Behörden ermitteln wegen fahrlässiger Tötung

23 Corona-Todesfälle in Seniorenzentrum - Stadt Weimar erstattet Anzeige

Im Weimarer Seniorenheim Weimarblick starben 23 Seniorinnen und Senioren.
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15. Januar 2021 - 17:10 Uhr

23 Seniorinnen und Senioren starben

Im Weimarer Seniorenheim Weimarblick gab es rund um den Jahreswechsel 96 Corona-Infektionen, 23 Seniorinnen und Senioren starben. Nach Hinweisen erstattete jetzt die Stadt Weimar Strafanzeige. Auch RTL-Recherchen zeigen, dass es bei der Einhaltung der Hygienevorschriften zumindest Fragezeichen gibt.

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Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Der Fall hatte Anfang des Jahres bundesweit für Aufsehen gesorgt, besonders die Tatsache, dass die Stadt Weimar Strafanzeige stellte. Zwei Gründe gäbe es dafür, so der Weimarer 1. Beigeordnete Ralf Kirsten im Gespräch mit RTL. "Wir sind natürlich als Kommune nicht in der Lage, solche Vorgänge in der nötigen Tiefe zu verfolgen". Außerdem seien Hinweise an die Stadt herangetragen worden, die ein Handeln erforderlich machten. Nun untersucht die Staatsanwaltschaft Erfurt die Vorgänge. Ermittelt wird laut deren Sprecher Hannes Grünseisen gegen unbekannt wegen fahrlässiger Tötung und Verstößen gegen Hygienevorschriften. Dabei stehe man ganz am Anfang.

Zahlreiche Verstöße in Pflegeheim

Aus Mitarbeiterkreisen heißt es, tatsächlich habe es zahlreiche Verstöße gegeben. So sei zum einen nicht darauf geachtet worden, dass zum Beispiel Besucher die Masken- und Abstandsgebote einhalten würden. Zum anderen sei das Personal nicht ausreichend mit der korrekten Arbeitskleidung in ausreichender Menge ausgestattet worden.

„Wir sind bis ins Mark getroffen“

In Weimar hat der Vorgang Entsetzen ausgelöst. "Wir sind bis ins Mark getroffen", so Kirsten. Man habe aber auch aus der Bevölkerung starke Unterstützung erhalten. Als die Lage um die Feiertage eskalierte, habe man sieben Freiwillige gefunden, die das ausgedünnte Pflegepersonal unterstützen.

Strafanzeige gegen Unbekannt

Insgesamt sei der Fall durchaus komplex. Die Heimaufsicht unterliegt in Thüringen dem Landesverwaltungsamt und der Medizinische Dienst der Krankenkassen. Beide waren involviert, genauso wie das Gesundheitsamt der Stadt Weimar. "Wir haben kontrolliert, gerne auch mal unangekündigt" sagt Kirsten. Alles in Zusammenarbeit der Behörden. Dabei habe sich das Pflegeheim kooperativ gezeigt. Man wolle jetzt auch nicht mit dem Zeigefinger auf einzelne Protagonisten zeigen, daher habe man die Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Es müsse geklärt werden, ob hier eine Verknüpfung von unglücklichen Umständen vorliege oder strukturelles Versagen.

Pflegedienstleister schweigt

Sigrid Laffin-Hommes sprach für die Azurit-Pflegeheimgruppe von schockierenden Entwicklungen. Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen wolle man sich jedoch derzeit nicht weiter zum Sachverhalt äußern. Selbiges gilt für das Landesverwaltungsamt Thüringen. Auch dort gab es den Hinweis auf das Verfahren, die Einlassungen zum Sachverhalt derzeit unmöglich machen würden.