RTL erklärt neuen Corona-Richtwert 35

Neuer Corona-Richtwert 35: Geschäfte könnten auch vor dem 7. März schon öffnen

12. Februar 2021 - 15:32 Uhr

Möglicherweise schnellere Öffnung des Einzelhandels

Seit gestern ist die 35 die neue magische Zahl, wenn über mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen gesprochen wird. Denn ab einem Inzidenzwert von 35 pro 100.000 Einwohner sollen auch Geschäfte unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Ab wann die Regelung aber gilt, dazu haben sich Kanzlerin und Länderchefs nicht klar geäußert. Denn immerhin wurde auch der generelle Lockdown bis zum 7. März verlängert.

RTL liegen jetzt aber aktuelle Informationen vor, dass eine Öffnung des Einzelhandels doch schon vor dem 7. März möglich ist, wenn die Inzidenz von 35 erreicht ist.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Wer entscheidet über die Öffnungen?

Wann wo welche Geschäfte öffnen dürfen, das liegt in der Hand der einzelnen Bundesländer. Liegt die Inzidenz aber in der entsprechenden Region konstant unter 35, ist eine Öffnung des Einzelhandels offenbar möglich. Zwar war der Beschluss der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin in diesem Punkt gestern nicht eindeutig. Man gehe davon aus, dass die Ministerpräsidenten das so interpretieren, erfuhr RTL aus Regierungskreisen. Auch die Nachfrage, ob das bedeute, dass es schon vor dem 7. März Lockerungen geben könnte, wurde bejaht. Und das Beispiel Schleswig Holstein zeigt, dass die Länder auch davon Gebrauch machen: Ministerpräsident Daniel Günther kündigte bereits an, Zoos, Gartencenter und Sportstätten zum 1. März öffnen zu wollen.

Baden-Württemberg und Bremen hoffen auf schnelle Lockerungen

Winfried Kretschmann, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht während einer außerplanmäßigen Pressekonferenz der Landesregierung.
Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann will bei Lockerungen auf Sicht fahren.
© dpa, Sebastian Gollnow, scg lop pil

Ähnliche Signale kommen auch von Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte. Er hoffe das Bremen den 35er-Wert vor dem 7.3. erreicht und in Absprache mit Niedersachsen früher öffnen kann. "Die Länder können es in eigener Hoheit entscheiden, es ist nur wichtig es mit den Nachbarbundesländern abzustimmen", sagte Bovenschulte im RTL-Interview.

Auch in Baden-Württemberg blickt man vorsichtig positiv in die Zukunft. Zwar heißt es, man wolle auf Sicht fahren und das nächste Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin abwarten. "Aber selbstverständlich beobachten wir die weitere pandemische Entwicklung und werden daraus, je nach Entwicklung und Bedarf, früher Schlüsse ziehen", heißt es in einer offiziellen Erklärung aus der Stuttgarter Staatskanzlei.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Auch Mecklenburg-Vorpommern und Berlin vorsichtig optimistisch

Auf Sicht fahren und sich mit den Nachbarländern abstimmen will auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Man rechne zwar nicht damit, dass man den Wert von 35 so schnell erreiche. Sollte es doch dazu kommen, setze man auf eine enge Abstimmung mit den Nachbarländern, besonders mit Hamburg da Schwerin und Hamburg nicht weit voneinander entfernt sind.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller setzt auf die Abstimmung mit den angrenzenden Bundesländern. Gleichzeitig warnt er aber auch davor den 35er Wert zu hoch zu hängen. "Wenn Länder eine stabile 35er-Inzidenz erreichen, können die Länder in Absprache mit den Nachbarländern den nächsten Öffnungsschritt gehen. Stabil heißt nicht, dass man kurz mal unter die 35 rutscht."

Laschet: Nicht auf 35 festlegen

Vor zu viel Euphorie warnt auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet. Man dürfe sich nicht zu sehr auf eine Zahl festlegen, sagte Laschet in einer Rede vor dem Düsseldorfer Landtag. "Ich würde weiterhin dafür plädieren - so wie wir das auch mit der Bundesregierung verabredet haben - auf Sicht fahren, klar erkennen, wo sind Gefahren und womöglich öffnen, wo immer es möglich ist."

Sachsen-Anhalt für bundesweite Regelung

Ganz anders sieht es offenbar Sachsen-Anhalts Landeschef Reiner Haseloff. Er stellt sich grundlegend dagegen, dass die Bundesländer über mögliche Öffnungen im Einzelhandel entscheiden. Lockerungen für den Einzelhandel könne es erst geben, wenn die Inzidenz deutschlandweit unter 35 liege, sagte Haseloffs Regierungssprecher auf RTL-Anfrage. Ansonsten laufe man Gefahr, dass es zu 16 unterschiedlichen Öffnungszeitpunkten käme

Wieso wird aus der 50 nun die 35?

Grund für die Verschärfung sind vor allem die ansteckenderen Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika. Damit die sich nicht auch in Deutschland rasant verbreiten, haben die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin die strengeren Grenzwert für mögliche Lockerungen beschlossen. Aber wieso gerade 35?

SPD-Gesundheitsexperte und Merkel-Berater Karl Lauterbach sagte dazu im RTL-Interview: "Ich glaube, dass wir Anfang März eine deutliche Absenkung der Fallzahlen sehen und dass wir in vielen Regionen diese magische Zahl von 35 erreichen werden." Er warnte aber auch davor, zu schnell zu stark zu lockern, weil noch nicht klar sei, wie sich die Corona-Mutationen in Deutschland entwickelten. "Von daher ist der Zeitpunkt, an dem man sich wieder trifft (Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am 3. März, Anm. der Redaktion) gut gewählt, weil es entscheidet sich genau in dieser Woche, ob die Mutation die Fallzahlen nach oben dreht oder nicht."

Einzelhandel: "Inzidenzwert von 35 leuchtet uns nicht ein"

Für die deutschen Einzelhändler könnte es jetzt also Aufatmen heißen. Denn neben den Friseuren, die bereits am 1. März wieder öffnen dürfen, haben auch die Geschäftsinhaber nun eine Perspektive,

Aber noch heute morgen hatte der Präsident des Einzelhandelsverbands Stefan Genth die Entscheidung des Bund-Länder-Gipfels scharf kritisiert. "Das Urteil ist vernichtend. Man kann schon fast von Politikversagen sprechen", sagte Genth im RTL-Interview. Der Einzelhandel habe millionenfach bewiesen, dass die Hygienekonzepte funktionierten. "Deshalb leuchtet es uns überhaupt nicht ein, jetzt auf einen Inzidenzwert von 35 zu gehen."

Seit gut zwei Monaten sind bis auf Lebensmittelmärkte und Geschäfte für den täglichen Bedarf alle Läden in Deutschland geschlossen. Viele Geschäftsinhaber kämpfen seitdem mit Verdienstausfall.

TVNOW-Dokus: Corona und die Folgen

Das Corona-Virus hält die Welt seit Monaten in Atem. Auf TVNOW finden Sie jetzt spannende Dokumentation zur Entstehung, Verbreitung und den Folgen der Pandemie.