2019 M02 22 - 14:53 Uhr

Ungewöhnlicher Syrienurlaub kostet 3.000 Euro

"Seien Sie die Ersten, die in diese tausendjährige Geschichte eintauchen" - mit diesem Slogan wirbt der französische Reiseveranstalter Clio für Abenteuerreisen nach Syrien - und das mitten ins zerstörte Kriegsgebiet, wo noch immer viele Gefahren lauern. Aber ist es wirklich so verrückt, wie es klingt? Syrien ist ein faszinierendes Land mit unzähligen Sehenswürdigkeiten - die Organisatoren sehen darin eine Chance für das verwüstete Land.

Sehen, was vom alten Syrien übrig geblieben ist

ARCHIV - Das am 20.01.2017 aufgenommene Foto zeigt Menschen, die im östlichen Stadtteil Salaheddine in der vom Krieg zerstörten Stadt Aleppo (Syrien) unterwegs sind.  Am 14.03.2017 beginnt in der kasachischen Hauptstadt Astana eine neue Runde der Syr
In Syrien herrscht seit acht Jahren ein blutiger Bürgerkrieg.
© dpa, Hassan Ammar, HA abl cul

Reiseveranstalter Clio, spezialisiert auf kulturhistorische Reisen spezialisiert, bietet nach acht Kriegsjahren als erste europäische Agentur Touren nach Syrien an. Ab April können Urlauber zehn Tage mit einem Privatbus die Hauptstadt Damaskus im Süden, Latakia an der Nordküste sowie die teils zerstörten Weltkulturerbe-Stätten Palmyra und die berühmte Kreuzritterfestung Krak des Chevaliers besichtigen. Die Touri-Gruppe macht auch Halt im christlichen Dorf Maaloula, wo noch immer aramäisch gesprochen wird, die "Sprache Jesu ".

Die Reisenden brechen in ein Land auf, in dem seit Kriegsbeginn rund 400.000 Menschen getötet wurden und rund 4,8 Millionen auf der Flucht sind.

Laut Veranstalter haben sich schon 20 Mutige angemeldet, berichtet die Nachrichtenagentur "AFP". Sie stellen sich für knapp 3.000 Euro den Gefahren, die dort auf sie lauern. Die Lage sei stabil, das Regime unter Präsident Baschar al-Assad habe den größten Teil des Landes zurückerobert.

Syrien nicht gefährlicher als Pakistan

epa04895491 (FILE) A file picture dated 12 November 2010 shows a general view of the ancient city of Palmyra in central Syria. According to media reports on 24 August 2015 Islamic State (IS) miltants have blown up Palmyra's ancient temple of Baalsham
IS-Kämpfer hatten die historische Stadt Palmyra teilweise zerstört.
© dpa, Youssef Badawi

Das sieht das französische Außenministerium anders und rät dringend von einer Reise nach Syrien ab. Das Assad-Regime sei kein Garant für Sicherheit und Stabilität. Im Falle eines Terroranschlags oder einer Entführung werde der Reiseveranstalter zur Verantwortung gezogen, so ein Sprecher.

Der Veranstalter kontert: Syrien sei nicht gefährlicher als Pakistan. "Wir machen das auch nicht, um Assads Regime ein gutes Image zu verleihen", sagt Jean-Pierre Respaut, Stellvertretender Direktor von Clio. Es gehe nur um das kulturelle Erbe des Landes. Zudem versicherte er, dass sich Polizisten um die Sicherheit der Gruppe kümmert werden.

Noch vor Kriegsbeginn im Jahr 2010 besuchten rund zwei Millionen Urlauber das Land, Tourismus war eine wichtige Einnahmequelle für viele Menschen. Für die Syrer wäre der wiederauflebende Tourismus ein Zeichen zur Rückkehr in ein normales Leben, so Respaut.

Keine Angebote von deutschen Veranstaltern

HANDOUT - 22.04.2018, Syrien, al-Hadschar al-Aswad: Das von der syrischen Nachrichtenagentur Sana zur Verfügung gestellte Bild zeigt Rauch, der nach einem Luftangriff der syrischen Regierung auf die Stadt Hajar al-Aswad aufsteigt. Der nahe der syrisc
Im Januar 2019 kamen bei einer Explosion nahe der Altstadt von Damaskus mehrere Menschen ums Leben.
© dpa, Uncredited, BH wal

Viele Deutsche Reiseveranstalter denken im Moment nicht daran, Reisen nach Syrien anzubieten. Auch das Auswärtige Amt rät dringend von Reisen in das Land ab. Wegen des Bürgerkrieges werden landesweit Tote und Verletzte gemeldet, heißt es.