Abi-Tests eine Woche später: Vorbereitungsklausuren erlaubt

Ein Schild verweist auf eine Abitur-Ruhezone. Foto: Ole Spata/dpa/Symbolbild
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30. März 2020 - 20:10 Uhr

Sachsen-Anhalt verschiebt die Abitur-Prüfungen um eine Woche und räumt einen zweiten Klausuren-Zeitraum ein. Die ersten schriftlichen Prüfungen sollen am 4. Mai starten, wie das Bildungsministerium am Montag mitteilte. Das ist eine Woche später als bisher geplant (27. April). Den rund 5700 betroffenen Jugendlichen wird zudem freigestellt, ob sie im Mai oder erst im Juni die entscheidenden Abi-Klausuren schreiben. Dann wird es für alle Abifächer einen zweiten Durchgang geben, hieß es.

Die diesjährigen Abschlussprüfungen für Sekundarschüler und Gymnasiasten sorgen seit Wochen bundesweit für Diskussionen. Seit gut zwei Wochen sind alle Schulen und Kitas geschlossen. Die Bildungsminister der Länder berieten mehrfach, ob die Abschlussprüfungen trotz der geltenden Einschränkungen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus wie in jedem Jahr abgenommen werden sollten oder ob es Verschiebungen, Absagen oder andere Änderungen gibt. Zuletzt einigten sie sich, an den Prüfungen festzuhalten.

Mehrere Vertreter von Schülern und Lehrern wiesen zuletzt darauf hin, dass nicht nur die Frage geklärt werden muss, wann die eigentlichen Abitur-Prüfungen abgenommen werden. Die landesweiten Schulschließungen fallen mitten in die heiße Phase der Abi-Vorbereitungen, in der noch viele Noten für das letzte Halbjahr vergeben werden.

Zudem müssen die Jugendlichen besonders gewichtig gewertete Klausuren in ihren Prüfungs-Fächern schreiben, das sogenannte Vor-Abi, wie etwa der Landeschef der Schüler-Union, Michael Benecke, zuletzt sagte. Diese Klausuren seien eine wichtige Generalprobe für die eigentlichen Abi-Tests, da sie unter ähnlichen Bedingungen abliefen. Benecke bereitet sich gerade selbst auf das Abitur vor. An seiner Schule falle die Frist, bis zu der die letzten Noten vergeben werden könnten, bisher auf den 5. April - mitten in die Schließungszeit.

Das Bildungsministerium reagierte am Montag mit einem Erlass auf die Einwände von Lehrkräften und Abiturienten. Demnach sind Prüfungen trotz geschlossener Schulen und geltender Corona-Beschränkungen möglich, wenn sie für die Zulassung zum Abitur nötig sind. Das gilt unter anderem für die Tests zum Vor-Abi.

Dabei gelten besondere Schutzmaßnahmen, um das Ansteckungsrisiko mit dem Erreger Sars-CoV-2 zu minimieren: Ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Schülern muss laut Erlass gewährleistet sein. Wer Erkältungssymptome hat, zuletzt aus einem Risikogebiet zurückkehrte oder direkten Kontakt mit einem Infizierten hatte, darf nicht mitschreiben. Als Ersatz für die Klausuren könnten den Schülern auch Hausarbeiten aufgegeben werden, hieß es weiter.

Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte das Prozedere. Wenn Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) dazu aufrufe, dass alle Sachsen-Anhalter zu Hause bleiben sollten, Bildungsminister Marco Tullner (CDU) aber gleichzeitig Klausuren in den Schulen zulasse, sei das nicht stimmig, schrieben GEW-Vertreter auf Twitter. "Es entsteht der Eindruck bei Jugendlichen, dass alles gar nicht so schlimm ist. Verantwortungsvoll sieht anders aus."

Der letzte Schultag wird um eine Woche auf den 30. April verschoben. Theoretisch läuft erst dann die gesetzlich gesetzte Frist ab, den Schülern ihre endgültigen Noten für das letzte Schulhalbjahr mitzuteilen, hieß es vom Bildungsministerium. Wie lange tatsächlich noch Noten vergeben würden, sei jeweils den Gymnasien überlassen.

Zuvor hatte Sachsen-Anhalt bereits entschieden, die Prüfungen zum Realschulabschluss zu verschieben. Sie sollen jetzt am 11. Mai statt bereits im April starten. Derzeit ist geplant, dass die Schulen bundesweit bis 19. April geschlossen bleiben, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verlangsamen. Ob diese Anordnung verlängert wird, ist offen.

Quelle: DPA