Lieber sinnvoll beschenken mit der 4-Geschenke-Regel

Für 3.300 Euro: Mutter verschuldet sich für Weihnachtsgeschenke

Die Britin Louise Webster will es dieses Jahr Weihnachten mal so richtig krachen lassen. Nicht für sich selbst - sondern für ihre Tochter Ivette Sophia. (Foto: Symbolbild)
Die Britin Louise Webster will es dieses Jahr Weihnachten mal so richtig krachen lassen. Nicht für sich selbst - sondern für ihre Tochter Ivette Sophia. (Foto: Symbolbild)
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02. Dezember 2020 - 10:47 Uhr

Grund für die Geschenke-Orgie: Corona

Die Britin Louise Webster will es dieses Jahr Weihnachten mal so richtig krachen lassen. Nicht für sich selbst - sondern für ihre Tochter Ivette Sophia. Die 29-jährige Mutter hat nämlich Geschenke im Wert von umgerechnet mehr als 3.300 Euro besorgt. Ist die junge Frau also gut verdienend, Erbin oder irgendwie sonst stinkreich? I wo - im Gegenteil: Sie musste sich verschulden. Der Grund für die Geschenke-Orgie: Corona. Denn die Pandemie habe ihrer Tochter die Kindheit gestohlen - jetzt möchte die Mutter das wieder gut machen. Pädagogen raten von solchen Überhäufungen ab und raten zur 4-Geschenke-Regel. Wie die funktioniert, lesen sie weiter unten!

"Sie ist es wert, verwöhnt zu werden"

Louise ist 29 und lebt in Birmingham. Dort sie als Teilzeit-Reinigungs- und Betreuungsassistentin beschäftigt. Von einem üppigen Gehalt kann also keine Rede sein. Trotzdem will sie ihre Tochter Ivette Sophia dieses Jahr zu Weihnachten mehr als reichlich beschenken: ein iPad, ein Fernseher, ein Mobiltelefon und sogar ein Pony wird es aus der Luxus-Weihnachtswundertüte geben. Zirka 1000 Euro davon bezahlt sie so, den Rest über Kredite. "Es ist mir egal, ob Leute mich kritisieren", sagt sie der Tageszeitung "The Sun", "es ist meine Entscheidung, sie ist es wert, verwöhnt zu werden." Der Grund für ihre großen Spendierhosen: Nach dem Corona-Jahr soll es für das Töchterchen wenigstens an Weihnachten richtig Grund zum Strahlen geben. Aber ist das nicht wirklich zu viel des Guten?

Geschenkeflut tut Kindern nicht gut

Viele Eltern meinen es an Weihnachten oder an Geburtstagen besonders gut mit ihren Kindern und kaufen eine schier endlose Menge an Geschenken. Das geht nicht nur ordentlich ins Geld, sondern sorgt bei den Kleinen häufig auch für eine totale Überforderung und ist nicht selten auch Grund für Dramen unterm Tannenbaum oder vor dem Gabentisch. Doch es gibt bereits eine ganz einfache Regel, mit der ein Fest zur schönen gemeinsamen Zeit wird.

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4-Geschenke-Regel spart Geld und Zeit

Das besagt die 4-Geschenke-Regel: Die Kinder sollen sich zu Geburtstagen, an religiösen Festen oder anderen Feiertagen, an denen es üblicherweise Geschenke gibt, genau 4 Geschenke wünschen, die alle ein anderes Bedürfnis befriedigen. Die Regel macht Sinn, findet auch die Berliner Familienberaterin und Pädagogin Elisabeth Elsner.

  • Ein Geschenk, das sie wollen
  • Eins, das sie brauchen
  • Eins zum Anziehen
  • Ein Geschenk zum Lesen

Sind 4 Geschenke nicht schon wieder zu viel?

Aber sind vier Geschenke nicht schon wieder zu viel? "Ich finde vier Geschenke angemessen, mehr würde ich nicht schenken", sagt die Berliner Elternberaterin und Pädagogin Elisabeth Elsner. "Lieber Herzenswünsche als viele unnütze Dinge, die nach kurzer Zeit verstauben." Die Kategorien lassen sich dabei natürlich auch etwas variieren – vielleicht sind Anziehsachen gerade nicht nötig?

Die Familienberaterin sieht den Punkt mit den Anziehsachen kritisch: "Ich finde es nicht ganz so gut, Kleidung zu verschenken", sagt sie uns, "da es einen zu starken Fokus auf Äußerlichkeiten wirft und es sein könnte, dass sich das Kind durch Markenkleidung eventuell abgrenzen könnte und somit andere Familien, die sich genau das nicht leisten können, ausgegrenzt werden." Vielleicht wollen Sie Ihr Kind oder Ihre Kinder eh zum Selbermachen animieren und setzen dafür die Kategorie Bastelsachen ein?

Qualität der Geschenke steht im Fokus

Insgesamt sollte die Regel dazu führen, dass der Fokus auf der Qualität der Geschenke ist - und nicht auf der puren Masse an Überraschungen. Ziehen Eltern die Geschenke-Taktik dann auch noch über mehrere Anlässe durch, gewöhnen sich die Kleinen daran. Dann äußern sie Wünsche, die ihnen wirklich wichtig sind und geraten nicht in eine überzogene Erwartungshaltung. Allerdings: Konsequenz ist dabei - wie in allen Erziehungsfragen - besonders wichtig.

Hirnforscher fordert sogar: Erfahrungen statt Materielles schenken

Der Entwicklungsforscher Gerald Hüther appelliert sogar, Kindern Zeit und gemeinsame Erfahrungen anstelle von materiellen Dingen zu schenken. "Viele Eltern schenken gedankenlos Spielzeug oder Süßes, weil man es immer so gemacht hat und es alle so machen", sagt Hüther. Das gelte es auch angesichts von Erkenntnissen aus der Hirnforschung zu hinterfragen. Auch Pädagogin Elsner plädiert dafür: "Es ist auch immer schön und steigert Anteilnahme und Mitgefühl, wenn Eltern ihre Kinder dazu motivieren, nicht-materielle Wünsche auf den Wunschzettel schreiben."