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23.000 Musiklehrer fehlen an Grundschulen - Tendenz steigend

Unterrichtsstudie der Bertelsmann-Stiftung

23.000 Musiklehrer fehlen an Grundschulen - Tendenz steigend

Eine Lehrerin spielt im Musikunterricht Klavier.
Musikunterricht an einer Grundschule.
scg jat bwe, dpa, Sebastian Gollnow

50 Prozent der Stunden wird von fachfremden Lehrern übernommen

Musik tut nicht nur Erwachsenen gut. Sie ist schon im Kindesalter wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung , sagen Experten. Dennoch gibt es in den Grundschulen laut einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zu wenig ausgebildete Musikpädagogen. Bundesweit fehlen 23.000 von ihnen. Die Folge: 50 Prozent des Musikunterrichts werde von fachfremden Lehrern übernommen oder der Unterricht fällt gleich ganz aus.

In acht Jahren fehlen 25.000 Musiklehrer

Laut der Untersuchung, die die Bertelsmann Stiftung, der Deutsche Musikrat und die Landesmusikräte-Konferenz beauftragt hatten, werden nur 43 Prozent des Unterrichts von Musiklehrern erteilt, zudem fallen sieben Prozent der Stunden aus. Es gebe größere regionale Unterschiede. Wie für alle Schulformen und fast alle Fächer bestehe auch bei Musikpädagogen ein Mangel. Bei Einstellungen seien die Schulen oft bemüht, zunächst die Hauptfächer zu besetzen, sagte Maresi Lassek, Bundesvorsitzende des Grundschulverbands. Die Bedeutung des Musikunterrichts werde unterschätzt, der musisch-ästhetische Bereich in der Grundschule "total vernachlässigt." Dabei haben Grundschüler in den ersten vier Schuljahren je nach Bundesland einen Anspruch auf ein bis zwei Stunden Musik in der Woche. Um den in den Lehrplänen der Länder vorgegebenen Umfang an Musikunterricht fachgerecht abzudecken, werden rechnerisch jedoch ca. 40.000 Musiklehrkräfte benötigt.

Werden keine Gegenmaßnahmen ergriffen, steigt der Mangel an ausgebildeten Musiklehrkräften für die Grundschule noch weiter an. Altersbedingt verlassen Lehrer die Schule, gleichzeitig nimmt die Zahl der Grundschulkinder zu. Ohne Gegenmaßnahmen werden in acht Jahren rund 25.000 Lehrkräfte fehlen, schätzen die Autoren der Untersuchung.

"Musikalische Bildung an Grundschulen bald Vergangenheit"

Der Deutsche Musikrat sprach von einem "Weckruf". Werde nicht gegengesteuert, "ist die musikalische Bildung an Grundschulen bald Vergangenheit", warnte Generalsekretär Christian Höppner. Sie sei aber wichtiger Baustein für die Bildung der Persönlichkeit von Heranwachsenden und gehöre zu den elementaren Kulturtechniken. Es müssten deutlich mehr Musiklehrer ausgebildet werden, aktuell tätige Fachlehrer sollten ihren Stundenanteil ausweiten, vorübergehend seien Seiteneinsteiger sinnvoll.

In die Untersuchung waren Daten aus Länderministerien, Statistikämtern und Kultusministerkonferenz eingeflossen. Die Studie bezieht sich nur auf 14 Bundesländer - nicht auf Bayern und das Saarland. Die dortigen Ansätze seien nicht vergleichbar, erläuterte die Vorsitzende der Landesmusikräte-Konferenz, Ulrike Liedtke.

Eine Musikschülerin probt mit ihrer Musiklehrerin auf der Geige. (zu dpa "Lehrer für Musikunterricht an Grundschulen fehlen") Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Musik ist schon im Kindesalter wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung.
jbu kno fux sab jol, dpa, Jens Büttner

Mit der Studie habe man für das Grundschulfach Musik erstmals belastbare Zahlen zu Stundentafeln, erteiltem Unterricht und Lehrkräften. "Das Thema Musikunterricht in den Grundschulen braucht mehr Gewicht", forderte Liedtke. Über Musik könne die Empathie- und Kommunikationsfähigkeit der Schüler gestärkt werden. Gemeinsames Musizieren unterstütze auch die Inklusion von Kindern mit Beeinträchtigungen und die Integration von Zugewanderten mit noch schwachen Sprachkompetenzen.