Kommentar von Gregor Wagenseil

300 Euro Corona-Kindergeld sind wie Eis in der Wüste

300 Euro Corona-Kindergeld pro Kind sind im Gespräch
© dpa, Sebastian Kahnert, skh cul

01. Juni 2020 - 13:59 Uhr

Kommt der Familienbonus oder nicht?

Am Dienstag wissen wir wahrscheinlich endlich mehr. Denn da treffen sich CDU, CSU und SPD, um auch über den einmaligen Familienbonus in Höhe von 300 Euro pro Kind zu verhandeln. Klingt erstmal super. Denn wer freut sich nicht über mehr Geld in der eigenen Tasche. Bei zum Beispiel drei Kindern sind das auf einen Schlag 900 Euro. Insgesamt geht es hier für alle Familien in Deutschland aber um stolze 5 Milliarden Euro.

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5 Milliarden Euro kann man sinnvoller einsetzen!

Zum Vergleich: Das Gute-Kita-Gesetz kostet beispielsweise 5,5 Milliarden Euro – aber in 4 Jahren! Dadurch können mehr Erzieher in den Kitas arbeiten, die Öffnungszeiten verlängert oder Elternbeiträge dauerhaft reduziert werden. Das hilft nachhaltig und ist nicht wie ein Eis in der Wüste sofort wieder weg.

Eltern wollen Entlastung

Ich bin selbst Vater von zwei Kindern und habe auch viele Eltern im Freundeskreis. Klar, über eine Einmalzahlung freuen sich erstmal alle. Vor allem diejenigen, die gerade durch Kurzarbeit weniger verdienen. Die meisten beschäftigt aber viel mehr die Frage: Wann werde ich endlich entlastet? Neben dem Job darf ich an vier von fünf Wochentagen den Lehrer spielen – ein Ende ist nicht in Sicht. Denn noch immer gibt es kein Konzept, wann die Schulen in den Normalbetrieb gehen. Das muss doch schneller gehen! Hier wäre das Geld deutlich besser eingesetzt.

Lernen von den Kleinen

Immerhin bei den Kitakindern geht es ab 8.6. wieder los. Das ist auch dringend notwendig. Denn nicht nur die Eltern leiden, sondern auch die Kinder. Sie brauchen soziale Kontakte. Und die Kleinen hatten nicht mal Videocalls mit ihren Freunden wie ihre großen Geschwister.

Digitale Revolution statt Einmalzahlung

Wenn uns die Corona-Krise etwas über unsere Schulen gelehrt hat, dann dass wir fast im ganzen Land Nachholbedarf in Sachen Technik haben. In den Videocalls fehlen Kinder, weil sie teilweise keine Rechner haben. Besonders engagierte Lehrer werfen Arbeitsblätter abends noch in Briefkästen der Schüler. Manche Lehrer sind aber überhaupt nicht online. Das muss dringend nachgebessert werden. Klar, das kostet auch Geld. Aber das lohnt sich mehr als 300 Euro auf die Hand.

Warum die Krise auch eine Chance für alle Kinder und Familien sein kann, das können sie in der Doku "Kinder in der Corona-Krise" ab sofort auf TVNow sehen.