Tiroler versteht die Welt nicht mehr

Grenzposse: Österreichischer Autofahrer muss in Quarantäne, weil er in Deutschland gewendet hat

Coronavirus · Grenzübergang Deutschland - Österreich
Coronavirus · Grenzübergang Deutschland - Österreich
© dpa, Sven Hoppe, shp fdt pil

13. Mai 2020 - 8:29 Uhr

Er war "eingeschüchtert" vom "scharfen Ton"

Hätte er geahnt, was passiert, hätte sich Manuel Binder den Abstecher an die deutsch-österreichische Grenze sicher geschenkt. Der Tiroler wollte sehen, ob er über den Grenzübergang Scharnitz nach Bayern fahren kann, berichtet die "Kronenzeitung." Ging nicht, er musste zurück – und wurde prompt von Grenzern seines Heimatlandes gestoppt und bestraft: 14 Tage häusliche Quarantäne, weil er auf deutschem Boden sein Auto gewendet hatte!

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"Per Gesetz" kam er aus Deutschland

Das ärgert den Mann, denn schließlich dachte er, das Schlimmste was ihm passieren könne, sei zurückgeschickt werden, berichtet das Blatt weiter. Binder erzählt, dass er mit Freunden wandern war und sie dabei die Idee hatten, kurz in Bayern etwas zu essen kaufen.

Die deutschen Beamten klärten die Gruppe auf, dass niemand einreisen darf. Kein Problem, Binder wendete und fuhr zurück.  "Etwa 50 Meter weiter hielten wir an der österreichischen Grenze, wo wir von mehreren Polizisten und Bundesheersoldaten in die Mangel genommen wurden", zitiert ihn die Zeitung. Er sei "eingeschüchtert" gewesen, die Österreicher hätten ihn "in scharfem Ton" zurechtgewiesen. Sie hätten jenseits der Grenze gewendet und kämen somit "per Gesetz" aus Deutschland. Bedeutet: 14 Tage Heimquarantäne!

Lediglich mit einem Covid-19-Test auf eigene Kosten können die Spanne verkürzt werden, sofern er negativ sei. Binder versteht die Welt nicht mehr. Jetzt säßen er und seine Freunde in Quarantäne, "anstatt unseren täglichen Verpflichtungen nachzugehen. Wegen einer Wende an der Grenze."

Tiroler Behörden prüfen Vorgang

In einer Stellungnahme teilten die Tiroler Behörden mit, man arbeite "in enger Abstimmung mit der Polizei und dem Österreichischen Bundesheer unter Hochdruck auf eine rasche und unbürokratische Lösung für die Zukunft", damit sich so ein Fall nicht wiederholen kann.

In dem Schreiben heißt es: "In vielen Fällen kann der örtliche Wendepunkt von den jeweils anderen GrenzbeamtInnen nicht unmittelbar eingesehen werden. Sofern die notwendige Information von den deutschen Grenzbehörden an die Tiroler Behörden weitergegeben wird, wird selbstverständlich keine 14-tätige Heimquarantäne ausgesprochen."

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