Ab in eine ungewisse Zukunft: Diese Abschiebung geht ans Herz

13. Januar 2016 - 16:22 Uhr

"In Italien habe ich kein Dach über dem Kopf und nichts zu essen"

Schnelle Abschiebung von abgelehnten und vor allem straffälligen Asylbewerbern – das fordern aktuell viele Politiker und Bürger. Aber wie läuft eine Abschiebung eigentlich zurzeit ab? RTL-Reporter André Goltzsche durfte in einem Hochsicherheitstrakt abgelehnte Asylbewerber begleiten – und war hautnah bei einer drastischen Abschiebung dabei.

Ahmad Abdallah in der Abschiebe-Haftanstalt Hannover
Ahmad Abdallah ist mit vielen Hoffnungen aus dem Bürgerkriegsland Sudan geflüchtet.

In der Abschiebe-Haftanstalt Hannover hat Michael Aleksic das Sagen. Der Abteilungsleiter erklärt, dass abgelehnte Asylbewerber gefangen genommen werden – damit sie nicht untertauchen können. So werden sie auch genannt: Abschiebe-Häftlinge. Und sie warten in den Gefängniszellen manchmal wochenlang auf ihre Abschiebung. Den genauen Abreisetag erfahren sie aus Sicherheitsgründen nicht im Voraus. Das zehrt an den Nerven.

Auch Ahmad Abdullah ist mit vielen Hoffnungen aus dem Bürgerkriegsland Sudan geflüchtet. Aus Angst um sein Leben, wie er erzählt. Der 20-Jährige ist wie viele andere über das Mittelmeer geflohen und hat in Italien erstmals europäischen Boden betreten. Deshalb darf er laut EU-Recht auch nur in Italien Asyl beantragen. Jetzt sitzt er in der Haftanstalt und weiß nicht weiter. Er soll zurück nach Italien abgeschoben werden, will aber bloß nicht zurück, denn "in Italien habe ich kein Dach über dem Kopf und nichts zu essen".

Zwei Wochen wird Ahmad in ein Flugzeug nach Rom gesetzt. Zuvor übergeben die Vollzugsbeamten den jungen Mann an die Bundespolizei die ihn zum Frankfurter Flughafen bringen soll. Seine Papiere bekommt er erst von den Beamten in Rom zurück. Es ist ein Flug in eine ungewisse Zukunft. "Was soll ich nur in Italien machen? Da schlafe ich auf der Straße", sagt er. Doch eine andere Wahl hat er nicht.