Blogger Christoph Schulz verrät, wie sanfter Tourismus geht

5 Profi-Tipps für nachhaltiges Reisen, die jeder umsetzen kann!

Wer seine Umwelt liebt, der sollte nachhaltig reisen. Wir zeigen, worauf Sie dabei achten müssen
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26. August 2020 - 18:45 Uhr

Die Liste der Probleme durch Massentourismus ist ellenlang - gehen wir sie an

Ganz klar, der sogenannte Massentourismus und die "All-Inclusive-Sucht" vieler Urlauber haben schlimme ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen mit sich gebracht: Treibhausgas-Emissionen, Abfallaufkommen, Landschaftszerstörung, Sextourismus… Die Liste der Probleme ist ellenlang. "Doch glücklicherweise können wir selbst dazu beitragen, sie zu lösen. Das Prinzip des sanften Tourismus setzt genau da an und begeistert durch eine höhere Verbundenheit zur Natur und die Berücksichtigung von Einheimischen des Urlaubsziels in die Planung der lokalen Tourismus-Konzepte", sagt Christoph Schulz. Der Umweltschützer, Blogger und Buch-Autor ("Nachhaltig reisen für Einsteiger"* 🛒, mvg-Verlag) brennt für sozialverantwortliches Reisen und stellt hier fünf wesentliche Grundregeln vor, mit denen wir intensivere Reise-Erlebnisse genießen und dabei unserer Natur und unseren Mitmenschen etwas Gutes tun können.

Tipp 1: Angemessenes Verhältnis zwischen Reisedistanz und Reisedauer wahren

Je weiter das Reiseziel entfernt ist, desto länger sollte man bleiben. Eine ziemlich einfache Faustregel. "Und die gilt natürlich auch für den Urlaub mit dem Auto, aber ganz besonders für die An- und Abreise mit dem Flugzeug", erklärt Christoph Schulz. Als Richtwert empfiehlt der WWF Schweiz pro Stunde Flugzeit, etwa eine Woche vor Ort zu bleiben. So macht man Fernreisen ganz automatisch zu etwas ganz Besonderem und vermeidet lange, umweltbelastende Flüge für kurze Reise-Erlebnisse. Ob Kurzurlaub oder Fernreise – am Ende besteht auch noch die Möglichkeit, die dafür notwendigen CO2-Emissionen bei einem Kompensationsanbieter auszugleichen.

Tipp 2: Mit dem Reiseziel vertraut machen

Kann man sich am Urlaubsort bewusst und nachhaltig verhalten, wenn man nichts über ihn weiß? "Ich denke nicht. Deshalb lerne ich im Vorfeld beispielsweise wichtige Begriffe der Landessprache, informiere mich über Sitten und Bräuche der Menschen vor Ort und das jeweilige Wetter zum Reisezeitpunkt", sagt Nachhaltigkeits-Experte Schulz. So kann ich Menschen und Kulturen besser erleben und meinen Koffer möglichst leicht packen. Das macht mich flexibler und verringert das Gewicht für alle Transportmittel, die ich unterwegs nutze. Zusätzlich kontaktiere ich vor dem Urlaub immer noch einige Umweltorganisationen und Aktivisten, die ich vor Ort bei ihren Aktionen unterstützen kann. "Das muss man natürlich nicht machen – aber es sind in der Regel ganz besondere Erfahrungen, die man eben nicht in einem voll durch getakteten All-Inclusive-Urlaub macht."

Tipp 3: Regionalität schätzen

Es hilft, sich bewusst zu machen, dass an einem All-Inclusive-Urlaub meist nur ein einziger Veranstalter vom Geld des Urlaubers profitiert. Oft sitzt dieser nicht einmal im Reiseland. "Indem man solche durchweg vorgeplanten Reiseangebote meidet und stattdessen bewusst die Menschen vor Ort unterstützt, hilft man wirklich denjenigen, die jeden Taler gebrauchen können." Es lohnt sich beispielsweise, die große, internationale Fastfood-Kette zu meiden und stattdessen einheimische Gerichte bei einem kleinen, lokalen Restaurant zu probieren. Frei nach dem Motto: Abenteuer und einzigartige Reiseerlebnisse beginnen da, wo Pläne enden.

Tipp 4: Ressourcen schonen

Was zu Hause gilt, ist im Urlaub nicht anders: Wer nachhaltig unterwegs sein will, sollte natürliche Ressourcen schonen, so gut es geht.

  • Das heißt Plastikmüll reduzieren, indem man beispielsweise mit dem Jutebeutel oder dem Rucksack einkaufen geht, anstatt einer mit einer Einweg-Plastiktüte.
  • Das heißt Energie sparen, indem man beispielsweise die Klimaanlage nur so selten benutzt, wie nötig und so oft zu Fuß geht oder das Fahrrad nimmt, wie möglich.
  • Das heißt Wasser sparen, indem man beispielsweise möglichst kurz duscht und den Wasserhahn während des Zähneputzens herunterdreht.
  • Und das heißt auch, sich möglichst fleischfrei und im besten Fall rein pflanzlich zu ernähren, um der ressourcenintensiven Viehwirtschaft entgegenzuwirken.

Tipp 5: Reisen als Privileg betrachten

Dass es Statistiken zufolge jährlich mehr als 1,3 Milliarden Reiseankünfte gibt, mag den Eindruck erwecken, dass heutzutage wirklich jeder die Chance hat, zu verreisen. Von 7 Milliarden Menschen auf der Welt, machen allerdings nur etwa eine Milliarde Urlaub. "Auf andere Kontinente zu reisen, ist also immer noch ein Privileg der westlichen Gesellschaft und der Menschen, die es sich leisten können", sagt Autor Schulz. "90 Prozent der Menschen auf unserer Erde haben noch nie ein Flugzeug von innen gesehen." Zu Reisen ist also ein Privileg – und sich das bewusst zu machen, hebt die Motivation für rücksichtsvolles, sozialgerechtes Reisen ungemein.

Die Liste unserer Möglichkeiten den sanften Tourismus zu fördern und nachhaltiger zu reisen ist wirklich gigantisch groß. "Schlussendlich ist diese Art, die Welt zu entdecken, ein bewusster Ausdruck von Respekt gegenüber anderen Menschen und zukünftigen Generationen, von der nicht nur wir Urlauber, sondern wirklich alle Menschen profitieren", sagt Christoph Schulz, dessen neues Buch "Nachhaltig reisen für Einsteiger"* gerade erschienen ist und noch mehr Tipps für Reiseziele, Unterkünfte, Fortbewegungsmittel und Aktivitäten vor Ort bietet.

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