Landesbündnis zum Tag des Buches

620.000 Niedersachsen sind von Analphabetismus betroffen

ARCHIV - 17.08.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Ein Stapel neuer Bücher liegt auf einem Verkaufstisch in einer Buchhandlung im Stadtteil Bornheim. Im Trend: Radeln, Wandern, Kochen, Kinderbücher. Die Corona-Epidemie hat spürbaren Einfluss auf die Buchkä
Buchhandlung
fru kde sab vco, dpa, Frank Rumpenhorst

Kulturminister, Björn Thümler (CDU): "Wir müssen mehr tun"

Heute, am 23. April, feiern Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken, Schulen und Lesebegeisterte den „UNESCO-Welttag des Buches“. Zum Anlass des Lesefests wird in Niedersachsen ein Landesbündnis für Alphabetisierung gegründet. Zwölf Prozent der Erwachsenen oder rund 620.000 Niedersachsen sind laut einer aktuellen Studie von Analphabetismus betroffen. Sie können unzureichend lesen und schreiben. "Das darf die Gesellschaft nicht in Kauf nehmen", sagte Kulturminister Björn Thümler (CDU). "Das Land fördert zwar schon seit Jahren Grundbildungs- und Alphabetisierungskurse, aber wir müssen mehr tun." Die 20 Gründungsorganisationen, darunter Unternehmerverbände, die Bundesagentur für Arbeit, Gewerkschaften, Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtungen wollen sich für mehr Grundbildung engagieren.

Alphabetisierung als "die Voraussetzung für jeden Menschen"

"Grundbildung bedeutet mehr als nur Alphabetisierung", betonte Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall. Es sei ein facettenreicher Begriff, der grundlegende Fähigkeiten auch in Bereichen wie Finanzen, Mathematik und digitale Bildung umfasst. Mehrdad Payandeh, Vorsitzender des DGB-Bezirks Niedersachsen/Bremen/Sachsen-Anhalt sieht Alphabetisierung als "die Voraussetzung für jeden Menschen, am gesellschaftlichen Leben und in der Arbeitswelt teilzuhaben". Der strukturelle Analphabetismus sei nach wie vor in weiten Teilen der Gesellschaft ein Tabuthema.

Grundbildungsportal soll online gehen

Auch die Diakonie begrüßt die Initiative. "So gehen wir aktiv gegen die immer weiter auseinander gehende Schere von Arm und Reich in unserem Land vor", sagte Hans-Joachim Lenke, Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen. "Wir sehen, dass die Corona-Pandemie zur Verschlimmerung sozialer Problemlagen beigetragen hat. Wir müssen eine Öffentlichkeit für das Thema schaffen, damit Arbeitgeber, Freunde und Familien erfahren, dass es Unterstützungsangebote gibt, und Betroffene ermutigt werden, diese anzunehmen."

Im Juni soll das Arbeitsprogramm ausgearbeitet werden, in dem die Ziele der gemeinsamen Erklärung konkretisiert und Vorhaben definiert werden. Im nächsten Schritt soll ein Grundbildungsportal online gehen. Mit der Koordinierung des Landesbündnisses wurde die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung beauftragt.


Quelle: DPA / RTL.de