Abgas-Skandal: VW-Chef Diess soll Martin Winterkorn für Freifahrtschein in den USA belastet haben

08. Mai 2018 - 8:04 Uhr

Neue pikante Details im Abgas-Skandal

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn wird wohl so bald nicht mehr aus Deutschland ausreisen: Da in den USA inzwischen ein Haftbefehl gegen den 70-Jährigen vorliegt, würde er bei einer Ausreise Gefahr laufen, an die USA ausgeliefert zu werden. Dort drohen im wegen Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Abgas-Affäre 25 Jahre Haft. Sein Nachfolger Herbert Diess hingegen kann sich selbst in den Staaten sorglos bewegen. Wie jetzt bekannt wurde, soll er einen Deal mit der US-Justiz gemacht haben - und seinen Ex-Boss belastet haben.

Packte Diess gegen Ex-Boss Winterkorn aus?

In den USA liegt aktuell offenbar kein strafrechtlich relevanter Verdacht im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal vor. Für VW-Boss Diess heißt das, dass er sich frei in den USA bewegen kann. Doch wie jetzt der Finanzdienst Bloomberg berichtete, soll diese Freiheit einen hohen Preis gehabt haben: Er habe demnach einen Deal mit dem Justizministerium geschlossen, der ihm "freies Geleit" bei Auslandsreisen sichere. Bloomberg bezieht sich selbst auf zwei eingeweihte Quellen. Dem Manager sei sogar versprochen worden, im Falle einer Klage gegen ihn vorab informiert zu werden. Damit könne sich Diess ohne Angst vor einer Verhaftung weltweit frei bewegen. Weder das Justizministerium noch das Unternehmen wollten sich auf Nachfrage zu dem Bericht äußern.

Die US-Ermittler haben Diess bislang noch nie etwas vorgeworfen. Er hatte erst einige Monate vor Bekanntwerden des Skandals bei VW angeheuert, aber im Juli 2015 bei einem Treffen teilgenommen, bei dem Führungskräfte über Unregelmäßigkeiten von Abgaswerten in den USA informiert wurden.

US-Justiz will ernst machen

Martin Winterkorn soll mit den Vorwürfen gegen seine Person gefasst umgehen, heißt es. Bis jetzt hat er sich jedoch noch nciht öffentlich zu den Anschuldigungen geäußert. Laut Insidern will er dies bei passender Gelegenheit tun. Er werde dann seine Sicht auf die schweren Vorwürfe im Abgasskandal umfassend schildern.

Die US-Justiz will Winterkorn wegen Betrugs in der Abgasaffäre zur Rechenschaft ziehen. Ihm wird zudem Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vorgeworfen. In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig unter anderem wegen Betrugsverdachts weiter gegen ihn.