"Es müssen keine Matrosen sterben"

200 Soldaten auf Flugzeugträger mit Corona infiziert: Kapitän schreibt Brandbrief

01. April 2020 - 16:47 Uhr

Brandbrief an Marineführung

Die USS Theodore Roosevelt ist eines der größten und mächtigsten Kriegsschiffe der USA. Zwei Nuklearreaktoren treiben die schwimmende Festung an, die Platz für mehr als 80 Kampfflugzeuge bietet. Doch die Lage auf dem Koloss ist angespannt: Von den 4000 Soldaten an Bord sollen mittlerweile 200 mit dem Corona-Virus infiziert sein. Der Kapitän des Schiffs wendet sich jetzt mit einem Brandbrief an die Marineführung.

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"Es müssen keine Matrosen sterben!"

Der Kapitän des Flugzeugträgers Theodore Roosevelt, Brett Crozier
Der Kapitän des Flugzeugträgers Theodore Roosevelt, Brett Crozier
© United States Navy

Das Schiff liegt zur Zeit vor der Pazifikinsel Guam. Wie der San Francisco Chronicle berichtet, fordert Kapitän Brett Crozier, das Schiff zu evakuieren. Fast das gesamte Personal solle an Land gebracht und unter Quarantäne gestellt werden: "Wir befinden uns nicht im Krieg. Es müssen keine Matrosen sterben. Wenn wir jetzt nicht handeln, versagen wir dabei, das wichtigste Gut zu schützen, das uns anvertraut wurde: unsere Matrosen."

Verteidigungsminister lehnt den Wunsch ab

US-Verteidigungsminister Mark Esper
US-Verteidigungsminister Mark Esper
© REUTERS, YURI GRIPAS, YG/BRV

Der Brief sei ein "sehr ungewöhnlicher Schritt" für einen Kapitän mit Karriereabsichten, sagt der Militärexperte Lawrence Korb. "Es zeigt, dass hier jemandem das Wohl seiner Mannschaft wichtiger ist als seine Karriere."

US-Verteidigungsminister Mark Esper erteilt dem Wunsch des Kapitäns im Interview mit dem Fernsehsender CBS allerdings eine Absage. Er halte es derzeit nicht für notwendig, das Schiff zu evakuieren. Stattdessen wolle er den Soldaten an Bord des Schiffs helfen: "Wir verlegen eine Menge Vorräte und Hilfe, medizinische Unterstützung auf den Träger in Guam." Den Brief des Kapitäns habe er allerdings noch nicht detailliert gelesen, gibt Esper zu.

Schiffe sind ideal für Verbreitung des Virus

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Auf Flugzeugträgern ist die Lage noch extremer. Die empfohlenen Abstandsregeln einzuhalten, ist unmöglich. Der Großteil der Soldaten schläft in Sälen mit bis zu 60 Betten, Einzelkabinen haben nur hochrangige Militärs. Die Wasch- und Duschräume müssen die Seeleute gemeinsam benutzen. Lange Gänge ziehen sich durch das Schiff, immer wieder unterbrochen von Flut- und Brandschutztüren. Tausende Menschen fassen diese Oberflächen täglich an und stehen dicht gedrängt in den Gemeinschaftsunterkünften und Kantinen. Ideale Vorraussetzungen für die Verbreitung des Virus.​

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