20 Millionen fließen nach Hochwasser: OB für neue Talsperre

Zahlreiche Euro-Banknoten liegen auf einem Haufen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa/Archivbild
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20. Juli 2020 - 10:12 Uhr

Für die Beseitigung der Schäden des verheerenden Hochwassers vom Juli 2017 hat die Investitions- und Förderbank Niedersachsen bisher knapp 20 Millionen Euro ausgezahlt. Haushalte bekamen nach neuen Zahlen 8,5 Millionen Euro. Zur Wiederherstellung der Infrastruktur stellte die landeseigene NBank den Kommunen darüber hinaus bisher rund 10,7 Millionen Euro zur Verfügung, wie die Bank drei Jahre nach dem Hochwasser auf Anfrage mitteilte. Weitere Gelder könnten fließen, weil noch nicht alle Projekte abgeschlossen seien.

In der zweiten Juli-Hälfte hatte tagelanger Regen zunächst im Harz viele Flüsse über die Ufer treten lassen. Schnell waren viele Straßen unpassierbar, Keller liefen voll. In manchen Orten fiel gut dreimal so viel Niederschlag wie üblich.

Besonders hart traf das Hochwasser Stadt und Landkreis Goslar. Am 26. Juli 2017 rief der Landkreis Katastrophenalarm aus. In der Stadt Goslar verwandelte sich die Abzucht, ein kleiner Nebenfluss der Oker, in einen reißenden Fluss, der sich seinen Weg um die Marktkirche und durch die zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Altstadt bahnte. Später verlagerte sich das Hochwasser Richtung Norden und führte zu Überschwemmungen in Wolfenbüttel und Hildesheim.

Für Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) war die dramatische Lage eine der größten Herausforderungen seit seinem Amtsantritt im Jahr 2011. "Dieses Hochwasser gehört zu den heftigsten Dingen meiner Amtszeit", sagte Junk der Deutschen Presse-Agentur. Vergleichbar mit der Corona-Krise sei das Hochwasser nicht: "Das ungeheure Problem beim Hochwasser ist die Geschwindigkeit. Da muss man innerhalb von zwei Minuten Entscheidungen treffen."

Noch sind in Goslar nicht alle Schäden behoben, sie wurden auf knapp zehn Millionen Euro beziffert. "Wir haben noch Wunden", sagte Junk. So sei der Moritz-von-Sachsen-Platz noch nicht instand gesetzt. "Wir wollen nicht nur reparieren, sondern auch gleich den Hochwasserschutz verbessern." Es läuft ein Projekt, bei dem mit Hilfe Künstlicher Intelligenz Hochwasser wie 2017 besser prognostiziert werden können.

Hauptziel müsse aber sein, das Wasser vor der Stadt zu stoppen. "Da haben wir bisher Ideen und Konzepte. Konkret umgesetzt ist aber noch nichts", sagte Junk. Er plädiert dafür, vor den Toren der Stadt eine neue kleine Talsperre zur Regulierung der Abzucht zu bauen, die vor drei Jahren so massiv über die Ufer getreten war. "So etwas ist immer am wirksamsten", sagte Junk.

Mit der Frage, wie der Hochwasserschutz im Harzvorland verbessert werden kann, beschäftigt sich auch die als "Allianz gegen Hochwasser" gegründete Initiative von Städten und Landkreisen in der Region. Die Zusammenarbeit der Landkreise Hildesheim und Goslar sowie der Städte Hildesheim und Salzgitter war kurz nach dem Hochwasser ins Leben gerufen worden. Inzwischen wird der Bau von neun Rückhalteprojekten geplant. Das Land Niedersachsen stellt nach Angaben des Landkreises Hildesheim in den nächsten fünf Jahren bis zu 15 Millionen Euro dafür zur Verfügung. Die Kommunen steuern bis zu 3,75 Millionen Euro bei.

Für das Land Niedersachsen war die dramatische Lage vor drei Jahren Anlass für die Schaffung des Sondervermögens Hochwasserschutz, das 27 Millionen Euro umfasst. 30 Planungen und Bauprojekte werden damit gefördert. Dazu zählt laut Umweltministerium das Rückhaltebecken für den Weddebach in Immenrode, für das Ende Juli der erste Spatenstich geplant ist. Der Weddebach ist ein Nebenfluss der Oker - so wie die Abzucht, die 2017 in Goslar so erheblichen Schaden verursacht hatte.

Quelle: DPA