Der kleine Jan (4) erstickte qualvoll

30 Jahre nach Kindstod: Mordprozess gegen Sekten-Chefin Sylvia D.

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22. Oktober 2019 - 15:56 Uhr

Gericht: Kind starb nach "erbittertem Todeskampf“

Was für ein grausamer, qualvoller Tod, den der kleine Jan H. vor über 30 Jahren im Haus einer Sekte sterben musste. Der wehrlose, vierjährige Junge wird von Sylvia D. mit einem Leinensack über dem Kopf verschnürt, in ein Badezimmer gelegt. Voller Panik schreit der Kleine, doch die Frau geht ungerührt weg. Das Kind stirbt. Es muss nach einem "erbitterten Todeskampf" gestorben sein, so die Staatsanwaltschaft. Jetzt muss sich die heute 72-Jährige für Jans Tod vor dem Landgericht Hanau verantworten. D. soll eine Chefin einer Sekte sein und aus bizarren religiösen Gründen gehandelt haben.

„Du kannst mit dem Schaubrüllen aufhören“

22.10.2019, Hessen, Hanau: Die 72-jährige Angeklagte sitzt neben ihrem Anwalt Peter Hovestadt im Gerichtssaal. Die Anklage wirft der mutmaßlichen Sektenchefin Mord an einem damals vierjährigen Jungen vor. Die Angeklagte soll das Kind im Jahr 1988 in
Die 72-jährige Angeklagte neben ihrem Anwalt Peter Hovestadt im Gerichtssaal.
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Die Angeklagte soll den Jungen als "von den dunklen Mächten besessen" angesehen haben, erklärte das Gericht. Deshalb habe sie beschlossen, ihn zu töten. Der Junge ist vermutlich erstickt, nach furchtbaren Qualen.

Für die Staatsanwaltschaft ist das Mordmerkmal der Grausamkeit erfüllt. "Du kannst mit dem Schaubrüllen aufhören. Es ist keiner mehr da und ich gehe jetzt in den Garten", soll sie zu dem hilflosen Kind gesagt haben.

Sylva D. verfolgt den Prozess äußerlich ungerührt

Zudem habe die Frau aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Neu aufgerollt wurde der Fall im Frühjahr 2015 durch neue Aussagen von ehemaligen Mitgliedern der Sekte. Der Rechtsanwalt der Angeklagten hatte den Mordvorwurf stets bestritten.

Sylva D. folgte der Verhandlung während des ersten Prozesstages äußerlich unbewegt. "Sie saß die ganze Zeit stoisch da", berichtet ein RTL-Reporter aus dem Gerichtssaal.

Sie bezeichnete das Kind als "Schwein" und "Reinkarnation Hitlers"

Jahrelangen Recherchen und Berichten der "Frankfurter Rundschau" zufolge hatte die Frau mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann die Sekte gegründet. Die Gruppe soll von psychischer und physischer Gewalt geprägt gewesen sein, wie die Zeitung berichtete.

Neben dem gestorbenen Vierjährigen lebten die leiblichen Kinder der Frau sowie Adoptiv- und Pflegekinder in der Gemeinschaft, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet. Der vierjährige Junge soll extrem unterernährt gewesen, misshandelt und erniedrigt worden sein. Die mutmaßliche Sekten-Anführerin habe den Jungen als "Schwein" und "Reinkarnation Hitlers" bezeichnet, berichtete die Staatsanwaltschaft Hanau im Laufe der Ermittlungen.