True-Crime? Sachbuch? Oder lieber Roman?

7 Buchempfehlungen für einen gelungenen Lese-Sommer 2020

Sommer, Sonne und ein gutes Buch
© Getty Images, BraunS

05. August 2020 - 12:58 Uhr

Die Buch-Favoriten unseres Social-Teams

Ob am Strand, in den Bergen oder zuhause auf dem Balkon, ein gutes Buch kann man überall lesen. Um Ihnen die Entscheidung, welches Buch Sie diesen Sommer lesen sollten, etwas leichter zu machen, haben unsere Kollegen aus dem Social-Team fleißig für Sie gelesen. Ihre Favoriten haben wir im Folgenden für Sie zusammengestellt. Vielleicht ist ja auch etwas für Sie dabei.

„Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Leben bestimmen“ von Katharina Nocun und Pia Lamberty rezensiert von Frank Kohls

Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln nehmen:
Spannend wie ein Krimi oder Thriller. Das war mein erster Eindruck. Eine Psychologin und eine Bürgerrechtlerin sind auf den Spuren von angeblichen Verschwörungen oder genauer den vielfältigen Verschwörungserzählungen, denen viel zu viele Menschen blind vertrauen, ohne sie zu hinterfragen. Weil es bequem ist? Weil man nicht nachdenken muss? Weil es leicht ist, daran zu glauben, dass "die da oben" oder dunkle Mächte wie Politiker, die Pharmaindustrie oder ein Volk Schlimmes gegen die ganze Welt im Schilde führen?

Doch die Welt ist nicht schwarz-weiß, nicht nur gut-böse. Dieses Bild passt aber gerade politischen Extremisten bei ihren Zielen in den Kram. Oft ist es ein Gefühl der Hilflosigkeit, wie gerade in der Corona-Krise. Wie kam das Virus in die Welt? Verschwörungserzählungen haben immer eine einfache Antwort, wer der Schuldige ist. Aber sie sind Fake, zu einer großen Lüge zusammengebastelt, sie verkaufen sich nur als "Wahrheit", als Fakt. Und ihnen ist schwer beizukommen.

Am Ende denke ich: 🛒 "Fake Facts"* macht mit seinen vielen, teils unerwarteten Beispielen zu Rassismus, Impflügen, Aluhüten oder extremistischer Gewalt aus Verblendung traurig und betroffen, aber auch Mut, weil es Wege zeigt, was jeder selbst dagegen tun kann. Keine leichte, aber eine notwendige Kost.

„Ein wirklich erstaunliches Ding“ („An Absolutely Remarkable Thing“) von Hank Green rezensiert von Katharina Meyer

Als April May schon wieder erst nachts von ihrem schlecht bezahlten Job in einem ausbeuterischen Startup-Unternehmen nach Hause kommt, fragt sich die 23-Jährige, ob sie auf dem richtigen Weg in ihrem Leben ist. Sie hat Kunst studiert und lebt zwar in einer der aufregendsten aber wohl auch teuersten Städte der Welt: New York City. Doch wann hat ihre Leidenschaft für Kunst sie das letzte Mal in helle Aufregung versetzt? Ausgerechnet in diesen Gedanken versunken entdeckt April eine riesige Statue auf dem Gehweg, die wie eine Mischung aus Samurai und Transformer aussieht und aus einem Material gefertigt ist, das die Kunststudentin noch nie gesehen hat. Wie gebannt von dem vermeintlichen Kunstwerk ruft sie ihren Youtuber-Freund Andy an, der April dabei filmt, wie sie die Statue, die sie Carl nennt, scherzhaft interviewt. Als die beiden das Video online stellen, ahnen sie noch nicht, dass zum exakt selben Zeitpunkt überall auf der Welt Carls aufgetaucht sind – und keiner weiß, wo sie herkommen. Als die Person, die den ersten Kontakt zu den unbekannten Objekten aufgenommen hat, lernt April aus erster Hand, was es bedeutet, über Nacht berühmt zu werden – und dabei zur Symbolfigur und zum Spielball in der Frage zu werden, ob die Carls in Frieden kommen oder als Inbegriff des Fremden eine Bedrohung darstellen.

Ich will nicht zu viel verraten, aber was mit dieser schon sehr abgefahrenen Prämisse beginnt wird schnell zu einem Roman um Fragen, die uns auch in unserem völlig Carl-losen Alltag ständig begleiten: Wie sehr unterscheidet sich unsere Internet-Persona von uns als Mensch? Können Millennials überhaupt noch zwischen den beiden unterscheiden? Was macht Ruhm mit uns? Aber vor allem: Was kann die Menschheit erreichen, wenn sie an einem Strang zieht? Das alles ist eingebettet in eine Sci-Fi-Story, für die man kein Trekkie sein muss.

