Das sollten Eltern beachten

Ab wann darf mein Kind allein zur Schule gehen?

Ab wann darf ein Kind alleine zur Schule laufen?
© dpa, Julian Stratenschulte

13. Januar 2021 - 10:13 Uhr

Viele Gefahren lauern auf dem Schulweg

Sowohl für Eltern als auch fürs Kind ist es ein guter Schritt in Richtung Selbstständigkeit, wenn es lernt, alleine zur Schule zu gehen. Aber wann ist ein Kind dazu überhaupt im Stande? Das erklären wir hier.

32 Kinder wurden 2019 auf dem Schulweg tödlich verletzt

Auf dem Weg zur Schule ist ihr Kinder täglich vielen Gefahren ausgesetzt. Im Jahr 2019 sind in Deutschland 13.409 Kinder unter zehn Jahren bei Verkehrsunfällen verunglückt. Dabei erlitten 11.408 der Kinder leichte Verletzungen, 1.969 wurden schwer verletzt und 32 getötet, heißt es in einer Meldung vom TÜV.

Sollte jede/r Erstklässler*in schon alleine zur Schule laufen können?

Erstklässler*innen sollten möglichst zu Fuß zur Schule gehen. Die Kinder sind vor dem Unterricht an der frischen Luft und trainieren auf dem Schulweg ihre kognitiven Fähigkeiten wie das Einschätzen von Entfernungen oder das Richtungshören. Dabei lernen sie, Gefahren im Straßenverkehr selbst zu erkennen.

Aber darf und sollte ein Kind, wenn es eingeschult wird automatisch alleine zur Schule gehen? "Mit dem Alter eines Kindes alleine hat es weniger zu tun, sondern eher mit dem Entwicklungsstand", erklärt uns Frau Dorothea Jung, Leiterin der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth.

Wie andere Experten empfiehlt auch sie: "Der Schulweg muss zusammen mit den Eltern geübt werden." Eine wichtige Frage beim Schulweg-Üben ist: "Ist es überhaupt realistisch fürs Kind, den Weg alleine zu meistern – oder ist ein Weg so weit, dass das Kind den Weg in den ersten Schuljahren gar nicht alleine bewältigen kann", fasst Jung zusammen.

Sie unterscheidet: "Wenn es eine Grundschule ist, die sich im Wohngebiet befindet, dann ist die Möglichkeit natürlich viel höher, dass das Kind es alleine bewältigt, als bei einer Schule, die weiter entfernt liegt, zum Beispiel am anderen Ende der Großstadt. Auch wenn es auf dem Land lebt und einen Schulbus nutzen wird, muss auch das erst genau geübt werden."

Übung macht den Meister

Man sollte den Schulweg mit seinem Kind auch nicht nur einmal, sondern mehrmals üben und alle einzelnen Gefahrenpunkte auf diesem Weg mit dem Kind durchgehen. Am besten morgens an Werktagen unter realen Bedingungen und nicht am Wochenende, wenn weniger Verkehr ist, empfiehlt auch der TÜV.

Eltern sollten sich dabei deutlich machen: Kennt mein Kind die grundlegenden Verkehrsregeln? Kann es mit den Gefahrenstellen auf der Strecke richtig umgehen? Ist es eher verträumt oder lässt es sich leicht ablenken? Kinder können in der Regel erst ab einem Alter von ungefähr acht Jahren vorausschauend Gefahren einschätzen. Vorher erkennen sie diese erst, wenn sie bereits eingetreten sind.

Um das zu testen, können Eltern dem Kind auf dem gemeinsamen Schulweg sagen: "Heute führst du mich mal!", schlägt Jung vor. Das Kind soll dann den Weg gehen und die Eltern laufen mit und beobachten, ob sich das Kind richtig verhält.

Kritische Stellen können Eltern mit ihrem Nachwuchs aus verschiedenen Perspektiven durchspielen. Auf diese Weise übernehmen Kinder den Blickwinkel anderer Verkehrsteilnehmer*innen und lernen, wo sie übersehen werden können.

