Wer eine Wohnung will, muss blechen

8.800 Euro Ablöse gefordert: So dreist werden Nachmieter abgezockt

19. November 2020 - 10:13 Uhr

RTL-Reporterin soll bei Wohnungssuche abgezockt werden

Sie hat ihre Traumwohnung in ihrer Traumstadt Köln gefunden: Unsere RTL-Reporterin kann ihr Glück kaum fassen. Aber dann merkt sie, dass sie abgezockt werden soll – auf eine neue, hinterhältige Weise. Wie die Betrüger vorgehen und wie Sie sich davor schützen können, verraten wir im Video.

Mieterin verlangt 8.800 Euro für Wohnungseinrichtung

Fast zwei Millionen bezahlbare Wohnungen fehlen in Deutschland. Vor allem in Großstädten ist es fast unmöglich, ein günstiges neues Zuhause zu finden. Besichtigungstermine werden zu Massenveranstaltungen und für viele Wohnungen horrende Ablösesummen verlangt.

Auf so einen Fall stößt unsere Reporterin bei ihrer Undercover-Wohnungssuche. Nach mehreren Wochen hat sie endlich ein Inserat entdeckt, das richtig gut klingt. Sie vereinbart einen Besichtigungstermin, hat aber ein mulmiges Gefühl. Denn am Telefon war die Mieterin sehr offensiv. Sie verlangt für ihre gesamte Einrichtung 8.800 Euro – sonst zieht sie nicht aus. Und den Kontakt zur Vermieterin stellt sie erst her, wenn das Geld gezahlt ist.

Möbel sind nur einen Bruchteil wert

Beim Besichtigungstermin gerät die Frau in Erklärungsnot. Rechnungen für die Möbel kann sie nicht vorlegen, an Preise erinnert sie sich angeblich nicht so genau. Und sie gibt sogar zu, dass sie die hohe Ablöse verlangt, um ihre eigene zu finanzieren. Irgendwann werden ihr die Nachfragen zu viel und sie bittet die Reporterin, zu gehen.

Antiquitäten- und Trödelhändler Markus Reinecke ist sich sicher: Würde man die Möbel einzeln im Internet verkaufen, bekäme man nur einen Bruchteil dessen, was die Mieterin verlangt.

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Zeitwert plus 50 Prozent gleich maximaler Preis

Die Abzocke ist offenbar kein lokales Phänomen: In Berlin stoßen wir auf einen weiteren Fall, bei dem ein Mieter 5.000 Euro für ein paar gebrauchte Möbel aus dem Discounter verlangt. Ist das nicht Wucher?

Jürgen Depel vom Mieterschutzverein Köln erklärt, dass es dafür eine klare Regelung gibt. Zwar könne man sogenannte Ablösevereinbarungen treffen. Dabei gelte aber: Zeitwert plus 50 Prozent gleich maximaler Preis. Wenn Möbel also nur 1.500 Euro wert sind, dürfen dafür höchstens 2.250 Euro verlangt werden.

Wer zu viel gezahlt hat, kann die Differenz zurückfordern. Am besten holt man sich dazu einen Rechtsbeistand.