Für mich als Fan von Youtube-Legende Hank Green (Bruder von John Green, der "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" geschrieben hat) war der Debütroman Pflichtlektüre – doch auch unabhängig davon ist 🛒 "Ein wirklich erstaunliches Ding"* eines der besten Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Und das Beste: Der zweite Teil, 🛒 "A Beautifully Foolish Endeavor"* ist gerade auf Englisch erschienen – denn wenn man die letzte Seite gelesen hat, will man definitiv wissen, wie es weitergeht…

„Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger rezensiert von Laura Waßermann

Eine Frau aus London stirbt in einem kleinen Dorf an der britischen Küste. Todesursache: Grippe. 🛒 "Der Wal und das Ende der Welt"* von John Ironmonger ist im Englischen bereits 2015 erschienen. Im Jahr der Corona-Pandemie ist dieser Abenteuerroman aktueller denn je und bekommt für mich dadurch einen Sachbuchcharakter: Hamsterkäufe sind uns schließlich erst seit diesem Jahr geläufig, stimmt's? Und hamstern, das kann die Hauptfigur Joe Haak gut. Nachdem er nackt am Strand angespült wird und anschließend einen riesigen Finnwal zurück ins Meer schiebt, bereitet Joe die Dorfbewohner auf eine Pandemie vor. Das Leben als Investmentbanker hat er hinter sich gelassen – denkt er.

Die Handlung um Joe und seine neuen Weggefährten*innen ist spannend, aber verständlich geschrieben. Es gibt so viele Charaktere, dass es an ein Theaterstück erinnert – eins, bei dem wir mitfiebern. Da fehlt die Leidenschaft als dramaturgischer Effekt natürlich nicht. Doch die Grippe als Handlungsstrang ist zu stark, als dass "Der Wal und das Ende der Welt" als Liebesroman durchgehen könnte. Auch deshalb wird die Handlung ab Mitte des Buches anstrengend real: Es gibt die ersten Grippe-Toten.

Ob Joe Haak die Pandemie überlebt – schließlich hat er einen Kirchturm voller Nahrungsmittel gehortet: Ich konnte es kaum erwarten, genau das herauszufinden.

„Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara rezensiert von Sebastian Moritz

Das Setting des Romans ist es nicht, dass 🛒 "Ein wenig Leben"* von Hanya Yanagihara zu einem der besten Bücher der letzten Jahre macht. Wir begleiten vier College Absolventen in New York in verschiedenen Phasen ihres Lebens. So weit, so gewöhnlich. Willem, Malcolm, JB und Jude haben alle ihre eigenen kleinen und großen Herausforderungen und versuchen, jeder individuell, Fuß zu fassen im Leben der Millionenstadt. Was das Buch besonders macht, ist die Hintergrundgeschichte des brillanten Anwalts Jude, die in zahlreichen Rückblenden Stück für Stück enthüllt wird.

Wie seine Vergangenheit sein weiteres Leben beeinflusst und die Beziehungen der Freunde untereinander, ist so mitreißend erzählt, dass es einen regelmäßig innehalten lässt. Es sind diese Schläge in die Magengrube und die damit einhergehenden Gefühle für die Charaktere, die das Buch mehrere namhafte Preise haben gewinnen lassen. Es ist mit knapp 1000 Seiten keine einfache Lektüre, mehr noch, das Buch begleitet einen in Gedanken, auch wenn man es gerade nicht liest. So habe ich mich völlig von diesem Buch und seinen Protagonisten einvernehmen lassen und für immer etwas davon mitgenommen. Dies ist es letztlich was "Ein wenig Leben" zu einem der besten Bücher aller Zeiten macht.

„Abgeschlagen” von Michael Tsokos rezensiert von Ann-Kathrin Seidel

Michael Tsokos, hauptberuflich Rechtsmediziner in Berlin, dürfte wohl jedem Sebastian-Fitzek-Fan ein Begriff sein. In 2012 veröffentlichten die beiden mit 🛒 "Abgeschnitten"* bereits das erste Buch rund um die fiktionale Figur des Rechtsmediziners Paul Herzfeld aus Kiel. Die Handlung von 🛒 "Abgeschlagen"* spielt nun 10 Jahre vorher.

Ausgangspunkt ist ein toter Obdachloser und in dessen Koffern: Eine zerstückelte Frau. Schnell legt sich Herzfelds Chef, Professor Schneider, auf eine Machete als Tatwaffe fest – zu schnell für unseren Protagonisten. Der geht der Sache selbst auf die Spur und kommt bald einem viel größeren Geheimnis auf die Spur, das schlussendlich auch seine Familie in Gefahr bringt. Dabei mag sich Herzfeld weit vom Arbeitsalltag eines normalen Rechtsmediziners entfernen, bleibt dabei aber so ehrlich und sympathisch, dass man ihm den Kämpfer für die Gerechtigkeit trotzdem abnimmt. Tsokos verwebt gekonnt wahre Fälle mit dem bisschen Unrealistischem, was Thriller so spannend macht: Am Ende siegt natürlich das Gute. Auch, wenn auf dem Weg dahin einige Menschen sterben.

