Im Tierreich gar nicht so selten

Achtung, Kannibalen! Qualle frisst ihre Kinder

Forscher haben an einer Quallenart geforscht und festgestellt, dass die Rippenqualle ihre Kinder frisst. Aber warum macht sie das?
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08. Mai 2020 - 8:06 Uhr

Nachwuchs fressen als Erfolgsmittel zur Verbreitung der Art

Warum bekommen Tiere Kinder, wenn sie sie danach fressen? Dieses Verhalten haben Forscher der Süddänischen Universität in Odense und des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte an der Rippenqualle festgestellt. Die auch Meerwalnuss genannte Qualle ist mittlerweile in europäische Gewässer vorgedrungen. Und genau das scheint der Grund zu sein, warum sie ihren Nachwuchs frisst.

Kannibalismus dient der Eroberung neuer Lebensräume

Die erwachsenen Exemplare nutzen ihre Kinder als Nahrungsquelle vor allem bei der Besiedlung neuer Lebensräume. Dieses Verhalten sei ökologisch erklärbar. Das Fressen des eigenen Nachwuchses ermögliche den Tieren, Zeiten mit geringem Nahrungsangebot zu überstehen und sich damit weiter auszubreiten, erklärte Co-Autor Thomas Larsen vom Max-Planck-Institut im Fachmagazin "Communications Biology".

Die von den Ostküstengebieten Nord- und Südamerikas stammende Art ist invasiv - sie lebt inzwischen auch in der Nordsee und im Mittelmeer. Der Kannibalismus könnte die Ursache ihres Erfolgs bei der Ausbreitung sein. Fraglich war bisher, warum die Quallen vor dem Einbruch des Winters keine Ressourcen speichern, sondern sich vermehrt fortpflanzen. Damit später im Jahr Nahrung da ist - sie produzieren sich ihr Essen.

Kannibalismus unter Tieren? Das ist nicht so selten - hier ein paar Beispiele

Schwarzschwanz-Präriehund (Cynomys ludovicianus)
So goldig sie auch sind, die Schwarzschwanz-Präriehund haben es faustdick hinter den Ohren. die Weibchen töten sogar den Nachwuchs der besten Freundinnen.
© Sengender Norden, Geo Television / Jearu/Shu

Der Kannibalismus ist gar nicht mal so selten im Tierreich. Die süßesten Kannibalen sind wohl die Erdhörnchen. Beim Schwarzschwanz-Präriehund töten Weibchen die Kinder anderer Familienmitglieder. Forscher kennen den genauen Grund noch nicht. Es steht zu vermuten, dass sie die Überlebenschancen des eigenen Nachwuchses erhöhen wollen.

Auch bei Königsnattern fressen Schlangenmütter ihren Nachwuchs teilweise oder ganz. Es wird vermutet, dass sie sich damit Nährstoffe für weitere Paarungen zurückholen.

Jetzt wird es skurril: Bei den Rotrückenspinnen legt das Männchen bei der Paarung einen "Begattungs-Salto" hin, bei dem sie ihren Hinterleib über die Kieferklauen der Weibchen lupfen. Geht das schief, ist das Männchen tot. Denn diesen Leckerbissen lässt sich das Weibchen nicht entgehen. 65 Prozent der Männchen werden während der Paarung verletzt, 12,5 Prozent sterben nach der ersten Kopulation. Männchen, die die erste Begattung überleben und sich ein zweites Mal mit dem Weibchen paaren, können ihr Sperma in beide Samentaschen abgeben und sich so erfolgreicher fortpflanzen. Es ist zu bezweifeln, ob diese Praxis bei Menschen von Erfolg gekrönt wäre....