Prozessauftakt in Braunschweig

20-Jähriger soll seinen 4 Monate alten Neffen zu Tode geschüttelt haben – bei der Tat war er bekifft

07. Januar 2020 - 15:35 Uhr

Der Angeklagte wirkt vor Gericht selbst geschockt

Am Dienstagmorgen startete vor dem Landgericht Braunschweig der Prozess gegen Timmy A. aus Goslar. Der 20-Jährige soll seinen vier Monate alten Neffen Juliano zu Tode geschüttelt haben, als er versuchte, dass Baby zu beruhigen. Laut Polizei rief er selbst den Rettungsdienst - das Kind starb einen Tag später im Krankenhaus. Ihm wird gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Als die Richterin vorlas, was im Juli vergangenen Jahres im niedersächsischen Langelsheim passiert sein soll, schloss Timmy A. die Augen. Er wirkte wie versteinert, berichtete unsere RTL-Reporterin aus dem Gerichtssaal. So, als sei er selbst schockiert über die Tat.

Richterin ermahnt den Angeklagten, lauter zu sprechen

Timmy A. wollte vor Gericht Fragen beantworten. Doch seine Stimme ist kaum zu hören – so leise sprach er. Die Richterin ermahnte den 20-Jährigen, lauter zu sprechen. Sein Verteidiger erklärte, dass Timmy A. die Tat gestehe und keine Worte dafür fände. Er bedauere die Folgen und könne selbst nicht verstehen, wie das passieren konnte. Neben dem Säugling hatte der Angeklagte an dem Tag auch auf das eineinhalb Jahre alte Geschwisterkind und vier Hunde aufgepasst. Er hätte für beide Kinder nur das Beste gewollt. Der Vater der Kinder, Timmys älterer Bruder, war nicht zu Hause.

Der Kopf des Babys flog ungeschützt hin und her

Nach dem Wachwerden von Juliano, dem 4 Monate alten Säugling, soll Timmy A. dem Baby die Flasche gegeben und ihn wieder in die Wiege zurückgelegt haben. Als das Baby schrie, habe der Angeklagte ihn wieder aus der Wiege genommen, um ihn zu beruhigen. Als dies nicht gelungen sei, habe er Juliano mit beiden Händen unter die Arme gegriffen und ihn mehrfach vor- und zurückgeschüttelt, so dass dabei der Kopf des Säuglings ungeschützt hin- und hergeflogen sei. Infolgedessen habe Juliano ein Schütteltrauma mit massivem Hirnödem, eine Hirnerweichung und Einblutungen in dem Sehnerv erlitten.

Angeklagte hatte vor der Tat Cannabis geraucht

Timmy A. gesteht, dass er am Tattag Cannabis geraucht hatte. Seine Jugend war nicht geradlinig verlaufen. Seit er 13 Jahre alt war, nahm er Drogen und war schon im Jugendknast. Vor Gericht musste jetzt geklärt werden, in wie weit Alkohol oder Drogen Auswirkungen auf Timmys Handeln hatten. Der 20-Jährige befindet sich seit der Tat in Untersuchungshaft in der Jugendanstalt Hameln. Das Urteil soll voraussichtlich am 30.Januar fallen.