Abgas-Skandal hat erste Konsequenzen: VW-Generalbevollmächtigter Thomas Steg muss gehen

30. Januar 2018 - 14:23 Uhr

Lage für VW & Co. ist ungemütlich

Der Skandal um die VW-Abgas-Tests an Menschen und Affen hat den Generalbevollmächtigten Thomas Steg den Job gekostet. Der VW-Cheflobbyist wurde bis zur vollständigen Klärung der Vorfälle beurlaubt. Durch Enthüllungen der 'New York Times' war bekannt geworden, dass im Auftrag von VW, Daimler und BMW Abgas-Tests an Affen durchgeführt wurden. Ähnliche Experimente sollen auch an Menschen durchgeführt worden sein. Das geht aus einem Report der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) hervor, über den die 'Süddeutsche Zeitung' und die 'Stuttgarter Zeitung' berichten.

Schadstoff-Tests an Menschen

Vier Stunden lang wurden wehrlose Affen in Räumen mit Auspuffgasen eines VW Beatle eingesperrt - um zu beweisen, dass die Gase nicht so gesundheitsschädlich sind, wie angenommen. Diese Nachricht hatte viele schockiert. Doch ganz ähnliche Experimente wurden auch an Menschen durchgeführt. Die von VW, Daimler und BMW gegründete EUGT soll demnach eine 'Kurzzeit-Inhalationsstudie' an Menschen gefördert haben. Als Leiter der Konzern-Außenbeziehungen, hatte Thomas Steg eine Schlüsselrolle. "Herr Steg hat erklärt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Dies respektiere ich", heißt es in einer Mitteilung von Konzernchef Matthias Müller zur Beurlaubung des Generalbevollmächtigten.

Bei der an einem Institut des Universitätsklinikums Aachen durchgeführten Studie atmeten 25 Personen zunächst mehrere Stunden Stickstoffoxid ein. Anschließend wurden sie medizinisch untersucht. Laut EUGT wurde keine Wirkung festgestellt. Die Untersuchung der Wirkung von Stickstoffoxid auf den Menschen war für die Autobauer von besonderem Interesse, denn nur durch eine manipulierte Software konnten Dieselautos von VW die gesetzlichen Grenzwerte einhalten. Durch eine Aufdeckung der Manipulationen kam im September 2015 der Abgas-Skandal ins Rollen.

Das zuständige Institut der Universität Aachen bestätigte in einer am Montag veröffentlichten Pressemitteilung die Durchführung einer Studie zum Thema Stickstoffdioxid. Demnach habe die Studie sich mit dem Stickstoffdioxidgrenzwert am Arbeitsplatz befasst. Da der Grenzwert herabgesetzt worden sei und es keine Studie zu Menschen gegeben habe, seien 25 gesunde Menschen Belastungen ausgesetzt worden. Die Werte lagen jedoch unterhalb der Belastungen am Arbeitsplatz. Die Hochschule betont in der Mitteilung, dass die Studie sich jedoch nicht direkt mit der Dieselbelastung von Menschen befasst habe. Sie habe daher keinen Bezug zum Dieselskandal und sei außerdem schon lange vor Bekanntwerden des Skandals von der Ethikkommission der RWTH Aachen genehmigt und durchgeführt worden.

"Absurd und unentschuldbar"

Autobauer Daimler distanzierte sich ausdrücklich von den Studien und der EUGT. "Wir sind über das Ausmaß der Studien und deren Durchführung erschüttert", hieß es in einer Stellungnahme. Daimler verurteile die Versuche auf das Schärfste und versuchte, eine Mitschuld von sich zu weisen. "Auch wenn Daimler keinen Einfluss auf den Versuchsaufbau hatte, haben wir eine umfassende Untersuchung eingeleitet, wie es dazu kommen konnte."

Der niedersächsische Wirtschaftsminister und VW-Aufsichtsrat Bernd Althusmann (CDU) bezeichnete die Tierversuche bereits als "absurd und unentschuldbar". Er fordert eine schnelle und vollständige Aufklärung sowie "harte personelle Konsequenzen" für alle, die für die Tierversuche verantwortlich seien.

In einem am Montag veröffentlichten Statement schloss sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) den betroffenen Unternehmen an und distanzierte sich von den in den USA durchgeführten Tierversuchen. In der Mitteilung bekannte sich der Verband zu einer ethischen Verantwortung von Wissenschaft und Technik. "Ohne ethisches Fundament gewinnt man keine Zukunft", betonte VDA-Präsident Matthias WIssmann.