Börsengang About You

Darum läuft's für den Online-Modehändler aus Hamburg gerade richtig rund

16. Juni 2021 - 15:15 Uhr

Deutsches Unicorn erwischt trotz Corona richtigen Zeitpunkt für Börsengang

Auch wenn altbekannte Marken wie Pimkie, Esprit oder Runners Point immer weitere Filialen schließen müssen und aus den Innenstädten verschwinden, brummt der Handel mit der Mode weiter. Bestes Beispiel: Der deutsche Online-Modehändler About You. Die Geschäfte laufen prima, jetzt ist das Unternehmen aus Hamburg an die Börse gegangen und hat einen richtig starken Start hingelegt. Kein Wunder, beträgt der Umsatz des Unternehmens bereits vor dem Börsengang über eine Milliarde Euro – und macht About You zu einem deutschen Unicorn.

Im Video erklärt RTL-Börsenexpertin Corinna Wohlfeil, warum gerade About You und andere junge Unternehmen den Nerv der Zeit treffen:

About You vor allem bei jungen Menschen beliebt

Beim Debüt in Frankfurt gingen die Aktien am Mittwoch mit 25,60 Euro in den Handel und kletterten zwischenzeitlich auf 26,80 Euro. Der Ausgabepreis hatte 23,00 Euro betragen. Firmenchef Tarek Müller freute sich über den guten Start: "Für uns ist heute Tag eins des zweiten Kapitels unserer Reise. Unser Blick ist nach vorn gerichtet." Eine große Feier in der Hamburger Firmenzentrale der Otto-Tochter gebe es auch mit Blick auf die Corona-Krise nicht: "Aber wir haben 90-Minuten-Zeitfenster, in denen unsere Mitarbeiter nach und nach vorbeikommen. Darauf freue ich mich am meisten. Die meisten Mitarbeiter sehe ich heute seit eineinhalb Jahren das erste Mal wieder persönlich."

Hannes Wiese (Mitgründer und Vorstandsmitglied Operations & Finance), Tarek Müller (Mitgründer und Vorstandsmitglied Marketing & Brand), Sebastian Betz (Mitgründer und Vorstandsmitglied Tech & Produkt) beim Börsengang an der Frankfurter Börse.
© About You

About You wurde zum Zuteilungspreis mit rund 3,9 Milliarden Euro bewertet. Der große Berliner Konkurrent Zalando, der 2014 sein Börsendebüt feierte und inzwischen als Dax-Kandidat gilt, kommt aktuell auf etwa 24 Milliarden Euro. Den Vergleich mit Zalando mag Müller allerdings nicht: "Wir sind mittlerweile in 23 Ländern aktiv. In vielen davon ist Zalando nicht." Größtes Unterscheidungsmerkmal sei die Technologiesparte von About You, die Infrastrukturlösungen für Firmen verkauft und ein hohes Wachstum aufweist. Zudem richtet sich About You, das mittlerweile mehr als 30 Millionen Kunden und mehr als 1000 Mitarbeiter zählt, an eine jüngere Zielgruppe.

Die Einnahmen aus dem Börsengang von mehr als 650 Millionen Euro will About You mehrheitlich in das Wachstum sowie den Ausbau der technischen Infrastruktur stecken. "Da konzentrieren wir uns erstmal auf Süd- und Nordeuropa. Zudem hat die Landkarte in Kontinentaleuropa noch einige weiße Flecken, die wir auch noch abdecken möchten", so Müller.

About You Award 2021 mit Lena Gercke, Zoe Wees und Croe.
© About You

Stark vertreten ist der Online-Modehändler in der Influencer-Szene, auch "Digital Creators" genannt – und punktet damit bei den jungen Kunden. Mit dem "About You Awards" zeichnet das Unternehmen die wichtigsten "Digital Creators" aus. In diesem Jahr waren unter anderem Farina Opoku, Sandra Lambeck und Uncle D dabei. Die Show wurde nicht nur im TV-Sender Pro 7 ausgestrahlt, sonder auch über Facebook, Instagram, Tik Tok und Twitch.

Otto und dänischer Finanzinvestor an About You beteiligt

Neben dem Handelskonzern Otto ist auch der Finanzinvestor Heartland des dänischen Unternehmers Anders Holch Povlsen an dem vor sieben Jahren gegründeten Unternehmen About You beteiligt. Povlsen gehört die Firma Bestseller (Vero Moda, Jack&Jones, Vila) und er hat unter anderem auch in Zalando und Asos sowie den Bezahldienst Klarna investiert. Im abgelaufenen Geschäftsjahr zu Ende Februar stiegen die Erlöse von About You um 57 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro und knackten damit erstmals die Umsatzmilliarde. Angesichts der hohen Investitionen schreiben die Hamburger allerdings rote Zahlen.

An der Frankfurter Börse herrscht gerade Hochkonjunktur. In diesem Jahr haben schon der Linux-Softwareanbieter Suse, der Funkmasten-Betreiber Vantage Towers und der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 Milliardensummen bei Anlegern eingesammelt. Noch in diesem Monat wollen der Online-Fahrradhändler Bike24 und Cherry - ein Hersteller von Computer-Mäusen, Schaltern und Tastaturen - folgen. Erst am Montag machte der Online-Optiker Mister Spex seine Pläne öffentlich. In den Startlöchern soll zudem der Frühstücksflocken-Anbieter MyMuesli stehen. (reuters/aze)

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