Sicherheit bei Ebbe und Flut

Achtung Lebensgefahr: Das müssen Sie bei einer Wanderung im Watt beachten

26. Juni 2020 - 11:33 Uhr

Im Wattenmeer kann es schnell brenzlig werden

Faszination Wattenmeer: Jedes Jahr pilgern rund zehn Millionen Touristen an die Nordsee. Besonders in Corona-Zeiten planen wieder mehr Menschen ihren Urlaub an der Küste. Besonders beliebt: Wattwanderungen. Einmal bei Ebbe auf dem Meeresgrund spazieren zu gehen, dort, wo schon wenige Stunden später wieder das wilde Wasser tobt. Ein harmloser Nervenkitzel? Von wegen. Wie gefährlich das Watt tatsächlich ist, zeigt der tragische Fall einer jungen Reiterin und ihres Pferdes, der sich in Cuxhaven ereignete. Die ganze Geschichte und wie unser Reporter bei seinem Experiment im Watt in kürzester Zeit vom Meer eingeschlossen wurde, sehen Sie im Video.

Priele keinesfalls durchschwimmen!

Im Wattenmeer sind besonders die Priele gefährlich für Wanderer. Auch durch Schlick und Treibsand droht Gefahr.
Innerhalb von Minuten wird steigt das Wasser, wenn im Wattenmeer die Flut beginnt. Wer dann keinen erfahrenen Führer an seiner Seite hat, ist in Gefahr. Keinesfalls sollte man die Priele durchschwimmen.
© iStockphoto

Was viele Touristen unterschätzen: Oft kehrt das Hochwasser schneller als gedacht zurück und versperrt Wattwanderern innerhalb weniger Minuten den Weg zum Ufer. Besondere Gefahr droht durch die Priele, die das Watt durchziehen. Bei niedrigem Wasserstand sind die breiten Rinnen nur wenige Zentimeter tief, können sich aber innerhalb von Minuten zu reißenden Flüssen entwickeln. Bei einsetzender Flut werden Priele dann schnell zu einer unüberwindbaren Barriere, die den Rückweg zum Festland abschneidet.

Wattführer raten dringlich davon ab, den Priel zu durchschwimmen. Selbst erfahrene Schwimmer können sich kaum durch die starke Strömung kämpfen, die mit dem Einsetzen von Ebbe oder Flut in den Prielen herrscht. Jedes Jahr sterben Menschen, weil sie deren Tiefe und Strömung unterschätzen.

Seenebel und Schlick sind unterschätzte Gefahren

Eine weitere Gefahr im Watt besteht durch Seenebel, der ebenso schnell wie unerwartet aufziehen kann. Wattwanderer verlieren dann ohne Kompass die Orientierung, da sie nicht mehr erkennen können, wo sich das Land befindet. Auch Gewitter sind im Watt extrem gefährlich. Selbst wenn man versucht, sich so klein wie möglich zu machen: Auf der flachen Wattoberfläche ist man stärker als anderswo der Gefahr ausgesetzt, von einem Blitz getroffen zu werden.

Ebenfalls sind Schlick- oder Treibsandgebiete nicht zu unterschätzen. Wenn man dort mit den Beinen einsinkt, ist es sehr schwer, sich alleine wieder zu befreien.

Sicher durchs Wattenmeer: Das sollten Sie wissen

Im Watt von Cuxhaven etwa gibt es sogenannte Rettungsbaken; auf Stahlstangen montierte Stahlkäfige, in die Wanderer sich vor unerwarteter Flut retten können. Selbst bei Hochwasser befinden sich die Gitterkörbe der Baken noch zwei Meter über der Wasserlinie. In ihnen stehen Leuchtraketen und ein Notfunkgerät bereit, mit denen man auf seine Notlage aufmerksam machen kann.

Generell gilt: Immer über die Tidezeiten informieren, die an offiziellen Badestellen und Stränden ausgehängt sind. Wann ist Hochwasser, wann Niedrigwasser? Bei längeren Touren sollte man einen Kompass mitnehmen, um sich bei Seenebel orientieren zu können. Kleiden Sie sich außerdem dem Wetter entsprechend. Es ist immer sinnvoll, sich für eine Tour durchs Watt einem erfahrenen Wattführer anzuschließen, der sich mit den Bedingungen im Wattenmeer am besten auskennt.