Der 6. Februar ist der Internationale Tag für „Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“

200 Millionen Mädchen und Frauen sind an den Genitalien verstümmelt

Frauen in Berlin nehmen an Aktion von Terre des Femmes und dem Familienplanungszentrum Balance unter dem Motto "Stoppt Genitalverstümmelung" teil (Archivbild). Jörg Carstensen Foto: Jörg Carstensen
Frauen in Berlin nehmen an Aktion von Terre des Femmes und dem Familienplanungszentrum Balance unter dem Motto "Stoppt Genitalverstümmelung" teil (Archivbild). Jörg Carstensen Foto: Jörg Carstensen
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06. Februar 2020 - 11:35 Uhr

Schlimme Tradition

Es gehört zum Schlimmsten, das Menschen einem Mädchen, einer Frau antun können. Ein steinzeitlich anmutenes Ritual, und doch wird es noch immer millionenfach auf der Welt praktiziert. 200 Millionen Mädchen und Frauen sind betroffen, in den kommenden Jahren sind weitere 70 Millionen von Genitalverstümmelung bedroht.

Älter als der Islam und das Christentum

Genitalverstümmelung
In Ostafrika ist Genitalverstümmelung eine weit verbreitete Tradition.
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Wenn keine signifikanten Fortschritte bei der Zurückdrängung dieser Praktik gemacht werden, könnte die Zahl sogar noch höher ausfallen. Darauf macht die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) aufmerksam. Anlass dieser eindringlichen Warnung ist der Internationale Tag für "Null Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung" am 6. Februar.

Die Praxis ist in Ländern in Afrika, im Nahen Osten und etwa in Indonesien in Asien verbreitet. In Ländern wie Somalia, Guinea und Dschibuti werden nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef mehr als 90 Prozent der Mädchen beschnitten.

Insgesamt leben nach Schätzungen mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen mit verstümmelten Genitalien in etwa 30 Ländern. Seit 1997 hätten in Afrika und im Nahen Osten 26 Länder die Praxis verboten, sie sei aber weiter weit verbreitet. "Genitalverstümmelung ist nicht nur eine katastrophale Verletzung der Menschenrechte, die die körperliche und geistige Gesundheit von Millionen Mädchen und Frauen schwer beeinträchtigt", sagt der zuständige WHO-Direktor Ian Askew. Es ist auch ein volkswirtschaftlicher Schaden. Jedes Jahr müssten dafür 1,3 Milliarden Euro aufgebracht werden,

Ich erinnere mich an den Tag. Dieser dunkle, schäbige Raum

Die Weltgemeinschaft hat sich mit den nachhaltigen Entwicklungszielen vorgenommen, bis 2030 Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen. Dazu gehört unter anderem die Abschaffung schädlicher Praktiken wie Zwangsheirat und weiblicher Genitalverstümmelung. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind heute weltweit mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen an den Genitalien verstümmelt.

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Meist wird Genitalverstümmelung an Minderjährigen durchgeführt

Die traditionelle Praktik wird vor allem in Ländern Afrikas und des Mittleren Ostens durchgeführt und ist älter als der Islam oder das Christentum. Bei dem Ritual, das meist den Übergang vom Mädchen zur Frau markieren soll, werden die äußeren Geschlechtsorgane wie die Klitoris oder die Schamlippen ganz oder teilweise entfernt. Die Mehrzahl der Frauen in den Ländern, in denen Genitalverstümmelung verbreitet ist, ist für die Abschaffung der Praktik.

Weibliche Genitalverstümmelung wird meist an Minderjährigen durchgeführt und stellt eine grobe Verletzung der Rechte von Kindern dar. Diese Praktik verletzt auch das Recht auf Gesundheit, Sicherheit und körperliche Unversehrtheit sowie das Recht auf Leben, wenn der Eingriff zum Tod führt.

Das Leben der Waris Dirie - Weltbestseller, Film und bald auch Musical

ARCHIV - 22.11.2019, Nordrhein-Westfalen, Köln: Die Autorin Waris Dirie kommt zur Verleihung der Deutschen Nachhaltigkeitspreise 2019. Die Geschichte von Waris Dirie, die als Nomadin in Somalia geboren und später Supermodel wurde, kommt am 22.02.2020
Waris Dirie kommt bei der Verleihung der Deutschen Nachhaltigkeitspreise 2019.
© dpa, Henning Kaiser, hka pat sab

Eine der bekanntesten Aktivistinnen gegen Genitalverstümmelung ist Waris Dirie. Sie wurde 1965 in Somalia geboren, wuchs als Nomadin auf, flüchtete vor einer Zwangsheirat, arbeitete als Dienstmädchen in London, wurde dort als Model entdeckt und startete in den 80er Jahren eine internationale Karriere.

Sie ist selbst beschnitten worden und leidet nach eigenen Angaben bis heute an den Komplikationen. Dirie war von 1997 bis 2003 UN-Botschafterin gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien. Sie schreib den autobiographische Roman "Wüstenblume", der ein Weltbestseller und auch verfilmt wurde. Am 22. Februar wird das gleichnamige Musical in St. Gallen in der Schweiz uraugeführt.