Influenza B hatte in ihrem Gehirn die Sehrinde angegriffen

4-Jährige nach Grippe erblindet - jetzt kann Jade wieder sehen

08. März 2020 - 15:11 Uhr

Extrem seltene Komplikation

Ausgerechnet an Weihnachten erkrankte die kleine Jade schwer: Sie konnte kaum atmen, hatte hohes Fieber. Im Krankenhaus kämpfte die Vierjährige aus dem US-Bundesstaat Iowa um ihr Leben. Jade hatte Influenza B - besser bekannt als Grippe. Der Virus griff sogar ihr Gehirn an, das Mädchen erblindete. Was genau passiert war, schildert ihre Mutter im Video.

Doch nun gibt es gute Nachrichten: Jade kann nach wochenlanger Behandlung wieder sehen und kommt demnächst in den Kindergarten, wie "ABC 11" berichtet.

Grippeimpfung hätte schützen können

Aber wie konnte es überhaupt dazu kommen? "Der Virus kann sich in jedem Organ des Körpers festsetzen. In diesem Fall hat er sich im Gehirn festgesetzt. Und wenn der Virus einmal im Gehirn ist, kann er Schaden hervorrufen", erklärte Kinderarzt Dr. Martin Karsten den schweren Verlauf.

Der Virus hatte in Jades Gehirn die Sehrinde angegriffen. Der Teil des Gehirns befindet sich im Hinterkopf und verarbeitet alles, was wir sehen. Wenn der Virus dort Gehirnzellen zerstört, kann man daran erblinden. Allerdings betonte der Mediziner auch: "Eine Enzephalitis, eine Entzündung des Gehirns im Rahmen einer Grippe, ist ein extrem seltenes Ereignis."

Dennoch hätte eine Impfung Jade vor der Grippe schützen können: Die Grippeimpfung ist ab sechs Monaten möglich und muss jede Saison erneuert werden. Allerdings bietet sie keinen hundertprozentigen Schutz, betont Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut (RKI). Die Ständige Impfkommission (STIKO) des RKI empfiehlt eine Grippeschutzimpfung eher bei Kindern mit angeborener Immunschwäche oder chronischen Erkrankungen. Unabhängig von der Impfung sollte man daher unbedingt auf eine gute Händehygiene achten. "Man sollte auch Abstand halten zu Menschen, die sichtbar an einer Atemwegserkrankung leiden", so die Viren-Expertin.

Intakte Sehzellen konnten Sehvermögen wiederherstellen

Eltern, die den Verdacht haben, dass das eigene Kind Grippe hat, sollten sofort zum Kinderarzt gehen und einen Test machen lassen, rät Kinderarzt Dr. Karsten.

Typisch für eine Grippe ist der plötzliche Beginn: Hohes Fieber, schwere Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Reizhusten. "Es gibt nicht wenige Fälle, wo das nicht so eindeutig ist. Um es sicher bestimmen zu können, ist eine labordiagnostische Untersuchung erforderlich", sagt Susanne Glasmacher vom RKI. Nach einer Woche werden bei einem normalen Verlauf die Kinder wieder gesund.

Der Verlauf von Jades Erkrankung war extrem. Die Familie sammelte Spenden, um ihrer Tochter die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen. Die Hoffnung war: Wenn auch nur ein kleiner Teil der Sehzellen noch intakt sei, bestünde die Möglichkeit, dass sie irgendwann wieder sehen kann. Nun hat sich diese Hoffnung zum Glück bewahrheitet.