Alle Besucher waren illegal am See

17-Jähriger in Baggersee ertrunken: Diese Strafe droht Rettungskräfte-Blockierern

10. August 2020 - 11:52 Uhr

Groß-Rohrheim: Rettungskräfte mussten auf Weg zum Ertrunkenen noch diskutieren

In Groß-Rohrheim bei Darmstadt ist ein 17-Jähriger in einer Kiesgrube ertrunken. Niemand hätte am Wochenende in diesem See baden dürfen. Doch die Zufahrtswege waren zugeparkt, illegale Badegäste blockierten den Weg für die Rettungskräfte, die schnellstmöglich zum 17-Jährigen vorrücken wollten, der am Samstag in der Kiesgrube sein Leben verlor. Seit drei Jahren ist die Behinderung von Rettungskräften ein eigener Straftatbestand. Rechtsanwalt Steffen Lindberg erklärt im RTL-Interview, welche Strafen für solches Verhalten drohen. Im Video sehen Sie, dass weniger als 24 Stunden nach dem Todesdrama schon wieder Menschen im Kiessee schwimmen gingen.

Rettungswege blockiert: Geld- und Haftstrafen möglich

"Durch die Verschärfung der Strafrechtsnorm, ist es insbesondere auch strafbar, wenn ich jemanden aufhalte, der Hilfe leisten möchte", erklärt Rechtsanwalt Lindberg. Auch wer bewusst einen Rettungsweg blockiere, mache sich strafbar. "Wenn man bei einem Rettungseinsatz im Weg steht, droht Geldstrafe – bis hin zu Freiheitsstrafe von einem Jahr", stellt Lindberg klar.

Der Bürgermeister von Groß-Rohrheim, Reiner Bersch, ist Feuerwehrmann und erlebte den Einsatz am Samstag mit. Bersch beschreibt im RTL-Interview, dass die Retter auf dem Weg zur Kiesgrube noch mit Gaffern und Behinderern diskutieren mussten – sogar beschimpft worden sein sollen.

Baden ist in der Kiesgrube in Groß-Rohrheim strikt verboten

Kiesgrube in Groß-Rohrheim
In dieser Kiesgrube in Groß-Rohrheim ist ein 17-Jähriger ertrunken
© RTL

Das Baden in der Kiesgrube in Groß-Rohrheim ist streng verboten. An der einzigen Zufahrtstraße zum See ist das auch mit Verbotsschildern eindeutig gekennzeichnet. Teile des Sees hat der Betreiber mit Zäunen und meterhohen Erdwällen abgesperrt. Doch selbst von diesen Hindernissen lassen sich Badewütige auf dem Weg zu der gefährlichen Kiesgrube, die noch in Betrieb ist, nicht aufhalten.

Wie Rechtsanwalt Steffen Lindberg erklärt, drohen dem Betreiber des Sees nach dem tödlichen Unfall keine rechtlichen Konsequenzen. Da am See Verbotsschilder stehen, appelliert Lindberg: "Da ist es in der Verantwortung des Einzelnen, sich an die Regeln zu halten."

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Im Video: "Baden verboten"-Schilder ignoriert - Rettungskräfte behindert

Der zuständige Kreisverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) beklagte bei Facebook die wildparkenden Autos hätten den Rettungseinsatz massiv behindert. Im Video sehen Sie, wie sich die Rettungskräfte ihren Weg vorbei an wild geparkten Autos bahnen mussten.

Wie Bürgermeister Bersch im RTL-Interview berichtete, waren das noch größere Problem Badegäste, die auf dem Weg zum See oder auf dem Rückweg die Zufahrtstraße blockierten. Er habe sich mit einigen Passanten "unschöne, unnötige Diskussionen" geliefert.

Betreiber glaubt, dass durch Corona mehr Menschen zum See kommen

Christoph Kopper, Geschäftsführer des Kieswerks ist vom tödlichen Badeunfall erschüttert. "Als Nichtschwimmer in einen Baggersee zu gehen – das ist ja gar kein Badesee – macht mich fassungslos", sagte er im RTL-Interview. Der Andrang am See sei in diesem Jahr besonders groß. Vermutlich wegen der Corona-Situation seien weniger Menschen in den Urlaub gefahren und viele Freibäder seien bei eingeschränktem Ticketverkauf ausgelastet. Das treibe die Menschen auf der Suche nach Abkühlung zur Kiesgrube.

Kopper sieht keine Möglichkeit, neben Verbotsschildern, Zäunen und Erdwällen noch mehr bauliche Maßnahmen gegen illegale Badegäste zu ergreifen. Er bat – ebenso wie auch Bürgermeister Bersch – darum, dem See fernzubleiben. Darin zu baden ist lebensgefährlich.

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