Wohin mit dem Atommüll?

54 Prozent Deutschlands eignen sich als atomares Endlager. Gorleben nicht.

Debatte um Atommüll-Endlager
© dpa, Philipp Schulze, phs cul

28. September 2020 - 17:45 Uhr

Gorleben ist als Standort ungeeignet

Gorleben ist raus ist, das war schon vorher klar.

Nun hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) insgesamt 90 Gebiete definiert, in denen der Atommüll gelagert werden könnte. Seit 2017 haben 70 Wissenschaftler der BGE an der Liste gearbeitet. Sie halten demnach 54 Prozent des gesamten Bundesgebietes geeignet. Aber Gorleben zählt nicht mehr dazu, der Salzstock spielt keine Rolle mehr bei der Suche. Der jahrzehntelange Protest der Bürgerbewegungen hat sich gelohnt.

Standort für Endlager weiter unklar

28.09.2020, Niedersachsen, Gorleben: Ein Schild zeigt den Weg zum ehemaligen Erkundungsbergwerk Gorleben. 90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-
Debatte um Atommüll-Endlager
© dpa, Philipp Schulze, phs cul

Um die heute vorgelegte Liste zu erstellen, wurden in großer Detailarbeit vergilbte Karten digitalisiert, insgesamt eine Million Daten gesammelt, analysiert und bewertet, nach gleichen Maßstäben, wie die BGE betont.

Wo das Endlager tatsächlich entstehen wird ist jedoch längst nicht klar. Dies sei in diesem ersten Schritt auch nicht Ziel gewesen. Es ging zunächst um ausschließlich geologische Kriterien. "Wir haben alle gleichbehandelt, auch vorbelastete Standorte wie Gorleben", erklärte BGE-Geschäftsführer Steffen Kanitz. Weder habe es eine Rolle gespielt wo diese Gebiete liegen noch wie viele Menschen dort wohnen. Nur so ist im Übrigen zu erklären, warum auf der Landkarte, die die 90 Gebiete zeigt, auch die Insel Sylt und Teile von Berlin, Hamburg, Stuttgart und auch anderer Großstädte umfasst. Hätte man die nicht gleich mit ausschließen können, um der zu erwartenden Kritik vorzubeugen? Es ist doch klar, dass dies so nicht bleiben wird. Bevölkerungsdichte, Naturschutz, Kulturgeschichte werden in einem zweiten Schritt ganz sicher zu den Kriterien gehören, um die Liste zu filtern und den geeigneten Standort zu finden.

Söder: Bayern als Standort kommt nicht in Frage

 Pressekonferenz von Markus Söder zum Thema Corona Massnahmen Ministerpräsident Dr. Markus Söder Soeder, München Bayern Deutschland Prinz-Carl-Palais *** Press conference by Markus Söder on corona measures Prime Minister Dr Markus Söder Soeder, Munic
Pressekonferenz von Markus Söder
© imago images/Sammy Minkoff, Sammy_Minkoff via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Ebenso wenig habe man sich von politischen Erklärungen oder parteipolitischen Erwägungen lenken lassen. Die bayerische Regierung beispielsweise hat in ihrem Koalitionsvertrag einen Passus, der ein Endlager ausschließt.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder wiederholte denn in einer Reaktion auch gleich die Position, das Bayern als Standort für ein atomares Endlager nicht in Frage komme. Unverständnis zeigte er auch für die Entscheidung der BGE, fast zwei Drittel der Fläche Bayerns in die Liste als aufzunehmen und Gorleben zu streichen. Söder sieht das ganze Verfahren kritisch. Der Freistaat setze aber nicht auf eine Totalblockade, so Söder, allerdings werde man den weiteren Verlauf - so wörtlich - sehr konstruktiv und kritisch begleiten. Was immer genau das heißen mag.

Grünen-Chef Habeck kontert Söder

25.09.2020, Berlin: Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, spricht am Rande der Fridays for Future Demonstration zwischen Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus zu den Medienvertretern. Die Klimabewegung Fridays for Future hat zum
Grünen-Chef Robert Habeck
© dpa, Kay Nietfeld, nie sab

Grünen-Chef Robert Habeck hatte hingegen im ARD-Morgenmagazin noch vor Veröffentlichung der 90-Gebiete-Liste erklärt: "Kein Ministerpräsident sollte sagen: Bei uns nicht… Da wo der sicherste Ort in Deutschland ist… da muss es sein." Er betonte auch, mit seiner Partei Verantwortung übernehmen zu wollen "für den Müll, den wir nie wollten". Man merke jetzt "was für einen Wahnsinn wir da angefangen haben, ohne ein Endlager zu haben."

Die Äußerungen von Söder und Habeck sind interessant und auch deshalb bemerkenswert, weil beide in einem guten Jahr als mögliche Koalitionspartner in einer neuen Bundesregierung an einem Tisch sitzen, in welchen Konstellationen auch immer.

Der erste Schritt auf der neuen Suche nach einem Endlager ist nun gemacht, doch es wird noch ein langer Weg. Bis 2031 soll das Suchverfahren in Deutschland abgeschlossen sein, bis etwa 2050 soll das Endlager seinen Betrieb aufnehmen.