Krankheiten, die vom Tier auf den Mensch überspringen

Entwicklungsminister warnt: 40 Zoonosen sind so gefährlich wie Corona

22. Mai 2020 - 9:43 Uhr

Rückgang von Lebensräumen begünstigt Ausbruch von Krankheiten

Alle vier Sekunden wird nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums Wald von der Fläche eines Fußballfeldes abgeholzt. Im brasilianischen Amazonasgebiet werden beispielsweise tausende Quadratkilometer Regenwald gerodet. Auch in Deutschland finden Tiere oft nicht mehr ausreichend Rückzugsorte, weil beispielweise Agrarflächen intensiv bewirtschaftet werden.

​Aber was hat das alles mit einer Pandemie zu tun? Wenn Menschen in Ökosysteme vordringen, steigt das Risiko, dass Krankheiten von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Das Coronavirus ist der jüngste Beleg. "Corona ist der Preis, den wir gerade zahlen für unseren Umgang mit der Natur", so Humanmediziner Dr. Eckart von Hirschhausen. Er besuchte am Mittwoch gemeinsam mit Entwicklungsminister Gerd Müller den Berliner Zoo, um auf die Gefahren durch Zoonosen aufmerksam zu machen.

Was das Enwicklungsministerium gegen die Ausbreitung von Zoonosen tun will, sehen Sie im Video.

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40 Viren ähnlich gefährlich wie das Coronavirus

"Wissenschaftler sagen uns, dass mindestens 40 Viren ein ähnlich gefährliches Potential haben wie Covid-19" erklärt Entwicklungsminister Gerd Müller. Natürliche Lebenräume schrumpfen, Tier und Mensch rücken enger zusammen und kommen so häufiger in Kontakt. Die Zerstörung der Artenvielfalt bedrohe somit auch den Menschen, erklärt das Bundesentwicklungsministerium. Denn "mehr als die Hälfte aller bekannten Erreger, die Erkrankungen beim Menschen hervorrufen, sind sogenannte Zoonose-Erreger, die wechselseitig zwischen Tier und Mensch übertragbar sind", sagte der Bundesentwicklungsminister im "Spiegel".

Entwicklungsminister will 50 Wildtiermärkte schließen

Entwicklungsminister Müller nahm den "Internationalen Tag der biologischen Vielfalt" am 22. Mai zum Anlass und besuchte den Berliner Zoo, um auf die Gefahr von Viren und Krankheiten aufmerksam zu machen. Der CSU-Politiker will deshalb mit einer neuen Forschungsgruppe den Ursachen von Zoonosen nachgehen. Er spricht sich auch für folgende Maßnahmen aus und startet eine neue internationale Allianz gegen den Handel mit Wildtieren:

  • weltweite Entwaldung stoppen
  • internationale Strategie zur Koordinierung von Maßnahmen durch ein Pandemie-Zentrum
     bei der WHO
  • Lebensmittel-Lieferketten nach Hygienestandards umsetzen
  • Wildtiermärkte und den illegalen Handel mit exotischen Tieren verbieten

Dazu will er 50 Wildtiermärkte, die die Gesundheit von Menschen gefährden, identifizieren und schließen. Dass ein Verbot allein nicht ausreicht, ist auch dem Minister bewusst. Deshalb sei die Zusammenarbeit mit lokalen Behörden wichtig, betont Müller. 

Das Bundesumweltminsterium erachtet es auch als notwendig, Gebiete zu schützen, Lebensräume wiederherzustellen und die Nachfrage nach Wildtierprodukten zu reduzieren.

TV NOW-Doku: Was wir aus der Krise lernen

Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind?

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