Achtung, Eltern: Das passiert mit euren Kindern, wenn ihr dauernd aufs Handy glotzt

Mama checkt das Smartphone, während das Baby sich selbst beschäftigt. So läuft es in vielen Familien.
Mama checkt das Smartphone, während das Baby sich selbst beschäftigt. So läuft es in vielen Familien.
© KerkezPhotography.com, Zivica Kerkez

20. Juni 2018 - 12:26 Uhr

Die Eltern-Kind-Beziehung leidet, wenn Mama und Papa immer abgelenkt sind

Das hier ist leider Alltag auf deutschen Spielplätzen - die Kleinen backen Sandkuchen und klettern, die Großen starren aufs Smartphone. Zuhause geht es bei vielen Familien genauso weiter. Auf Dauer kann das Folgen für die Eltern-Kind-Beziehung haben, warnen Experten. Eltern, die viel Zeit mit digitalen Medien verbringen, statt sich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen, rufen einer Studie zufolge Verhaltensauffälligkeiten bei ihren Kindern hervor.

So schädlich sind Technoferenzen für Kinder

Missachtete Kinder seien eher frustriert, hyperaktiv, jammerten, schmollten oder reagierten mit Wutanfällen, berichten Forscher im Fachjournal "Pedriatic Research". Ein negativer Kreislauf entstehe, denn viele Eltern reagierten auf auffällige, als anstrengend empfundene Kinder mit noch mehr Medienkonsum. Nach innen gewandte Probleme wie Angst oder Rückzug der Kinder seien nicht ganz so häufig, erläutern Dr. Brandon McDaniel von der Illinois State University und Jenny Radesky von der University of Michigan Medical School.

Für die Studie hatten 181 Elternpaare mit Kindern unter fünf Jahren über sechs Monate hinweg online in Fragebögen Auskunft gegeben - zu ihrer eigenen Mediennutzung sowie zur Entwicklung ihrer Kinder und deren Verhalten. Auch ihre eigenen Gefühle und Reaktionen gaben die zwischen 2014 und 2016 befragten Eltern zu Protokoll. Das Ergebnis: In fast allen Fällen kam es pro Tag mindestens einmal dazu, dass digitale Geräte Eltern-Kind-Momente unterbrachen.

Gelegenheit gibt es inzwischen viele für solche "Technoferenzen" - so nennen die Forscher es, wenn Smartphone und Co den persönlichen Kontakt von Auge zu Auge stören. Studien zufolge verbringen US-Eltern neun Stunden pro Tag vor TV, Computer, Tablet oder Smartphone. Bei uns in Deutschland ist es auf einem ähnlich hohen Niveau.

Dürfen Eltern gar kein Smartphone nutzen, oder wie?

"Wir glauben, dass spezifische Aspekte der Digitaltechnologie besonders für solche Eltern anziehend sind, die Schwierigkeiten mit der Selbstregulation haben oder die mit dem familiären Sozialleben unzufrieden sind", schreiben die Forscher. Manche lenkten sich dann durchs Digitale ab, während ihre Kinder immer stärker auf Aufmerksamkeit aus seien. Vor allem beim gemeinsamen Essen, beim Spielen oder beim Zubettbringen sei es wichtig, auf die emotionalen Bedürfnisse der Kinder ohne Ablenkungen eingehen zu können.

Dem Tenor der Studie stimmen deutsche Expertinnen zu. "Dass Probleme zwischen Eltern und Kindern größer werden, wenn es weniger persönlichen Kontakt gibt und Probleme nicht ausgehandelt werden, ist nicht verwunderlich und schließt an vorliegende Studien an", betonen Susanne Eggert und Gisela Schubert vom JFF-Institut für Medienpädagogik in München.

Natürlich könnten Eltern das Smartphone auch nutzen, um sich bei konkreten Erziehungsproblemen Hilfe zu suchen. "In der Situation muss aber der direkte Kontakt und Austausch mit dem Kind zentral sein." Grundsätzlich sei es sinnvoll, in der Familie gemeinsam Regeln zur Nutzung mobiler Medien zu bestimmen, an die sich alle halten - inklusive Medien-freier Zeiten.