30 Jahre Orkan "Wiebke": Waldschäden und Waldwende

Waldarbeiter sind im Westerwald zwischen Hillscheid und Simmern mit Aufzuarbeiten beschäftigt. Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild
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26. Februar 2020 - 5:40 Uhr

Waldschäden von mindestens 400.000 Festmeter Holz hat kürzlich Sturmtief "Sabine" in Rheinland-Pfalz verursacht - noch viel mehr waren es beim Orkan "Wiebke" vor 30 Jahren gewesen. Am 28. Februar und 1. März 1990 hatte dieser zusammen mit dem Wintersturm "Vivian" kurz zuvor und mit späteren Stürzen geschädigter Bäume "insgesamt 14 Millionen Festmeter umgeworfen", wie das Forstministerium in Mainz der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. "Dabei war eine Fläche von über 30.000 Hektar betroffen, auf circa 25.000 Hektar ist der Wald damals flächig zusammengebrochen." Der Schaden sei damals auf umgerechnet mehr als eine halbe Milliarde Euro geschätzt worden. Ein Festmeter ist ein Kubikmeter Holz.

Nach Auskunft des Leiter des Forstamtes Neuhäusel im Westerwald, Friedbert Ritter, folgte nach dieser "Sturmkatastrophe des Jahrhunderts für Rheinland-Pfalz" bundesweit ein Umdenken in der Forstwirtschaft, eine Waldwende - weg von der Kahlschlagwirtschaft, hin zu naturnahem Waldumbau mit mehr stabilerem Laubwald. "Im Hunsrück zum Beispiel hatten wir bis in die 90er Jahre noch rund zwei Drittel Nadelholz und ein Drittel Laubholz", sagt Ritter. Jetzt sei das Verhältnis schon fast umgekehrt. Doch nun gebe es neue Herausforderungen: die Folgen des Klimawandels mit extremen Dürresommern und immensen Baumschäden von Borkenkäfern.

Ritter erinnert sich noch an die einstigen Orkanschäden von "Wiebke": "Wir denken da nicht nur an das Holz, sondern auch an das gestörte Ökosystem. Das schmerzt schon." Der Forstbeamte ergänzt: "Ich habe aber auch das Heranwachsen neuer Waldbestände erlebt. Das macht hoffnungsvoll."

Laut dem Forstministerium hat "Wiebke" vor allem flach wurzelnde Fichten umgeworfen. Wegen des übersättigten Holzmarktes sei ihr Preis damals um mehr als 40 Prozent gefallen. Die Aufarbeitung des Sturmholzes von "Wiebke" habe in Rheinland-Pfalz bis 1993 gedauert. "Heute sind alle diese Flächen wiederbewaldet."

Orkan "Lothar" hat 1999 Rheinland-Pfalz nur gestreift. Nach Auskunft des Forstministeriums ist das Land damals mit rund 300.000 Festmeter Sturmholz noch glimpflich davon gekommen. Mit Blick auf folgende schwere Stürme heißt es weiter: "Gravierender waren für Rheinland-Pfalz "Kyrill" (2007) mit zwei Millionen Festmeter und "Xynthia" (2010) mit rund 1,7 Millionen Festmeter Windwurf-Holz."

Seien 1987 die Anteile von Laub- und Nadelbäumen im Land noch gleich groß gewesen, bestünden die Wälder heute zu rund 60 Prozent aus Laub- und nur noch zu etwa 40 Prozent aus Nadelbäumen. Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) betont: "Um unsere Wälder für den Klimawandel zu rüsten, brauchen wir einen vielfältigen Mischwald."

Traubeneiche, Berg- und Spitzahorn, Vogelkirsche, Edelkastanie, Esche, Winterlinde, Hainbuche, Schwarzerle und Buche beispielsweise sind laut dem Ministerium in den Gebieten mit Sturmschäden gepflanzt worden. Forstamtsleiter Ritter sagt, die Förster setzten sehr auf die natürliche Baumverjüngung. "Wir nehmen alles, was die Natur uns schenkt. Da kommt zum Beispiel ein Vogel mit einem Kirschkern und ein Eichelhäher mit einer Eichel." Die Baumpflanzungen der Forstämter seien eine punktuelle Ergänzung als Initialzündung.

Junge Baumtriebe werden allerdings gerne von Reh- und Rotwild gefressen. Einzäunungen und Jagd sind daher aus forstlicher Sicht wichtig. Hinzu kommen die zwei Dürresommer 2018 und 2019: "Viele junge Bäume sind vertrocknet", teilt das Forstministerium mit.

Ministerin Höfken unterstreicht die verschiedenen Funktionen des Waldes: "Neben seinen ökosystemaren Leistungen speichert er auch jede Menge CO2 - rund ein Viertel der CO2-Emissionen in Rheinland-Pfalz -, sorgt für saubere Luft, sauberes Wasser, liefert den klimafreundlichen Rohstoff Holz und ist für viele Menschen ein wichtiger Raum zur Erholung."

Quelle: DPA