Abu-Walaa-Prozess: Anwalt fordert Haft für Mitangeklagten

Vor einem Gerichtsgebäude hält eine Statue der Justitia eine Waagschale. Foto: Stefan Puchner/dpa/Symbolbild
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22. April 2020 - 15:11 Uhr

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Walaa, hat die Anklage für einen geständigen Mitangeklagten drei Jahre und neun Monate Haft gefordert. Der 30-Jährige habe die Miliz tatkräftig unterstützt, plädierte die Bundesanwaltschaft am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Celle. Die beiden Verteidiger des Mannes forderten angesichts des Geständnisses eine Bewährungsstrafe beziehungsweise eine Einstellung des Verfahrens, da der Angeklagte bereits mehr als drei Jahre in Untersuchungshaft gesessen hat. Das Urteil soll in einer Woche gesprochen werden. (Az.: 4 StE 2/20)

Der Iraker Abu Walaa und insgesamt vier Mitangeklagte müssen sich seit September 2017 wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS verantworten. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben. Der Mitangeklagte hatte in einem überraschenden Geständnis Abu Walaa im Februar schwer belastet. Der Prediger habe einen direkten Draht zum IS gehabt und die Ausreise radikalisierter junger Leute gefördert. Der Mitangeklagte erklärte, er habe sich während der Untersuchungshaft vom militanten Islamismus abgewendet.

Nach seinem Geständnis war der Mitangeklagte bereits aus der U-Haft entlassen worden. Sein Verfahren wurde von dem übrigen Prozess abgetrennt. Der Prozess gegen Abu Walaa und die übrigen drei Mitangeklagten wird voraussichtlich noch eine Weile dauern. Die Verteidiger der vier hätten weitere umfangreiche Beweisanträge angekündigt, teilte das Gericht mit.

Quelle: DPA