40 Jahre In-vitro-Fertilisation: Erstes Retortenbaby Louise Brown feiert Geburtstag

25. Juli 2018 - 16:59 Uhr

Louise Brown gab vielen Paaren Hoffnung

Louise Brown ist für ihre Eltern ein wahres Wunder. Doch nicht nur das Leben ihrer Eltern hat sie verändert, sondern das Leben aller Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Dass es sie gibt, gilt als Sinnbild für Hoffnung, als medizinisches Wunder und ist gesellschaftlich gleichzeitig höchst umstritten. Louise Brown ist das erste Baby, das durch künstliche Befruchtung zur Welt kam. Heute wird sie 40 Jahre alt.

Eine Revolution in der Medizin

Als Louise Brown am 25. Juli 1978 um 11:47 Uhr in der Nähe von Manchester (England) das Licht der Welt erblickte, nahm die ganze Welt teil. Zeitungen druckten ihr Foto auf der Titelseite, die Medizin feierte einen Durchbruch, die katholische Kirche stand Kopf. Louise Brown spaltete die Gesellschaft. Nicht sie selbst, sondern vielmehr wie sie gezeugt wurde: durch In-vitro-Fertilisation (IVF). Eine Methode, die heute ganz normal ist – bis zu ihrer Geburt aber nie funktioniert hatte.

1969 war dem Cambridge-Physiologen Robert Edwards gemeinsam mit dem Gynäkologen Patrick Steptoe die erste In-vitro-Fertilisation einer menschlichen Eizelle gelungen. Neun Jahre später waren es dieselben zwei Mediziner, die Louise Browns Mutter Lesley eine Eizelle entnahmen, diese im Reagenzglas befruchteten und der Mutter wieder einsetzten.

Künstliche Befruchtung spaltete die Gesellschaft

ARCHIV - 25.07.1978, Großbritannien, Oldham: Louise Joy Brown, der erste durch In-Vitro-Fertilisation gezeugte Mensch, kurz nach ihrer Geburt. Am 25.07.2018 wird Louise Brown 40 Jahre alt. (zu dpa «40 Jahre künstliche Befruchtung: Das Mädchen aus dem
Louise Browns Geburt war eine medizinische Sensation. Sie kam 1978 per Kaiserschnitt zur Welt.
© dpa, John Stillwell, fob axs cul lof fgj

"Bis sie bereits ein paar Monate schwanger war, wusste sie überhaupt nicht, dass die Methode komplett neu war und noch nie zuvor funktioniert hatte", sagte Louise Brown der Deutschen Presse-Agentur über ihre 2012 verstorbene Mutter. 38 Monate später war es dann so weit: Der erste mit künstlicher Befruchtung gezeugte Mensch wurde geboren.

Neben unzähligen Glückwunschkarten erhielten Louise Browns Eltern aber auch viel Kritik. In einem Paket, das sie von einem radikalen Katholiken bekamen, fanden sie einen Plastik-Fötus und ein zerbrochenes Reagenzglas, wie Louise Brown in ihrer Autobiografie schreibt. Der Vatikan kommentierte, die Geburt habe "sehr schwere Konsequenzen für die Menschheit", der katholische Erzbischof von Liverpool nannte sie "moralisch falsch". Trotz aller Kritik erhielt der Mediziner Robert Edwards 2010 den Nobelpreis.

So funktioniert In-vitro-Fertilisation (IVF)

ARCHIV - 12.07.2008, Großbritannien, Bourn bei Cambridge: Robert Edwards (l-r), IVF-Pionier und Nobelpreisträger, Lesley Brown, Mutter von Louise, und Louise Brown, der erste durch In-Vitro-Fertilisation gezeugte Mensch, mit ihrem Kind im Arm stehen
Louise Brown mit dem Mann, der sie erst möglich machte: der Mediziner Robert Edwards (links).
© dpa, Chris Radburn, wst fgj

Bei der In-vitro-Fertilisation werden dem Mann Samen und der Frau Eizellen entnommen. Die Eizellen werden anschließend im Labor mit den Samen befruchtet und wieder in die Gebärmutter der werdenden Mutter eingesetzt. Weil die künstliche Befruchtung im Reagenzglas ("in der Retorte") stattfindet, werden diese Babys auch "Retortenbabys" genannt.

Bislang kamen laut einer Studie der Europäischen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin und Embryologie (ESHRE) weltweit mehr als acht Millionen Menschen durch In-vitro-Fertilisation zur Welt. Inzwischen werden geschätzt mehr als eine halbe Million Babys jährlich nach einer künstlichen Befruchtung geboren. In Deutschland kam das erste durch In-vitro-Fertilisation gezeugte Baby am 16. April 1982 in der Erlanger Frauenklinik zur Welt.