1. September 2015 - 1:23 Uhr

"Niemand ist sicher vor Bomben und Heckenschützen"

Hinter den Flüchtlingen, die in Deutschland ankommen, liegt oft eine lange, strapaziöse Reise. Eine Garantie, dass sie auch hier bleiben dürfen, haben sie nicht. Mehr als 60 Prozent der Asylanträge werden abgelehnt. Denn Asyl gibt es laut Grundgesetz nur, wenn eine Gefahr für Leben oder Freiheit besteht, wie bei Konflikten zum Beispiel.

Viele Asylbewerber werden abgeschoben
Nur wenn Leben oder Freiheit bedroht ist, bestehen Chancen auf Asyl.
© dpa, Patrick Seeger

Baram Usenes ist aus Syrien mit seiner Frau und seiner Tochter über das Mittelmeer geflohen. "Dort ist nur Krieg, niemand ist sicher vor Bomben und Heckenschützen", erzählt der Mann. Er darf mit seiner Familie vermutlich in Deutschland bleiben, als Kriegsflüchtlinge haben sie eine reale Chance auf Asylstatus.

Andere Asylsuchende dürfen sich weit weniger Hoffnungen machen. So wie Enxhi Ҫoҫka – sie ist aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen. "Wir haben keine Zukunft, haben kein Geld und es gibt keine Jobs", sagt sie. Im Kosovo sind wirklich viele sehr arm, genau wie in den anderen Balkanstaaten. Aber es gibt dort keinen Krieg. Dennoch kommen immer noch sehr viele Asylbewerber von dort. 99 Prozent ihrer Anträge werden abgelehnt.

Keine Sozialleistungen für abgelehnte Asylbewerber

Doch wie genau läuft ein Asylverfahren ab? Erst einmal werden alle Asylsuchende in Deutschland registriert und die Anträge vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bearbeitet. Das dauert zurzeit – je nach Herkunftsland – mehrere Monate. Nur diejenigen, deren Antrag angenommen wurde, dürfen dauerhaft bleiben.

Sobald das Asylgesuch aber abgelehnt ist, wird ein Bescheid zugestellt und die Menschen müssen Deutschland verlassen. Sie bekommen dann auch keine Sozialleistungen mehr. Die Chancen, gegen eine solche Entscheidung vorzugehen, sind gering. "Es gibt kein Widerspruchsverfahren, es muss gleich geklagt werden", erklärt Markus Chilcott, Rechtsanwalt für Asylrecht. Auch die Klagefrist sei in diesem Fall kürzer als bei gewöhnlichen Verwaltungssachen, meint der Anwalt.

Im ersten Halbjahr 2015 wurden 8.100 Menschen abgeschoben – so viel wie in keinem Jahr zuvor. Ein Teil der Menschen, die keinen Asylstatus erhalten, geht freiwillig. Nur wer der Aufforderung nicht nachkommt, wird mit Polizeibegleitung abgeschoben. Die Leute werden abgeholt und per Flugzeug oder Bahn zurück in ihre Heimat gebracht. Eine Abschiebung kann in so einem Fall nur noch verhindert werden, wenn der Betroffene krank, also reiseunfähig ist, keine Papiere hat oder vorher untergetaucht ist.