Kinder können in Gruppen gehen

Eine sinnvolle Entlastung für Eltern sind Schulweggemeinschaften: Kinder aus der Nachbarschaft gehen anfangs noch begleitet von einem Erwachsenen in der Gruppe zur Schule, später dann alleine. Wichtig ist, dass die Kinder auch das richtige Verhalten in der Gruppe lernen. Sie sollten sich nicht ablenken oder dazu verleiten lassen, plötzlich über die Straße zu rennen.

Eltern und Kindern ausreichend Zeit geben, sonst passieren Fehler

Besonders wichtig ist es, dass Eltern ihren Kindern genügend Zeit geben. "Kinder sollten morgens rechtzeitig zur Schule aufbrechen", erklärt Dr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands (VdTÜV). "Zeitstress kann dazu führen, dass sie unsichere Abkürzungen wählen, rennen oder anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber unaufmerksam sind."

Beim Schulweg geht es auch nicht um Schnelligkeit: "Der kürzeste Weg ist nicht immer auch der sicherste Weg für das Schulkind", mahnt Dorothea Jung vom bke. Gerade für junge Schulkinder sollte man sich immer für einen Weg entscheiden, der weniger stark befahren ist.

Gefahrenquellen auf dem Weg sind mehrspurige Straßen, unübersichtliche Überquerungen oder Ein- und Ausfahrten. Gefährliche Punkte wie Baustellen oder stark befahrene Straßen sollten möglichst vermieden werden. Ampeln, Zebrastreifen und Mittelinseln eignen sich dagegen gut zum Überqueren von Straßen.

Bereit für den Schulweg?
Bereit für den Schulweg?

Eltern sind Vorbilder

"Kinder lernen vor allem durch ihre Vorbilder – ihre Eltern! Wie verhalte ich mich richtig im Verkehr? Das fängt schon im frühen Alter an", weiß Dorothea Jung. Bei jedem Spaziergang, oder auf dem Weg zum Kindergarten, lernt das Kind das Warten an der Ampel, das nach Links- und Rechts-Schauen vor dem Überqueren einer Straße. So wird das Kind schon früh an das Thema herangeführt, erklärt die Expertin.

Gerade für Eltern sei es besonders wichtig, dass man mit Kindern an der roten Ampel und beim Überqueren der Straße bewusst alle Verkehrsregeln beachtet. "Die Vorbild-Wirkung spielt hier eine ganz wichtige Rolle", erinnert Jung.

Welches Verkehrsmittel ist das richtige?

Ist der Schulweg zu lang, empfehlen sich öffentliche Verkehrsmittel. Auch hier sollte man das Schulkind nicht von Beginn an alleine auf den Weg schicken. Das richtige Verhalten an der Haltestelle, das Vorzeigen des Tickets, das Festhalten im Bus oder in der Bahn und nicht zuletzt das rechtzeitige Aussteigen wollen gelernt sein.

Wichtig ist vor allem, dass die Kinder an der Haltestelle nicht toben und nicht vor oder hinter dem Bus die Straße überqueren. Dann besteht die Gefahr, dass sie übersehen werden.

Fazit: Ist das Kind auch nach mehreren Versuchen zu abgelenkt und kann den Weg nicht sicher alleine gehen, sollte man es aufs nächste Schuljahr verschieben, gemeinsam mit dem Kind zur Schule laufen oder Fahrgemeinschaften mit anderen Eltern gründen. Die Sicherheit des Kindes geht vor.

Gerade praktisch in Zeiten von Corona: Eltern können sich bei Erziehungsfragen an die Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke.de) richten. Die Beratung von qualifizierten Fachkräften ist streng vertraulich und kostenfrei.

Das sollten Eltern außerdem beachten

Auch bei Kindern, die ihre Schulfreunde alleine besuchen wollen, gilt die gleiche Vorsicht: Auch dieser Weg sollte erst zusammen mit den Eltern geübt werden.

Quelle: DPA/RTL.de