ADAC-Managerin: per Rettungsjet in den Tauchurlaub

10. Februar 2014 - 19:50 Uhr

ADAC als Reiseveranstalter und Trockenexperte

Als der Sohn und sein Freund einer ADAC-Managerin ihren Urlaubsflieger verpassen, kommt die Mutter auf eine ungewöhnliche Idee. Sie organisiert kurzer Hand einen Rettungsjet des ADAC und lässt die beiden Jungen von Nürnberg aus über 3.392 Kilometer zum Tauchen in den ägyptischen Badeort Scharm El-Scheich am Roten Meer einfliegen.

Per Rettungsjet in den Tauchurlaub
Der Badeort Scharm El-Scheich am Roten Meer in Ägypten. Ein beliebter Urlaubsort für viele Touristen.
© picture-alliance / dpa, A. Paduch

Ein echter Skandal, denn diese Maschinen sind eigentlich dazu dar, kranke und verletzte Deutsche wieder heimzuholen. Ein Missbrauch von Rettungsgeräten, wie es aus den ADAC-Richtlinien hervorgeht. Zwar kündigte die Managerin nach Bekanntwerden der Vorwürfe, der fade Beigeschmack bleibt jedoch. Ein weiterer Imageschaden für den ohnehin schon angeschlagenen ADAC.

Doch es geht auch noch skurriler. Wie jetzt bekannt wurde, ist ein Hubschrauber des ADAC in Braunschweig dazu genutzt worden, einen unter Wasser stehenden Fußballplatz mit dem Wind seiner Rotorblätter trocken zu föhnen. Vor der Zweitliga-Partie zwischen Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden im Jahr 2006 habe der damalige ADAC-Vorsitzende in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Reinhard Manlik, den Hubschrauber angefordert, teilte der ADAC mit.

ADAC kündigt Aufklärung und Reformen an

Erst Anfang der Woche wurde bekannt, dass Club-Präsident Peter Meyer mit einem ADAC-Hubschrauber nicht nur zu dienstlichen Terminen, sondern auch von einem Geschäftstermin nach Hause geflogen ist. Außerdem sollen einem ZDF-Bericht zufolge, hochrangige ADAC-Mandatsträger neben ihrem Ehrenamt auch geschäftlich für den Verein tätig geworden sein. ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker, ist demnach mit seiner Kanzlei zugleich ADAC-Vertragsanwalt. Auch drei regionale Funktionäre sind laut Bericht als Vertragsanwälte tätig. Das Bundesverbraucherministerium kündigte an, sich in die Affäre um den Club einzuschalten.

Der ADAC steht in der Kritik, nachdem Manipulationen beim Autopreis Gelber Engel bekannt wurden. Unter anderem wegen der Hubschrauberflüge hat die Münchner Staatsanwaltschaft eine Vorprüfung eingeleitet. "Wir prüfen den Sachverhalt, haben aber nach wie vor kein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde.

Die Vereinsspitze reagiert und will den Club neu aufstellen. "Wir glauben, dass wir nur durch eine grundlegende Reform die aktuellen Schwachstellen beheben können", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer. Unabhängige externe Fachleute sollen die Neuausrichtung mitgestalten. Die Mitglieder sollen auch mehr eingebunden werden. In der ersten seit 66 Jahren außerordentlichen Hauptversammlung des ADAC, soll die Neuausrichtung beschlossen werden. Das Präsidium sei überzeugt, dass nur ein umfassendes Maßnahmenpaket die Glaubwürdigkeit des ADAC wieder herstellen könne. Das hat der Automobil-Club auch bitter nötig. Umfragen zufolge überlegen sieben Prozent der Mitglieder, den Pannendienst zu verlassen. Hochgerechnet auf die rund 19 Millionen Mitglieder wären das etwa 1,3 Millionen Aussteiger.