Leverkusen überholt Mönchengladbach

27. Spieltag: Bayern feiern kuriosen Sieg - Dortmund bleibt dran

FC Bayern München - Eintracht Frankfurt
© dpa, Andreas Gebert, hjb

23. Mai 2020 - 20:52 Uhr

Havertz jetzt Geisterspieltoptorschütze

Mit einem spektakulären 5:2-Sieg gegen Eintracht Frankfurt im Topspiel des 27. Spieltags am Samstagabend hat der FC Bayern München Verfolger Borussia Dortmund auf Distanz gehalten. Zuvor hatte sich der BVB souverän mit 2:0 in Wolfsburg durchgesetzt und den Tabellenführer unter Druck gesetzt. Bayer Leverkusen behielt im Duell die Champions-League-Plätze bei Borussia Mönchengladbach (3:1) die Oberhand und kletterte damit vorerst von Rang 5 auf Platz 3. In Freiburg sendete Werder Bremen mit einem 1:0-Sieg ein Lebenszeichen aus dem Tabellenkeller. Für den SC Paderborn dürfte der Punkt beim 1:1 gegen die TSG Hoffenheim im Kampf um den Klassenerhalt zu wenig gewesen sein.

FC Bayern München – Eintracht Frankfurt 5:2 (2:0)

Tore: 1:0 Goretzka (17.), 2:0 Müller (41.), Lewandowski (46.), 3:1 Hinteregger (52.), 3:2 Hinteregger (55.), 4:2 Davies (61.), 5:2 Hinteregger (74./ET)

Die Münchner übernahmen von Beginn an das Zepter und schnürten die Gäste ein, scheiterten aber entweder am Gebälk oder an Eintracht-Keeper Kevin Trapp. Nach einer Viertelstunde dann war der Bann gebrochen. Thomas Müller lief über Links wie einst die SPD unter Willy Brandt, legte zurück auf Leon Goretzka, der den Ball ins Netz nietete. Mit extremem Gegenpressing ließ der Tabellenführer die SGE auch weiter nicht zur Entfaltung kommen. Zaghafte Versuche des Hütter-Teams wurden schnell im Keim erstickt. Dagegen machten die Bayern weiter sauber ihren Job. Alphonso Davies' Flanke verwertete Müller in gewohnt schnörkeliger Manier zum 2:0 zur besten Zeit.

Noch bevor Frankfurt mit den Köpfen zurück auf dem Platz war, rappelte es schon wieder im Karton. Müller schickte Kingsley Coman auf die Reise, dessen butterweiche Flanke Robert Lewandowski zum 3:0 einnickte – der 27. Saisontreffer des Polen. Doch anstatt in Kantersieg-Modus zu schalten, war beim FCB urplötzlich Dornröschenschlaf angesagt. Mit einem Doppelpack binnen drei Minuten brachte Abwehr-Hüne Martin Hinteregger die Eintracht zurück ins Spiel.

Die letzte halbe Stunde hätte ein Kampf mit offenem Visier werden können, wenn Frankfurt seine Aufholjagd nicht selbst zunichte gemacht hätte. Gelson Fernandes schien eine Aktion von Davies schon geklärt zu haben, ehe der SGE-Kapitän die Kugel aus unerfindlichen Gründen zurück in den Lauf des Kanadiers spielte. Davies sagte Danke – doch die Messe war noch nicht ganz gelesen, denn Hinteregger setzte einer turbulenten zweiten Halbzeit noch die Krone auf. Eine Hereingabe von Serge Gnabry ömmelte der Österreicher gymnastisch ausbaufähig ins eigene Tor. "Das sah sicher lustig aus, ich musste selber ein bisschen lachen", bewies Hinteregger bei Sky einmal mehr Humor.

VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund 0:2 (0:1)

Tore: 0:1 Guerreiro (32.), 0:2 Hakimi (78.)

Rot: Klaus (WOL/83./grobes Foul)

Was Wolfsburg dem FC Schalke von Beginn an komplett voraus hatte, war defensive Stabilität. Daher kam der BVB trotz aller Bemühungen kaum zu Chancen. Dann jedoch tauchte Raphael Guerreiro, der vor einer Woche beim 4:0 im Revierderby mit zwei Treffern geglänzt hatte, im Sechzehner der Wölfe auf. Der Rest war Formsache. Eine schöne Kombination über Julian Brandt, Achraf Hakimi und Thorgan Hazard schloss der Portugiese mit links ab. Zuvor war Erling Haaland am Ball vorbeigerauscht und hatte den Gegner damit geschickt verwirrt.

