40 Prozent der Deutschen fürchten Krieg zwischen Nato und Russland

12. März 2015 - 8:20 Uhr

"Eine Zeit, in der man Angst haben muss"

"Russland steigt ganz aus Vertrag zur Waffenkontrolle aus;" "USA schicken 3.000 Soldaten zu Manövern ins Baltikum;" "Nato beginnt Manöver im Schwarzen Meer;" – drei Meldungen der letzten zwei Tage, die Anlass zur Sorge geben.

Deutsche fürchten Krieg zwischen Nato und Russland.
Wie eine aktuelle Forsa-Umfrage für das RTL-Nachtjournal zeigt, fürchten 40 Prozent der Deutschen einen Krieg.

Steuern wir auf einen neuen Kalten Krieg zu – oder befinden wir uns bereits mittendrin? Das Wort Angst macht die Runde. Kriegsangst. In einer Forsa-Umfrage für das RTL-Nachtjournal sagen 40 Prozent der Deutschen, dass sie einen Krieg zwischen der Nato und Russland fürchten. "Es ist eine Zeit, in der man Angst haben muss und einen all das belastet", sagen Passanten auf Nachfrage.

Und ihre Angst scheint durchaus berechtigt zu sein, wenn man sich verdeutlicht, mit welcher Geschwindigkeit sich der Ukraine-Konflikt auf die gesamte Sicherheitslage in Europa auswirkt. Polens Regierungschefin Ewa Kopacz warnte mit Blick auf die Ukraine vor einer falschen Einschätzung der Lage: "Es wäre naiv, diese Krise leicht zu nehmen." Erstmals werde Blut vergossen "für die Europäische Union, für den Versuch einer EU-Integration", so Kopacz. Wenn die Ukraine um eine Integration in den Westen kämpfe, bedeute dies, dass das Nachbarland hier eine Chance auf Entwicklung sehe. "Diese souveräne Entscheidung muss respektiert werden. Gleichzeitig muss derjenige verurteilt werden, der diese Entscheidung nicht anerkennt."

"Derjenige" ist in dem Fall Wladimir Putin. Dieser rühmte sich in einem erst jetzt im russischen Fernsehen ausgestrahlten Clip mit der Annexion der Schwarz-Meerhalbinsel Krim. Den Befehl hierzu gab er ausgerechnet am Abschlusstag der Olympischen Winterspiele in Sotschi.

Eine Provokation, die ein gefundenes Fressen für die Falken in Reihen der Nato ist. Im Baltikum landen dieser Tage 3.000 US-Soldaten, um gemeinsam mit den Verbündeten Estland, Lettland und Litauen Manöver durchzuführen. Die Entsendung sei Teil einer bereits geplanten Truppenrotation zur Stärkung der Nato in der Region, hieß es dazu aus Washington. Zeitgleich hält das westliche Verteidigungsbündnis im Schwarzen Meer ein Manöver ab, an dem auch ein deutsches Tankschiff beteiligt ist.

Moskau: Nato-Aufrüstung nahe unserer Grenze

40 Prozent der Deutschen fürchten Krieg zwischen Nato und Russland
Sie sollen Teil der "Speerspitze" sein: Soldaten des Panzergrenadierbataillons 371 aus Marienberg in Sachsen.
© REUTERS, FABRIZIO BENSCH

Zudem stellt die Nato einen Aktionsplan zur Stärkung der Sicherheit in den östlichen Mitgliedsstaaten vor. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg informiert dabei über die Fortschritte unter anderem beim Aufbau der Eingreiftruppe, der sogenannten "Speerspitze", die vor allem der Abschreckung Russlands dienen soll.

Moskau fühlt sich von den Muskelspielen provoziert und warf der Nato Aufrüstung nahe der russischen Grenze vor. Dies trage nicht zur Vertrauensbildung bei, kritisierte Außenminister Sergej Lawrow. Er warf zugleich der Europäischen Union vor, eine Konfrontation zwischen Moskau und Brüssel zu schüren.

Nicht zur Beruhigung der brisanten Lage beitragen dürfte zudem, dass Russland ankündigte, vollständig aus dem Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa auszusteigen. Das teilte das Außenministerium in Moskau mit. Der sogenannte KSE-Vertrag zwischen Nato und den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts trat 1992 in Kraft und sollte das militärische Gleichgewicht nach dem Kalten Krieg sichern.

Russland hatte den Vertrag bereits 2007 als Reaktion auf die von Moskau kritisierte Nato-Osterweiterung ausgesetzt. Der endgültige Ausstieg aus dem Vertrag bedeute aber nicht, dass Russland sich aus Gesprächen über die Kontrolle konventioneller Waffen in Europa zurückziehe, hieß es.