Durch mehrere Perspektivwechsel hat man immer das Gefühl, Herzfeld um eine Nasenlänge voraus zu sein – um dann zu merken, dass man auf der völlig falschen Spur war. Wer auf der Suche nach einer spannenden Verfolgungsjagd durch den Norden Deutschlands ist, der fühlt sich an Paul Herzfelds Seite sicher schnell wohl.

„Ostseegruft“ von Eva Almstädt rezensiert von Valerie Dörner

War es ein Unfall? Oder doch Mord? Als sie die Trauerfeier einer alten Schulfreundin besucht, wird der Spürsinn von Kommissarin Pia Korittki von der Lübecker Mordkommission geweckt. Denn am Grab von Kirsten Welling taucht plötzlich ein Unbekannter auf, der behauptet, beim Tod der jungen Frau habe jemand seine Finger im Spiel gehabt. Schnell wird klar: Die Dorfidylle an der Ostsee ist nicht so malerisch, wie sie scheint. Heimliche Affären, kontrollwütige Schwiegereltern, eine unbekannte Bunkerleiche und sogar ein Fall von möglicher Industriespionage rütteln den sonst so schläfrigen Ferienort auf. Am Ende gerät sogar das Leben der Kommissarin in Gefahr…

Es ist bereits der 15. Fall für die taffe Kommissarin aus der Feder von Eva Almstädt - doch auch wenn man die vorherigen Fälle nicht kennt, wird man schnell in den Bann von 🛒 "Ostseegruft"* gezogen. Ein Buch, das gestandenen Krimi-Fans mit Vorlieben für Nele Neuhaus oder Michael Kibler sicher gefallen wird. Wer auf etwas mehr Blut oder besonders perfide Mordserien steht, wird hier allerdings wohl eher nicht auf seine Kosten kommen.

"Ostseegruft" ist ein guter Standard-Krimi, der neben dem Fall auch mal einen Blick ins Privatleben der Polizistin wagt. Mehr als einmal kann man mit Pia Korittki als alleinerziehende Mutter, die die Balance zwischen Job und ihrem Sohn meistern muss, mitfühlen. Klare Empfehlung für den coronabedingten Heimaturlaub am Ostsee-Strand!

„Sprache und Sein“ von Kübra Gümüşay renzensiert von Nora Pfützenreuter

Sprache formt nicht nur Denken. Die Art und Weise, wie wir miteinander sprechen, beeinflusst unser gesamtes Leben und Zusammenleben. Das beschreibt die Journalistin und Netz-Aktivistin Kübra Gümüşay in 🛒 "Sprache und Sein"*.

Wussten Sie, dass es eine Sprache brasilianischer Ureinwohner gibt, in denen keine Wörter für große Zahlen oder Farben existieren? Und vielleicht sind Ihnen auch schon einmal Begriffe begegnet, für die es in einer anderen Sprache keine direkte Übersetzung gibt. Die Autorin macht ihren Lesern*innen damit begreifbar, wie sehr unsere persönliche Wahrnehmung unser Sprechen beeinflusst – und umgekehrt.

Rassismus-Erfahrungen ziehen sich durch ihr gesamtes Leben. Die türkisch-stämmige Autorin, die in Deutschland aufgewachsen ist und lebt, erzählt, wie sie und viele andere Muslim*innen täglich auf ihr Kopftuch reduziert werden. Wie völlig Fremde sie immer mit den gleichen Fragen löchern. Wie von ihr erwartet wird, dass sie als "Pressesprecherin des Islam" auftritt. Dass sie nicht als Individuum angesehen wird. Wie andere nach ihrem Musik- oder Filmgeschmack gefragt werden, sie nach ihrem Glauben. Den vermeintlich "anderen" wird vorgegeben, worüber sie sprechen sollen.

Dieses Buch ist für mich das Sachbuch des Jahres 2020. Denn es eröffnet nicht nur Menschen, die nie Diskriminierung und strukturellen Rassismus in ihrem Alltag erfahren haben, eine völlig neue Perspektive. Es befasst sich damit, wie wir als Gesellschaft weniger voreingenommen und gleichberechtigter miteinander leben können.

Nicht das richtige Buch für Sie dabei? Unser Kollege Sebastian Priggemeier hat weitere 5 spannende Buchtipps für den Urlaub 2020 für Sie zusammengestellt.

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