwa 1.500 und 3.500 Euro.

Scheidenstraffung

Besonders Frauen, die mehrere vaginale Geburten hinter sich haben, entscheiden sich für diese OP. Oft sind Scheide und Beckenboden der Patientinnen stark gedehnt, sie leiden unter dem Gefühlsverlust beim Geschlechtsverkehr oder Inkontinenz. Für die Straffung der Vagina gibt es unterschiedliche Methoden:

Bei einer Operation wird Gewebe der hinteren Scheidenwand entfernt, Muskeln um die Vagina werden verengt. Dieser Eingriff erfolgt stationär und dauert bis zu zwei Stunden. Die Heilungszeit beträgt rund sechs Wochen.

Eine weitere Option ist die Behandlung durch körpereigenes Gewebe, mit dem die Vagina unterfüttert wird. Durch Radiofrequenzwellen kann der Bereich außerdem zur Kollagenausschüttung angeregt werden, was sich positiv auf die Straffheit und Elastizität der Scheide auswirkt. Dies erfolgt in mehreren Sitzungen, eine Betäubung ist nicht notwendig.

Die Kosten für eine Vaginalstraffung können je nach Eingriff bis zu 7.500 Euro betragen.

Fettabsaugung am Venushügel

Am Venushügel, der Wölbung über dem weiblichen Schambein, kann sich durch Ursachen wie eine starke Gewichtsreduktion oder einen Kaiserschnitt eine größere Fettansammlung bilden. Diese kann per Liposuktion, also Fettabsaugung, unter lokaler Betäubung entfernt werden. Der Eingriff erfolgt ambulant. Danach sollte der Intimbereich etwa drei Wochen lang geschont werden. Kostenpunkt: 1.500 bis 2.000 Euro.

Rekonstruktion des Jungfernhäutchens

Ein intaktes Jungfernhäutchen, auch Hymen genannt, ist in vielen Kulturkreisen aus religiösen oder gesellschaftlichen Gründen von großer Bedeutung. Es reißt beim ersten Geschlechtsverkehr, oft aber auch schon vorher, etwa durch Sport oder Tampons. Bei einer Rekonstruktion werden die Reste des Jungfernhäutchens neu vernäht, was ambulant innerhalb einer halben bis einer Stunde geschieht. Reibung sollte danach etwa sechs Wochen lang vermieden werden. Die Kosten betragen etwa 1.200 bis 1.500 Euro.