Zwei Monate Pause drohen

Abwehr-Not: Der FC Bayern steckt im Hernández-Dilemma

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23. Oktober 2019 - 17:24 Uhr

Bayerns Verletzungssorgen werden größer

Nach der Verletzung von Lucas Hernández im Champions-League-Spiel bei Olympiakos Piräus werden die Sorgen in Bayerns Verteidigung immer größer. Trotz des Sieges gegen die Griechen (3:2) bleibt eine Negativ-Serie hängen: Wettbewerbsübergreifend kassierte der deutsche Rekordmeister zum fünften Mal in Folge zwei Gegentore.

Hernández: Innenband beschädigt

Schon nach dem Kreuzbandriss von Niklas Süle musste Niko Kovac seine aktuelle Achillesferse umbauen, berief Hernández von der linken Verteidigerposition zurück in die Zentrale – das Comeback vom zuvor verletzten David Alaba machte es möglich. Trotzdem stand die Defensive wackelig.

Mit dem Franzosen fällt neben Süle nun aber der zweite Stamm-Verteidiger aus. Die Diagnose: eine Teilruptur des Innenbandes am rechten Sprunggelenk. Wie der Club twitterte, muss Hernández unters Messer. Sieben bis neun Wochen Pause drohen. Kovac fehlt damit ein weiterer Innenverteidiger. Und gleichzeitig auch der mögliche Alaba-Ersatz.

Hoffnungsträger Boateng

Die Personaldecke in der Abwehr wird immer dünner, die Sorgenfalten ob der Defensivleistung des Teams umso tiefer.

Auf einmal ist es ausgerechnet Jérôme Boateng, auf dem die Hoffnungen ruhen. Dabei hatte Noch-Präsident Uli Hoeneß Ende Mai noch gesagt: "Ich würde ihm als Freund empfehlen, den Verein zu verlassen. Er braucht eine neue Herausforderung, er wirkt wie ein Fremdkörper."

Stattdessen bekommt Boateng im Winter nun wohl ein Wechsel-Verbot. Schließlich dürfte Hernández auch nach seiner Rückkehr ein Unsicherheitsfaktor bleiben: Hält das erst im Frühjahr operierte rechte Knie, das zuletzt wieder Probleme machte? Und wie schnell kommt er nach der Innenbandverletzung wieder in Topform?

 BOATENG Jerome Team FC Bayern Muenchen DFL Bundesliga Saison 2019-2020 Spiel FC Bayern Muenchen - Hertha BSC Berlin 2 : 2 in der Allianzarena am 16.August 2019 in Muenchen DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUA
Jérôme Boateng wollte den Club im Sommer eigentlich verlassen, nun ist der Innenverteidiger in den kommenden Wochen wohl wieder als Stammspieler gefordert.
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Martínez bleibt eine Option

Immerhin: Javi Martínez, der ebenfalls die Rolle des Innenverteidigers übernehmen könnte, zog sich in Piräus nur eine Muskelverhärtung zu. Seine Auswechslung war eine Vorsichtsmaßnahme, damit sein Einsatz in den kommenden Wochen nicht gefährdet ist.

Der Spanier könnte aufgrund von Mangel an Optionen nun wieder ein wichtiger Mann für Kovac werden. Nachdem Martínez zu Saisonbeginn wochenlang nur die Bank gedrückt hatte, spielte er zuletzt auf der Sechs - ganz so, wie es sich auch Hoeneß wünscht. Ein Umzug in die Viererkette wäre aber im Notfall denkbar.

Umdenken in der Transferpolitik?

Vor dem Piräus-Spiel hatte Hoeneß erklärt, nicht mit einem Transfer auf den Süle-Ausfall reagieren zu wollen. Die Pläne könnten sich durch das Hernández-Dilemma ändern. Momentan stehen mit Boateng und Benjamin Pavard nur noch zwei gelernte Innenverteidiger zur Verfügung.

Und das zur Krisenzeit in München. Ausgerechnet vor der entscheidenden Phase der Hinrunde: Mit Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg warten in der Bundesliga bis zur Winterpause noch fünf Mitkonkurrenten um die Tabellenspitze.

 Co-Trainer Hansi Flick FC Bayern Muenchen bei Javi Martinez FC Bayern Muenchen 8, der offensichtlich ein Problem hat , FC Bayern Muenchen - TSG 1899 Hoffenheim, Fussball, 1.Bundesliga, 05.10.2019, DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS I
Vor kurzem musste Javi Martínez (links) noch getröstet werden, weil er zum Bankdrücker wurde. Die Zeiten scheinen vorerst vorbei.
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Abwehrleistung bleibt im Fokus

Auch die Zweitrundenpartie im DFB-Pokal gegen den VfL Bochum sowie die verbleibenden Gruppenspiele der Champions League darf der Rekordmeister nicht unterschätzen.

Kovac und die Bayern brauchen in den kommenden Wochen also nicht nur eine Offensive, die ihre Chancen nutzt. Sondern vor allem auch eine sicher stehende Abwehr. Alle Augen liegen damit auf der Problemzone - und der Druck wird immer größer.