Anthony Joshua ist der Gejagte

5 Fragen zum Kampf um den Box-Thron

RIYADH, SAUDI ARABIA - DECEMBER 6, 2019: British boxer Anthony Joshua during a weigh-in ceremony on the eve of his bout
RIYADH, SAUDI ARABIA - DECEMBER 6, 2019: British boxer Anthony Joshua during a weigh-in ceremony on the eve of his bout
© imago images/ITAR-TASS, Valery Sharifulin via www.imago-images.de, www.imago-images.de

09. Januar 2020 - 12:02 Uhr

Von Christian Schenzel

Mit Anthony Joshua, Deontay Wilder und Tyson Fury hat der Boxsport erstmals seit vielen Jahren wieder drei Hauptdarsteller, die sich um den Titel des besten Schwergewichtlers der Welt streiten. Wie der aktuelle Stand in der Königsklasse ist, wann die nächsten Kämpfe anstehen und wie gut die Chancen auf einen Vereinigungskampf sind, lesen Sie hier.

Wie sind die vier großen WM-Titel verteilt?

Drei der vier großen WM-Titel sind in Besitz von Anthony Joshua. Durch seinen überzeugenden Sieg im Rückkampf gegen Andy Ruiz Jr. eroberte der Brite die Gürtel der IBF, WBA und WBO zurück. Darüber hinaus hält "AJ" auch den eher unbedeutenden Titel der IBO. Amtierender WBC-Champion ist der US-Amerikaner Deontay Wilder.

Tyson Fury bezeichnet sich selbst zwar immer noch als Weltmeister, allerdings musste der "Gypsy King" seine 2015 gegen Wladimir Klitschko gewonnenen Titel (WBA, IBF, WBO, IBO) allesamt kampflos abgeben. Der Versuch, den WBC-Titel zu holen, scheiterte im Dezember 2018, als das Duell von Fury gegen Wilder in einem Unentschieden endete.

Boxing - Tyson Fury v Otto Wallin - T-Mobile Arena, Las Vegas, United States - September 14, 2019  Tyson Fury stands in the ring ahead of the fight REUTERS/Steve Marcus
Tyson Fury bezeichnet sich immer noch als Weltmeister - hat aber keine Titel mehr.
© REUTERS, STEVE MARCUS, MB

Wann steigt der nächste Mega-Fight?

Der nächste Festtag für Box-Fans steigt am 22. Februar in Las Vegas. In der Glücksspiel-Metropole kommt es zum Rematch zwischen Fury und Wilder. Erneut steht der WBC-Gürtel auf dem Spiel. Dazu geht es für beide Kämpfer darum, ihre makellose Bilanz zu verteidigen. Fury ist in 30 Profikämpfen unbesiegt, Wilder in 43 Kämpfen. Viele Experten sind der Meinung: Der Sieger dieses Fights sollte sich bester Schwergewichtler der Welt nennen dürfen.

Verliert Fury den Kampf, ist ein drittes Duell mit dem "Bronze Bomber" unwahrscheinlich. Wilder dagegen könnte im Fall einer Niederlage auf einen Rückkampf bestehen und wird sich diesen vertraglich auch zusichern lassen. Gewinnt Wilder, könnte er direkt einen Kampf gegen Anthony Joshua anstreben.

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Wie geht es mit Anthony Joshua weiter?

Anthony Joshua befindet sich in einer kleinen Zwickmühle. WBO und IBF fordern vom 30-Jährigen eine Pflichtverteidigung gegen den eigenen Nummer-eins-Herausforderer. Top-Mann der IBF ist Kubrat Pulev (29 Kämpfe, 28 Siege), der seine einzige Profi-Pleite 2014 gegen Wladimir Klitschko kassierte. Die Nummer eins der WBO ist Oleksandr Usyk (17 Kämpfe, 17 Siege).

Ein Kampf gegen Pulev ist laut übereinstimmenden Berichten die wahrscheinlichere Variante. Seinen WBO-Gürtel würde Joshua damit unfreiwillig und kampflos verlieren. "Die Gespräche laufen noch", sagte "AJ"-Promoter Hearn gegenüber Sky: "Wir warten von den Verbänden noch auf die Ansage, welcher Verband als erstes dran ist." Für Joshua wäre ein Kampf gegen Pulev die sicherere Variante. Usyk gilt als wesentlich gefährlicherer Boxer und potenzieller Stolperstein. Pulev sollte dagegen nicht mehr als eine Pflichtaufgabe für Joshua werden. So oder so: Einen Titel wird Joshua verlieren.

24.11.2019, USA, Las Vegas: Boxen: Weltmeisterschaft, WBC Schwergewicht: Deontay Wilder jubelt nach seinem Sieg über Ortiz. Foto: John Locher/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Deontay Wilder jubelt nach seinem Sieg.
© dpa, John Locher, JL

Was passiert mit dem vakanten Titel?

Ob der WBO- oder der IBF-Titel neu vergeben werden, steht noch nicht fest. Aktuell ranken sich vor allem um einen möglichen Kampf der WBO-Herausforderer zahlreiche Gerüchte. So soll ein Kampf zwischen Usyk und Joseph Parker (28 Kämpfe, 26 Siege) schon in der Mache sein. "Sollte der WBO-Titel vakant sein, würde es doch nur Sinn ergeben, wenn Oleksandr Usyk gegen die Nummer zwei antritt – und das ist nun mal Joseph Parker", erklärte Parker-Manager David Higgins. Alternativ könnte Usyk aber auch gegen Dereck Chisora (41 Kämpfe, 32 Siege) antreten.

Mögliche Gegner von Kubrat Pulev werden bisher kaum gehandelt. Zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Bulgare seine Chance gegen Joshua bekommt. Wer auch immer sich den vakanten WM-Gürtel umhängen darf, wird schnell auf einen Kampf gegen Joshua bestehen. Auch der Brite würde alles daran setzen, seine drei Titel wieder zu vereinen. Ein Duell zwischen Usyk und Joshua könnte demnach schon Ende 2020 steigen.

Kommt es zum großen Vereinigungskampf?

Das Bestreben nach einem Vereinigungskampf ist groß. Fans, Experten und die Hauptdarsteller wünschen sich einen Fight um die vier großen Titel. Der Weg dorthin ist allerdings steinig. Die Frage, wer wie viel vom Kuchen abbekommt, könnte den Kampf nicht nur verzögern, sondern im schlimmsten Fall auch platzen lassen. Dabei geht es nicht nur um die Aufteilung der Börse, sondern auch um den Austragungsort, TV-Rechte, den Zeitpunkt des Kampfes und weitere Einzelheiten, die hinter den Kulissen ausgearbeitet werden müssen.

Der letzte Schwergewichtler, der alle bedeutenden Titel vereinigen konnte, war Lennox Lewis im Jahr 1999. Dass 21 Jahre später endlich sein Nachfolger gefunden wird, ist nahezu ausgeschlossen. Eine reelle Chance auf einen Vereinigungskampf wird es frühestens im Jahr 2021 geben.