32 Tote in NRW-Pflegeheimen: Über 250 infizierte Mitarbeiter

Ein Coronavirus unter dem Mikroskop. Foto: Center for Disease Control/epa/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

01. April 2020 - 19:30 Uhr

Die Zahl der Corona-Infizierten in nordrhein-westfälischen Pflegeheimen ist auf 316 Bewohner angestiegen. Ebenfalls bis Dienstagabend registrierte das Gesundheitsministerium laut Angaben von Mittwoch drei weitere Todesfälle. Es seien nun insgesamt 32 Bewohner mit Coronavirus-Infektionen in 21 stationären Pflegeeinrichtungen gestorben, teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Deutlich mehr Pflegeheime haben Personal, dass positiv auf das Virus getestet wurde: 107 Einrichtungen melden insgesamt 266 infizierte Mitarbeiterinnen.

Wie die Unternehmensgruppe Cura am Mittwoch bestätigte hatte es im Kölner Pflegeheim Maternus Seniorencentrum den fünften Todesfall nach einer Coronavirus-Infektion gegeben. Zehn weitere Bewohner sind dort infiziert, sieben davon werden im Krankenhaus behandelt. Auch Mitarbeiter sind positiv getestet worden und befinden sich unter Quarantäne. Auch in einem Bochumer Pflegeheim der Awo verstarben fünf hochbetagte Bewohner, weitere zehn sind infiziert.

Die Stadt Essen will nun nach Infektionen in drei Altenheimen in mehreren Einrichtungen vorsorgliche Tests bei Bewohnern machen, die zumindest leichte Symptome zeigen, wie eine Stadtsprecherin berichtete. Die Heime seien ausgewählt worden, weil dort die Wahrscheinlichkeit von Infektionen vergleichsweise hoch eingeschätzt wurde. Man hoffe, so "vor die Lage" zu kommen und Erfahrungswerte zu gewinnen. Zuvor hatte die "WAZ" berichtet.

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, gelten in den mehr als 2800 Pflegeheimen in Nordrhein-Westfalen Besuchsverbote. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes leben dort rund 191.800 Pflegebedürftige (Letzte Erhebung Dezember 2017). 175.900 Menschen seien dort beschäftigt. Pfleger und Träger der Einrichtungen klagen jedoch seit Wochen über fehlende Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel.

Gesundheitsbehörden und Experten betrachten mit Sorge, wenn Pflegeeinrichtungen mit ihrer hochbetagten und damit zur Risikogruppe gehörenden Klientel betroffen sind. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass infolgedessen auch die Sterberate insgesamt ansteigen wird. Die Stadt Köln unterstrich am Mittwoch in einer Mitteilung die zunehmend schwierige Personalsituation in der Pflege: Schon vor der Krise sei die Fachkräftesicherung dort besonders schwer gewesen, nun falle Personal zusätzlich dadurch aus, dass es nach Kontakt mit Corona-Patienten vorsorglich isoliert werden müsse. Deshalb wolle die Stadt nun eigene personelle Ressourcen aufbauen und sucht Pflegefachkräfte sowie Helfer.

Quelle: DPA