92 Prozent stimmen für Absage des Zapfenstreiches für Wulff

10. Februar 2016 - 14:12 Uhr

Nicht nur die Opposition rät zu Verzicht auf militärischen Abschied

Wir haben Sie gefragt, ob Christian Wulff Ihrer Meinung nach den geplanten Zapfenstreich absagen sollte. Rund 92 Prozent der RTL-Aktuell-Online-User haben dafür gestimmt. Acht Prozent sind dagegen, dass die Veranstaltung abgesagt wird.

Wulff Großer Zapfenstreich Absagen
Alle noch lebenden Vorgänger bleiben dem militärischen Abschied von Ex-Bundespräsident Wulff fern.
© dpa, Tim Brakemeier

Dabei muss Wulff immer mehr Absagen hinnehmen. Alle noch lebenden Vorgänger werden der militärischen Zeremonie im Park von Schloss Bellevue fernbleiben. Richard von Weizsäcker, Roman Herzog, Horst Köhler und Walter Scheel haben sich gegen eine Teilnahme entschieden, bestätigten die Büros der Ex-Präsidenten.

Wulffs Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten von Niedersachsen, David McAllister (CDU), hat laut 'Bild' andere Termine. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat nicht nur keine Einladung bekommen. Mittlerweile hat er Wulff wegen der Fülle an Absagen einen Verzicht auf seinen Großen Zapfenstreich nahegelegt. "Christian Wulff ist eigentlich zu raten, auf diesen Zapfenstreich nicht zu bestehen", sagte Steinmeier. Er glaube nicht, dass die Veranstaltung noch einigermaßen würdevoll sein könne, gerade nachdem klar sei, dass alle noch lebenden ehemaligen Bundespräsidenten nicht teilnehmen werden. SPD Vorsitzender Sigmar Gabriel sieht den geplanten Zapfenstreich als "große Peinlichkeit" an. "Da wird einer, der im Amt gescheitert ist, so verabschiedet, als habe er Großes für Deutschland geleistet", sagte Gabriel den 'Stuttgarter Nachrichten'.

Omid Nouripour von den Grünen pflichtet Steinmeier und Gabriel bei. "Es wäre sehr taktvoll, wenn Christian Wulff auf den großen Zapfenstreich verzichten würde. Er tut der Bundeswehr damit keinen Gefallen", sagte der Verteidigungs-Experte und bekam Zustimmung vom Brigadegeneral a. D. Helmut Harff a. D.: "In der jetzigen Situation des Ex-Bundespräsidenten Wulff halte ich diese Ehrung für nicht angebracht."

Unmut aus den eigenen Reihen und eine Zugabe für Wulff beim Zapfenstreich

Erstmals wurde auch aus der CDU der Ruf nach Konsequenzen für Wulff laut. "Wulff war kein Bundespräsident wie alle anderen, er hat mit seinem Handeln die Rechtsnormen unseres Landes verletzt", sagte die CDU-Politikerin und ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld 'Handelsblatt Online'. "Da er nachweislich gegen die Antikorruptionsrichtlinien des Landes Niedersachsen verstoßen hat, stehen ihm weder ein Ehrensold noch eine Amtsausstattung zu."

Der FDP-Haushaltspolitiker Jürgen Koppelin warf die Frage auf, ob Deutschland überhaupt einen Bundespräsidenten benötigt. Koppelin sagte der 'Passauer Neuen Presse': "Wir haben den Bundesratspräsidenten und die Bundeskanzlerin. Der Bundespräsident prüft Gesetze. Wenn man Bedenken gegen ein Gesetz hat, kann man das allerdings vom Bundesverfassungsgericht klären lassen. Den Bundespräsidenten benötigt man da nicht."

Derweil beansprucht der Ex-Bundespräsident für seinen letzten großen Auftritt eine Ausnahmestellung: Er will beim Großen Zapfenstreich vom Staatsmusikkorps vier statt der üblichen drei Titel gespielt bekommen' – ein Novum. Auf Wulffs Wunschliste stehen 'Over the Rainbow' von Harold Arlen, der 'Alexandermarsch' von Alexander Leonhardt, 'Da berühren sich Himmel und Erde' von Christoph Lehmann und als viertes Stück die 'Ode an die Freude' von Ludwig von Beethoven.

In der Bevölkerung sorgt es für Unmut, dass der 52-jährige Wulff nach seiner Amtszeit von weniger als zwei Jahren einen Ehrensold von jährlich 199.000 Euro erhalten soll. Die Regelung hatte eine heftige Debatte über eine Reform der Ruhestandsbezüge für Ex-Präsidenten ausgelöst. Die Kosten für Büro und Mitarbeiter sollen sich auf weitere 280.000 Euro pro Jahr belaufen.