Abgasskandal: Daimler muss hunderttausende Autos zurückrufen

Daimler-Chef Dieter Zetsche verlässt das Bundesverkehrsministerium - mit schlechten Nachrichten für seinen Konzern.
Daimler-Chef Dieter Zetsche verlässt das Bundesverkehrsministerium - mit schlechten Nachrichten für seinen Konzern.
© dpa, Kay Nietfeld, nie nwi

11. Juni 2018 - 20:34 Uhr

Daimler bestreitet Manipulationsvorwürfe

Bislang hat Daimler zurückgewiesen, dass an der Abgasreinigung seiner Dieselfahrzeuge etwas nicht stimmen könnte. Verkehrsminister Andreas Scheuer sieht das anders – mit unangenehmen Folgen für den Autobauer.

Verkehrsminister Andreas Scheuer macht ernst

Wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung muss Daimler deutschlandweit 238.000 Fahrzeuge zurückrufen. Der Bund werde unverzüglich einen amtlichen Rückruf anordnen, teilte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach einem Gespräch mit Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche mit. Insgesamt seien in Europa 774.000 Fahrzeuge betroffen.

Nach Angaben des Ministeriums geht es neben dem Kleintransporter Vito, bei dem das Kraftfahrtbundesamt (KBA) schon vorher eine unzulässige Abschalteinrichtung moniert hatte, nun insbesondere um ein Modell der C-Klasse sowie um eine Variante des sportlichen Geländewagens GLC. Beides sind sogenannte Volumenmodelle, werden also besonders häufig verkauft. Für den Kleintransporter Vito 1,6 Liter Diesel mit der neuen Abgasnorm Euro 6 hat das KBA wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bereits einen Pflichtrückruf angeordnet. Betroffen sind weltweit 4.900 Fahrzeuge, darunter gut 1.370 in Deutschland.

Daimler wies die Feststellung des KBA zum Vito zurück. Den Vorwurf, dass die Programmierung zweier Funktionen der Motorsteuerung nicht den geltenden Vorschriften entspreche, werde man zur Not vor Gericht klären lassen.

Scheuer hatte Zetsche bereits vor zwei Wochen zu einem ersten Gespräch über die Vorwürfe gegen Daimler im Abgasskandal geladen, um mehr Informationen zu erhalten. Die Mitteilung Scheuers wurde am Montag gut zwei Stunden, nachdem Zetsche erneut ins Ministerium gekommen war, veröffentlicht.

Sorge bei Daimler-Beschäftigten

Unter den Daimler-Beschäftigten sorgen die Diesel-Vorwürfe laut Betriebsrat zunehmend für Unruhe. "Ihre größte Sorge ist, dass rund um das Thema Abgas noch viel mehr auf den Tisch kommen könnte als bisher bekannt", sagte der Betriebsratsvorsitzende des Motorenwerks in Untertürkheim, Wolfgang Nieke, den "Stuttgarter Nachrichten" und der "Stuttgarter Zeitung" (Dienstag). Zetsche habe anfangs gesagt, dass bei Daimler nicht betrogen werde – darauf hätten sich die Beschäftigten verlassen. Bei Betriebsversammlungen um den 20. Juni herum würden die Beschäftigten Antworten hören wollen.