Die beste Chance zum Ausgleich vergab Renato Steffen kurz nach der Pausen-Desinfektion, frei vor BVB-Keeper Roman Bürki jagte er das Leder über den Kasten. Es war der Anfang verstärkter Angriffsversuche des VfL, die jedoch allesamt im Sande verliefen. So machte der BVB im Stile einer Spitzenmannschaft den Sack zu. Nach einem Konter über Mo Dahoud legte das eingewechselte Assist-Monster Jadon Sancho quer auf Hakimi, der aus spitzen Winkel einnetzte.

SC Paderborn - TSG Hoffenheim 1:1 (1:1)

Tore: 0:1 Skov (4.), 1:1 Srbeny (9.)

Nach dem Kraichgauer Blitzstart reagierte Paderborn wie gewohnt störrisch. Nach einem dicken Patzer von Ermin Bikakcic, dem beim Passversuch die Koordinaten seiner Füße abhandengekommen waren, schlenzte Dennis Srbeny den Ball sehenswert aus 22 Metern in die Maschen. In der Folge wehrten sich die Ostwestfalen gegen überlegene Gäste nach Kräften. Einer, der das richtig gut kann, ist Klaus Gjasula. Der Mittelfeld-Akteur holte sich nach einer Stunde seine 14. Gelbe Karte der laufenden Saison ab und darf sich nun Rekordhalter nennen. 14 Kartons in 27 Bundesligaspielen sammelte noch keiner. Kaufen kann man sich aber auch dafür nichts. Am Ende blieb es bei einem Remis, das für das Schlusslicht nur ein weiterer kleiner Sargnagel ist.

Borussia Mönchengladbach - Bayer Leverkusen 1:3 (0:1)

Tore: 0:1 Havertz (7.), 1:1 Thuram (52.), 1:2 Havertz (58./FE), 1:3 Bender (81.)

Von den beiden Siegern des vergangenen Wochenendes erwischte Leverkusen den besseren Start. Bei der frühen Führung für Bayer blieb Kai Havertz vor Yann Sommer eiskalt und ließ dem Gladbacher Keeper mit einem Flachschuss ins lange Eck keine Chance. Bis zur Pause verpasste es das Team von Trainer Peter Bosz, die Feldüberlegenheit in weitere Tore umzumünzen. Die größte Chance ließ Kerim Demirbay (44.) aus, der nach einem Havertz-Lattentreffer freistehend den Ball im leeren Kasten nicht unterbrachte, weil Nico Elvedi noch seinen Fuß reinhielt.

Mit mehr Schwung kamen Gladbacher aus der Kabine. Alassane Plea spielte Marcus Thuram im Strafraum an, der mit einer Direktabnahme an Lukas Hradecki vorbei ins Schwarze traf. Die Freude über den Ausgleich währte jedoch nicht lange, weil Schiedsrichter Sören Storks auf Foulelfmeter für B04 entschied. Elvedi hatte Karim Bellarabi im Strafraum getroffen und Havertz ließ sich mit seinem zweiten Treffer die Chance zur erneuten Führung nicht entgehen. Mit vier Treffern seit dem Re-Start ist Havertz jetzt Geisterspieltoptorschütze. Sven Bender machte mit einem Schulterball nach Freistoßflanke von Demirbay den Deckel drauf.

SC Freiburg - Werder Bremen 0:1 (0:1)

Tore: 0:1 Bittencourt (19.)

Die überraschende Bremer Führung resultierte aus einem Konter. Nach einem Diagonalball von Davy Klaassen bewahrte Leonardo Bittencourt kühlen Kopf. Mit einem Schuss aus 18 Metern ins linke Eck erzielte der Brasilianer das 1:0 für den SVW - zu diesem Zeitpunkt kein unverdienter Spielstand für den Tabellen-17.

Nach dem Rückstand spielten eigentlich nur noch die Gastgeber, allerdings ohne zählbaren Erfolg - bis zur 90. Minute. Nach einem verlängerten Flankenball von Robin Koch traf Nils Petersen den Pfosten, den Abpraller brachte aber Manuel Gulde im Netz unter. Nach Einsatz des Videoschiedsrichters wurde den Freiburgern das Tor allerdings wegen einer Abseitsstellung Petersens aberkannt und die Grün-Weißen durften sich über den fünften Saisonsieg freuen.

27. Spieltag (2. Geister-Spieltag): Alle Ergebnisse und die Tabelle gibt's hier