Acht Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlag in Gaststätte

Auf einer Richterbank liegt ein Richterhammer. Foto: Uli Deck/dpa/Symbolbild
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07. April 2020 - 15:50 Uhr

Die letzten Gäste haben sich auf den Heimweg gemacht. In der Kneipe im Hamburger Stadtteil Neugraben-Fischbek halten sich am frühen Morgen des 19. Juni 2019 nur noch zwei Menschen auf: Der Kneipenangestellte, ein 38-Jähriger, alkoholisiert und unter Drogen, und eine 36-jährige Frau, ebenfalls alkoholisiert. Die beiden amüsieren sich, haben auf der Damentoilette einvernehmlichen Sex. Doch dann kommt es zu einem tödlichen Streit.

Der Mann wirft die Frau nach Auffassung des Gerichts zu Boden, schlägt ihren Kopf auf den Fliesenboden und würgt sie mit einem Schal. Dann lässt er von ihr ab - und während das Opfer auf der Damentoilette an den Folgen ihrer Verletzungen stirbt, schaut sich der Täter am Tresen des Lokals auf seinem Handy Pornofilme an. Auf die Hilferufe der dreifachen Mutter reagiert er nicht. Aus Angst vor Entdeckung habe der Mann die Leiche später mit einer Sackkarre in einem nahegelegen Gebüsch verscharrt.

"Es handelt sich um eine ungewöhnliche, fast schon bizarre Tat außerordentlicher Brutalität", sagt Richter Joachim Bülter bei der Urteilsverkündung am Dienstag. Das Landgericht Hamburg verurteilte den Mann wegen Totschlags zu acht Jahren Freiheitsstrafe. Der Täter habe "massive stumpfe Gewalt ohne nachvollziehbaren Anlass" angewendet und dabei ein "gleichgültiges und mitleidloses Verhalten" an den Tag gelegt, erklärte der Richter. Die Staatsanwaltschaft hatte für den in Deutschland geduldeten Algerier eine Haftstrafe von neun Jahren gefordert. Die Verteidigung plädierte auf maximal sechs Jahre.

Im Verfahren habe sich der Angeklagte "im Grundsatz geständig" gezeigt und die eigene Verantwortlichkeit für den Tod eingeräumt, hieß es. Nach Auffassung der Strafkammer handelte der Mann aus einem "spontanen Entschluss" heraus und in Teilen aus dem Affekt. Kooperativ habe er sich beim Aufspüren des Verstecks der Leiche gezeigt. Auch die Tatsache, dass dem Gericht keine weiteren Straftaten bekannt seien, habe sich strafmildernd auf die Strafzumessung ausgewirkt.

Die Strafkammer geht von einer "zielgerichteten und willensgesteuerten Tat" aus. Die Schuldfähigkeit sei nach Ansicht eines psychologischen Gutachters nicht eingeschränkt gewesen. Gegen eine psychologischen Ausnahmezustand spreche auch das "geordnete Handeln" des Angeklagten vor und insbesondere nach der Tat - sowie die Tatsache, dass der Angeklagte an den Mischkonsum von Alkohol in größeren Menschen und Kokain gewöhnt sei.

Der Mann war nach Angaben des Gerichts 2016 nach Deutschland gekommen und hatte unter falscher Identität Asyl beantragt. Der Antrag sei abgelehnt worden. In der Kneipe hatte er illegal als Aushilfe gearbeitet, wie er im Dezember vor Gericht sagte. Der Kneipeninhaber habe ihn teilweise mit Kokain bezahlt. Einen Tag nach der Tat war der Mann in Buxtehude (Landkreis Stade) festgenommen worden. Bereits nach der Hälfte der achtjährigen Freiheitsstrafe könnte der Mann in sein Heimatland abgeschoben werden. Innerhalb einer Woche kann er eine Revision des Urteils beantragen.

Quelle: DPA