-27,3°C: 'Dieter' beschert Kälterekord

10. Februar 2016 - 13:03 Uhr

Helgoland mit minus sechs Grad der wärmste Ort Deutschlands

Es war kalt, es ist kalt, und auch in den kommenden Tagen ändern sich die Tiefkühltemperaturen nicht. Im Gegenteil: Das Wochenende hat uns einen neuen Kälterekord beschert: Minus 27,3 wurden in Oberstdorf im Oberallgäu gemessen, in Garmisch waren es minus 21,9 Grad. Der wärmste Ort der Republik war die Insel Helgoland mit minus sechs Grad. Sogar in Großstädten wie Berlin, München und Leipzig könnten die Temperaturen unter minus 20 Grad rutschen.

Usedom
Im dichten Schneetreiben sind Touristen am Strand des Ostseebades Koserow auf der Insel Usedom unterwegs.
© dpa, Stefan Sauer

Kältehoch 'Dieter' lässt die Kassen von Heiz und Sanitärunternehmen klingeln: Durch die eisigen Temperaturen platzen vielerorts Wasserrohre, teilweise verzehnfachte sich die Nachfrage nach Brennstoffen. Auch KFZ-Unternehmer haben gut zu tun. Alte Autobatterien machen bei den aktuellen Minusgraden schlapp und müssen wieder zum Laufen gebracht werden. Immerhin dürften die leidgeplagten Autofahrer in den kommenden Tagen vom großen Verkehrschaos verschont bleiben.

Zwar sind vor allem im Südosten und an der Küste vereinzelte Schneeschauer möglich, doch ergiebig wird es nirgends schneien. Dafür bleibt es bitterkalt. Im Erzgebirge sind nachts weiterhin minus 20 Grad möglich, am wärmsten wird es im Rheinland, doch auch da bleiben Plusgrade weiterhin unerreicht. Eine Änderung der Großwetterlage ist nicht in Sicht, auch wenn die kältesten Tage dieser Frostwelle nun so langsam hinter uns liegen.

Beim Schutz von Obdachlosen bitten die Beamten auch weiterhin um Hilfe aus der Bevölkerung: Wer sieht, wie Menschen im Freien campieren, wird gebeten, die Polizei zu informieren. In vielen Städten sind zudem so genannte Kältebusse unterwegs, um Obdachlose, die sich draußen aufhalten, einzusammeln und zu versorgen. Sie erreichen sie unter folgenden Nummern: Hamburg: 040 / 401 782 15, Berlin: 0178 / 523 583 8, Frankfurt: 069 / 431 414, Krefeld: 0163 / 145 281 1, Düsseldorf: 0157 / 835 051 52, Köln: 0221 / 441 026.

Eisschrank Europa: Schon mehr als 250 Tote

Unterdessen konnte ein vermisster Schlittschuhfahrer in Obersontheim in Baden-Württemberg nur noch tot geborgen werden. Rettungstaucher fanden die Leiche des 58-Jährigen. Eine Spaziergängerin hatte die Polizei informiert, weil sie am Ufer des Steinbruchsees das Auto des Mannes, Straßenschuhe und eine Tasche entdeckt hatte. Ein auf dem Krickenbecker Seen in Nettetal eingebrochener Holländer wird weiterhin vermisst. Suchmannschaften fanden zunächst nur Jacke und Mütze des Mannes unter dem Eis.

Während Deutschland zwar zittert und schlottert, aber vom großen Winterchaos bisher weitgehend verschont geblieben ist, haben Superkälte und Schneemassen Teile Europas katastrophale Zustände verursacht. Nach zwei Tagen Schneefall in Serbien bereitet die Regierung laut Medien den Ausnahmezustand vor. In Belgrad, Rom und anderen Städten brach der Verkehr zusammen. Die Zahl der Kältetoten stieg seit dem Wintereinbruch vor gut einer Woche europaweit auf über 250.

Mindestens zwei Skifahrer sind bei einem Lawinenabgang in Südtirol ums Leben gekommen. Nach bis zu vier Verschütteten werde noch gesucht, berichten örtliche Medien. Die Schneemassen hätten die Skifahrergruppe am Staller Sattel im Antholzertal begraben.

In einem Straßentunnel in Montenegro schloss Schnee etwa 90 Menschen 24 Stunden lang ein – unter ihnen viele Kinder. Auch die beiden Staatspräsidenten von Kroatien und Serbien, Ivo Josipovic und Boris Tadic, saßen Medien zufolge im Schnee fest - im Gebirge vor den Toren von Sarajevo. In Bosnien harrte die Handballmannschaft des serbischen Erstligaklubs Hemofarm 20 Kilometer vor der Stadt Mostar ebenfalls einen ganzen Tag in einem Tunnel aus, weil Lawinen die Zugänge verschüttet hatten.

In Norditalien mussten tausende Menschen in ihren Häusern ohne Strom auskommen, Züge blieben im Schnee stecken. In Spanien stiegen die Temperaturen im ganzen Land nur auf höchstens fünf Grad. In Polen erfroren erneut sieben Menschen, wie das Innenministerium mitteilte. Damit stieg dort die Zahl der Kältetoten seit Beginn der Frostwelle auf 45. Hinzu kommen sechs Opfer, die an Kohlenmonoxidvergiftungen starben.

In Rumänien erfroren laut Regierung binnen 24 Stunden weitere vier Menschen - seit Beginn des extremen Frosts vor einer Woche waren es damit 28. Aus Frankreich wurde ein zweites Kälteopfer gemeldet. Ein Fährschiff rammte im Schneesturm in Civitavecchia nordwestlich von Rom einen Hafendamm und wurde dabei schwer beschädigt. Das Schiff mit mehr als 300 Passagieren und Besatzung an Bord wurde evakuiert, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. In Belgien und der Schweiz war der Bahnverkehr gestört; auf dem Londoner Flughafen Heathrow sollte am Sonntag jeder dritte Flug ausfallen.

Auch außerhalb Europas hat Väterchen Frost Einzug gehalten: In Nordafrika fiel in höheren Lagen der algerischen Hauptstadt Algier erstmals seit Jahren wieder richtig Schnee. Zahlreiche Kinder, die noch nie weiße Flocken gesehen hatten, stürzten sich nach Augenzeugenberichten begeistert nach draußen.