130 Accounts betroffen

17-Jähriger soll hinter massivem Twitter-Hack von Promi-Konten stecken

01. August 2020 - 18:26 Uhr

Barack Obama, Bill Gates und Elon Musk betroffen

Es traf Barack Obama, Bill Gates und Elon Musk: Die beispiellose Hacker-Attacke auf Twitter-Accounts von Prominenten sorgte weltweit für Staunen - und bei dem Unternehmen für Entsetzen. Jetzt geht die US-Justiz gegen drei junge Verdächtige vor. Der Hauptverdächtige soll erst 17 Jahre alt sein.

Graham Ivan C. (17) in Florida festgenommen

Gegen den "Drahtzieher" des Hacks lägen 30 Anklagepunkte vor, erklärte der zuständige Staatsanwalt Andrew Warren im Bundesstaat Florida. Zwei weiteren jungen Männern, Mason S. (19) aus Großbritannien und Nima F. (22) aus Florida, wird von einer Staatsanwaltschaft in Kalifornien Mittäterschaft und Beihilfe vorgeworfen. Den dreien drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen.

Der 17-Jährige Graham Ivan C. wurde am Freitag in seiner Wohnung in der Stadt Tampa festgenommen, wie Warren sagte. Er habe keinen Widerstand geleistet. Ihm wird nun unter anderem organisierter Betrug, Kommunikationsbetrug, Hacking und die betrügerische Verwendung persönlicher Informationen vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft in Kalifornien will den 17-Jährigen aber nicht nach Bundesrecht anklagen, weil er dann als Minderjähriger behandelt werden müsste. Die Anklage wird daher dem lokalen Staatsanwalt in Florida überlassen, weil er dort nach örtlichem Recht als Erwachsener zur Rechenschaft gezogen werden kann. Das könnte eine deutlich höhere Haftstrafe zur Folge haben.

"Es gibt einen Irrglauben innerhalb der Gemeinschaft krimineller Hacker, dass Angriffe wie der Twitter-Hack anonym und ohne Konsequenzen durchführt werden könnten", erklärte Staatsanwalt David Anderson.

Gruppe wollte Bitcoins ergaunern

Bei dem beispiellosen Twitter-Hack waren die Konten zahlreicher Prominenter gekapert worden, darunter der frühere US-Präsident Barack Obama, Präsidentschaftskandidat Joe Biden, Microsoft-Gründer Bill Gates und Tesla-Chef Elon Musk. Auch Firmen-Accounts, etwa von Apple, wurden gehackt. Die Accounts riefen Nutzer in Tweets dazu auf, Kryptowährung Bitcoin auf ein bestimmtes Konto zu schicken - verbunden mit dem Versprechen, den Betrag doppelt zurückzuzahlen. Dabei kamen nach Angaben der Ermittler durch gut 400 Überweisungen mehr als 100.000 US-Dollar zusammen.

Experten zufolge hätte ein ausgefeilterer Hack - etwa durch einen gezielten Spendenaufruf oder eine politische Botschaft - noch deutlich größeren Schaden anrichten können als der recht offensichtlich verdächtige Bitcoin-Aufruf.

Twitter erklärte am Freitag, das Unternehmen sei dem raschen Vorgehen der Justiz dankbar und werde weiter mit den Ermittlungen kooperieren. Twitter hatte nach dem für das Unternehmen sehr peinlichen Hack erklärt, einige Mitarbeiter seien "manipuliert" worden und die Angreifer hätten sich mit deren Login-Daten Zugriff auf interne Systeme der Firma verschaffen können.

Bei der Attacke waren demnach 130 Accounts betroffen gewesen. Von 45 Konten wurden Tweets geschickt, in 36 Fällen wurde auf die privaten Nachrichten des Nutzers zugegriffen, wie Twitter mitteilte.